«Tyranny» im Test So böse war noch kein Rollenspiel

In Fantasy-Rollenspielen darf man oft nur für die Seite der wackeren und aufrechten Helden in den Kampf ziehen. Beim Oldschool-Titel «Tyranny» ist das komplett anders. Hier darf man als Bösewicht mal so richtig die Sau rauslassen – und danach mit den Konsequenzen leben.

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Nintendos neue Konsole 14 Fragen und Antworten zur Switch
2 Nintendo Switch ab 3. März 2017 «Zelda» zum Start, «Mario» im Herbst
3 Vorschau 17: Torment – Tides of Numenera Das perfekte Spiel für...

Games

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
1 shares
Fehler
Melden

Übersicht

Das Rollenspiel «Tyranny» stammt von den «Pillars of Eternity»-Machern von Obsidian Software, die mit dem Kickstarter-Game eine Renaissance von Games im Stile eines «Baldur’s Gate» einläuteten. Komplett anders ist in «Tyranny» die Story: Superschurke Kyros hat eine ganze Welt unter seine Herrschaft gebracht, und der Spieler erhält als Schicksalsbinder die Aufgabe, seine Edikte – übermächtige Zauber – zu verkünden. Einer davon besagt, dass eine ganze Region dem Erdboden gleichgemacht wird, falls es den beiden Armeen von Kyros nicht gelingt, innerhalb von acht Tagen einen Aufstand niederzuschlagen. Doch die straff durchorganisierten Geschmähten und der chaotisch-anarchistische scharlachrote Orden beschäftigen sich lieber damit, einander gegenseitig aufs Dach zu geben.

Gameplay: So spielt sich «Tyranny»

Das hat uns gefallen

Soviel vorneweg: Wer bereits bei «Pillars of Eternity» dachte, viel lesen zu müssen, bekommt bei «Tyranny» eine Krise. Ein erstes Gespräch mit einem neuen Begleiter dauert schon mal stattliche 40 Minuten, bis man alle Dialogoptionen durch hat. Das Ganze erinnert manchmal an ein interaktives Buch. Dies ist aber nicht schlecht, denn viele Situationen erfordern vom Spieler ein beherztes Handeln. Und hier kann jede Entscheidung tatsächlich zu einem komplett anderem Spielverlauf führen. So darf man sich sowohl den Geschmähten, dem scharlachroten Orden oder den Rebellen anschliessen – oder alle Fraktionen betrügen und sein eigenes Ding durchziehen.

play

 

Je nach Entscheidung führt dies bei den Vereinigungen zu steigender Gunst oder grösserem Zorn, wobei sich beides gegenseitig nicht ausschliesst. Für jede Fraktion und die wichtigen Figuren werden die beiden Werte in einer fünfteiligen Skala festgehalten. Erreicht man dabei eine gewisse Grenze, schaltet man einen neue Fertigkeit frei, die der Held im Kampf einsetzen kann. Noch selten sind wir in einem Spiel einem komplexeren Sympathiesystem begegnet.

Bei der Charaktererschaffung entscheidet man sich dieses Mal nicht für eine Klasse, sondern eher für einen Archetypen. Heisst: Jede Figur kann jede Waffe wie Zweihänder, Stab, Schwert und Schild oder Pfeil und Bogen benutzen. Allerdings holt nur eine körperlich starke Figur das Beste aus dem Riesenschwert heraus, während für den mächtigen Zauberstab ein hoher Verstand vonnöten ist. Zusätzlich darf man direkt nach der Erstellung der Figur einen umfangreichen Prolog spielen, der den aktuellen Zustand der Welt definiert. Wer sich überraschen lassen will, kann den Vorspann auch überspringen.

play

 

Das hat uns genervt

Während «Pillars of Eternity» viele erkundbare Umgebungen bot, sind die einzelnen Gebiete in «Tyranny» so klein, dass man sie, abseits der Kämpfe und Gespräche, in wenigen Minuten auf den Kopf gestellt hat. Auch eine grössere Stadt, in der man wie in «Pillars of Eternity» locker mal zehn Stunden verbringt, ist im neuen Game leider nicht zu finden. Umgebungs-Erforscher kommen definitiv nicht auf ihre Kosten.

Zudem sind die Kämpfe ziemlich unausgeglichen. Egal auf welchem Schwierigkeitsgrad: Die Gefechte mit den konkurrierenden Gruppierungen werden mit der Zeit immer einfacher. Während man zu Beginn noch jede Spezialattacke und jeden Zauberspruch sorgfältig planen muss, kann man sich später in den Kampf stürzen und die künstliche Intelligenz den Rest machen lassen. Im Normalfall sollte das genau umgekehrt sein. Zum Glück kann man den Schwierigkeitsgrad auch im laufenden Spiel anpassen.

Fazit

Wer auf diese Art von Games steht, bekommt mit «Tyranny» eines der vielfältigsten Rollenspiele geboten. Besonders beeindruckend ist dabei, auf wieviele verschiedene Arten man sich die Story zurechtbiegen kann, was zum Teil auch zu anderen Missionen und Schauplätzen führt. So fühlt man sich tatsächlich mitten in den Ränkespielen der drei verschiedenen Franktionen. Aus diesem Grund hat uns «Tyranny» noch ein wenig besser gefallen als «Pillars of Eternity». Das Spiel ist vom Umfang her mit 30 bis 40 Stunden zwar um einiges kürzer. Dafür lohnt es sich umso mehr, das Abenteuer noch ein zweites Mal in Angriff zu nehmen.

Unsere Wertung zu «Tyranny»

Wertung: 9 von 10 bereuten Entscheidungen

Tyranny, für PC, ab 16 Jahren

Publiziert am 22.11.2016 | Aktualisiert am 22.11.2016
teilen
teilen
1 shares
Fehler
Melden