Brothers in Arms - Road to Hill 30 Hut ab - Helm auf!

  • Publiziert: 10.03.2005, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Pascal Zuber

Zweitweltkriegs-Shooter gibt es nun wirklich wie Sand am Omaha-Beach. Aber Ubisofts neuster Streich ist anders. «Brothers in Arms» bei uns im Test.

«Brothers in Arms» klingt nicht per Zufall nach der TV-Miniserie «Band of Brothers». Sowohl Spiel, als auch Serie handeln von den Erlebnissen der Mannen der 101. US-Luftlandedivision. So fokussiert sich auch das Game auf die Invasion der Alliierten, die am 6. Juni 1944 – am D-Day – ihren Lauf nahm.

In der Rolle von Sgt. Matt Baker findet sich der Spieler kurz vor dem Einsatz in einem Flugzeug hoch über der Normandie wieder. Die Maschine wird von deutschen Flak-Geschützen getroffen und die Mannschaft muss überstürzt abspringen. Die Fallschirmjäger landen verstreut und fernab der eigentlichen Landungszone. Ohne Ausrüstung und Orientierung gilt es zunächst, die Kameraden der eigenen Truppe zu finden. Schon hier zeigt sich, wie viel Wert die Entwickler darauf legten, sich an historischen Gegebenheiten zu orientieren.

Die Missionen basieren auf tatsächlich durchgeführten Einsätzen der Luftlandetruppen, wofür auch US-Kriegsveteranen zurate gezogen wurden. Zu den Aufgaben von Baker und seiner Truppe gehören etwa das Ausheben von MG-Nestern, das Präparieren von Landepisten für Flugzeuge oder Überfälle auf deutsche Flak-Stellungen.

Der Anspruch an Realismus wird aber auch durch ein zwischen Action und Taktik angesiedeltes Gameplay unterstrichen. Dabei besteht der taktische Teil daraus, verschiedene Elemente zu kommandieren. Ein je drei Mann starkes Feuer- und ein Angriffs-Team oder ein Luftlandepanzer tanzen nach Bakers Pfeife. Die Bedienung der Einheiten ist sehr einfach und intuitiv. Wie in «Full Spectrum Warrior» platziert man einen Kreis an dem Geländepunkt, wo die Soldaten oder der Tank hin soll. Auch Feuerräume lassen sich ähnlich einfach zuteilen. Die künstliche Intelligenz der eigenen Kameraden weiss dabei meist zu überzeugen. Es sei denn, einer will wieder «ums Verrecken» seine Morgendusche im Kugelhagel des eigenen Kameraden nehmen. Kommt vor, ist aber nicht kriegsentscheidend...

Vielmehr ist dies die Vorgehensweise von Sgt. Baker – also auch die eingebauten Hilfen. Verliert man in der Hitze des Gefechts den Überblick, kann das Spielgeschehen jederzeit angehalten und die momentane Situation aus der Vogelperspektive analysiert werden. Bald wird dabei klar, welche Taktik die Entwickler den Spieler zu gebrauchen forcieren.

Durch Niederhaltefeuer unterstütztes Flankieren des Feindes (US-Army-Taktik: Find-Fix-Flank-Finish) heisst das Erfolgsrezept in vielen Situationen. Zumal man auch noch mit den eigenen Waffen – und das ist der Action-Teil von «Brothers in Arms» – ins Kampfgeschehen eingreifen kann. Beispielsweise lässt sich das MG auf dem Dach des fahrenden Minipanzers bedienen oder man macht die Stellungen der Nazis mittels Handgranaten unschädlich. Auch die Waffenbedienung trägt den Stempel der Authentizität: Ein Fadenkreuz fehlt gänzlich. Akkurates Einzielen ist nur über Kimme und Korn möglich. Schade: Nicht alle Objekte der Umgebung reagieren auf Beschuss – herumstehende LKWs etwa scheinen gegen jegliche Feuerkraft resistent zu sein.

Ansonsten verdient «Brothers in Arms» ein grosses Plus in Sachen Inszenierung. Die Dörfer der Normandie wurden anhand von Nachrichtendienst-Material und Fotografien aus jener Zeit rekonstruiert. Auch wenn die Spielgrafik nicht mit den Besten mithalten kann, wird eine dichte Atmosphäre erzeugt. Die imposante Soundkulisse – das Grollen der entfernten Artillerie-Geschütze, das Dröhnen der überfliegenden Luftgeschwader – steuert das Ihrige dazu bei. Und: An der Seite von Baker kämpfen rund zwanzig personalisierte Soldaten mit ihren unverkennbaren, individuellen Charaktereigenschaften, was das Geschehen um den D-Day und die 101. Luftlandedivision noch greifbarer macht.

Fazit: Für den Durchschnittsgamer mag das Wort Taktik-Shooter ein rotes Tuch sein. Die Spieleschmiede Gearbox meistert aber den Drahtseilakt zwischen Strategie und Action nahezu perfekt. «Brothers in Arms» sorgt somit für frischen Wind im strapazierten Genre, überzeugt darüber hinaus noch mit einer soliden Umsetzung und realitätsnaher Action und kann daher getrost als einer der besten WWII-Shooter überhaupt betitelt werden. Hut ab! Helm auf!

«Brohters in Arms» erscheint am 17. März für PC, PS2 und Xbox. Morgen auf Blick-Online: Wettbewerb zu «Brothers in Arms».

Wertung

Game: Brothers in Arms
Plattform: PC, PS2, Xbox
Plus: dichte Atmosphäre, guter Mix zwischen Taktik und Action, Authentizität
Minus: vereinzelte k.I-Fehler

Grafik: 4
Sound: 5
Gameplay:4
Gesamt:4

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