Test: Age of Empires III (PC) Der Alptraum der Historiker

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Martin Baumgartner

Ob die Entwickler von «Age of Empires III» in Geschichte einen Fensterplatz belegt haben? Keine Ahnung – aber in Sachen Game-Design haben die Jungs von «Ensemble Studio» was drauf.

Zugegeben: Beim Spielen von «Age of Empires III» (AoE) wird man nicht zum Historiker. Zumal sich die Entwickler nur lose an die geschichtlichen Gegebenheiten halten. Der Fachmann spricht von Klitterung, der Gamer freut sich bei der Besiedlung der neuen Welt ob des Szenarios. Zumal es nahtlos an «AoE II – Age of Kings» anknüpft. Und mit etwas Fantasie konnten die Entwickler die insgesamt acht spielbaren Völker wie Osmanen, Russen und Deutsche sogar in eine gemeinsame Geschichte verstricken.

Für alle, die sich bislang noch nicht mit dem Microsoft-Titel befasst haben: Als Echtzeitstratege soll der Spieler seine Nation zur Weltmacht formen. Wohl stehen dazu tapfere und in unterschiedlichen Spezialangriffen geschulte Soldaten zur Verfügung. Doch wer Wirtschaft oder Forschung vernachlässigt, wird nicht bestehen. Dabei beschränkt sich «AoE III» aber wie seine Vorgänger auf ein äusserst einfaches Ressourcen-System (Fleisch, Holz, Geld – auf Steine hat man verzichtet); Steuer-Füchse und angehende CEO’s suchen ihr Glück lieber bei anderen Spielen.

Neue Einheiten und aufgepeppte Grafik (dazu später) aber sind heute kein Kaufgrund mehr für kritischen Klienten. Darum hat man vor allem im Bereich der Entwicklungsmöglichkeiten ein neues System eingeführt. Jede Nation hat eine Hauptstadt in der fernen Heimat, die den Spieler während der Missionen mit Lieferungen von Soldaten oder Rohstoffen unterstützt.

Während man sich also durch die Weltgeschichte schlachtet, gibts Erfahrungspunkte – die sich dann zum Ausbau der Hauptstadt einsetzen lassen. Will heissen: Der Spieler bestimmt selbst, welche «Fähigkeiten» die Heimat mit der Zeit beherrscht. Wer schnelle Entscheidungen liebt, wird sich im Bereich der Soldatenlieferungen verbessern wollen, andere setzen auf Rohstoffe für einen schnellen Ausbau der eigenen Basis.

Jeder «AoE III»-Feldherr hat daher schon nach kurzer Zeit eine unverwechselbare Heimatbasis, welche die Taktik mitbestimmt. Vor einem neuen Spiel lassen sich mittels Feintuning (welche Schiffsladungen mit Soldaten kann ich gegen den zu erwartenden Gegner am ehesten gebrauchen?) die Lieferungen der Heimatfront anpassen. Eine gelungene Neuerung, die vor allem Langzeitspieler bei der Stange halten dürfte.

Fast schon legendär waren die Geschichten, die sich rund um die Grafik-Engine des Games rankten. Fakt ist: «AoE III» sieht zwar sehr hübsch aus, überzeugt mit liebevollen Details wie einstürzenden Gebäuden, realistischen Schatten und animierten Wasseroberflächen. Doch wo Licht ist, da ist auch Schatten: Bei der Übersicht dreht der Spieler aber immer wieder mal vergebens am Mausrad – und wünscht sich eine höhere Auflösung (max. 1024x960) oder etwas mehr Distanz zum Geschehen. Schade auch, dass Musketiere und Armbrustschützen durch Palisaden feuern müssen, weil ihnen die Grafiker den Gang auf die Zinne verwehren.

Die unterschiedlichen Entwicklungsmöglichkeiten der Nationen, die «wachsende» Hauptstadt, die gelungene Grafik und die Aussicht auf spannende Multiplayer-Schlachten machen «AoE III» zum Muss für jeden Fan der Serie. Sie werden sich wohl auch lange genug mit dem Titel beschäftigen, um die Auswirkungen der Neuerungen festzustellen. Einsteiger hingegen fühlen sich – nicht zuletzt dank der unterschiedlichen Schwierigkeitsgrade – schnell wohl. Und bekommen mit dem Kauf der Software das beste Echtzeitstrategie-Spiel des Jahres.

Wertung

Game: Age of Empires III
Plattform: PC
Plus: (mit Ausnahmen) protzige Grafik, Neuerung Hauptstadt, stimmige Präsentation, knackige Multiplayer-Gefechte, bislang bestes Echtzeitstrategie-Game des Jahres
Minus: Steuerung in Massenschlachten fällt schwer, kleine Patzer bei der grafischen Umsetzung (Kampagnen-Präsentation, Geschosse durchdringen Mauern)
Grafik: 5
Sound: 4
Gameplay: 4
Gesamt: 5

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