Test: Mafia 2 Das Leben des Vito Scaletta

  • Publiziert: 07.09.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Martin Steiner

Satte acht Jahre nach dem grandiosen Action-Game «Mafia» erscheint nun der Nachfolger. Trotz superber Technik kann das Spiel in unserem Test nicht alle Erwartungen erfüllen.

Übersicht
Das Leben meint es nicht gut mit dem «Mafia 2»-Helden Vito Scaletta. Als er nach einem Diebstahl im Jahr 1943 verhaftet wird, hat er die Wahl, ob er lange Jahre in den Knast will oder auf Seiten der US-Armee an der «Operation Husky» teilnehmen will. Er entscheidet sich für letzteres, kommt aber als Kriegsverletzter zwei Jahre später in die fiktive US-Stadt Empire Bay zurück. Immer noch abgebrannt gerät er dank seinem Kumpel Joe Barbaro in Kontakt mit der örtlichen Mafia. Deren Jobs sind zwar gefährlich, werfen aber genug Kohle für Vito ab, um die Schulden seines Vaters zurückzuzahlen.

[+] Grandiose Grafik
Die Story rund um Vito Scaletta wurde hervorragend in Szene gesetzt. Sowohl im Winter 1945 als auch im Sommer 1951 kommt Empire City detailreich und mit sauberen Lichteffekten daher. Wenn sich etwa die Strassenlampen und die Beleuchtungen der Häuser auf den verschneiten Strassen spiegeln, kommt beinahe Weihnachtsstimmung auf. Aber auch die Charaktere, besonders deren Gesichter und die sich darin abspielenden Emotionen gehören zum Besten, was es bisher in einem Spiel zu sehen gab.

[+] Coole Story
Die in vielen Zwischensequenzen erzählte Story besitzt zwar die eine oder andere billige Wendung. Trotzdem erzeugt sie genug Spannung, um ans Spiel zu fesseln. Bei gewissen Szenen fühlt man sich tatsächlich in einen der grossen Mafiafilme wie «Der Pate» oder «Goodfellas» versetzt. Zwar bleibt Vito während des ganzen Spiels etwas blass, dafür trägt sein Kumpel Joe umso dicker auf und ist auch für den einen oder anderen Lacher gut.

[+] Soundtrack vom Feinsten
Spätestens wenn Frank Sinatras «Let it Snow» aus dem Autoradio tönt, kommen wohlige Erinnerungen an die ersten «Die Hard»-Filme hoch. Auch sonst besticht der Soundtrack mit vielen Songs, die man schon mal irgendwo gehört hat. Kommt hinzu, dass die englischen Sprecher durchwegs zu ihren Rollen passen und so viel zur filmischen Mafia-Atmosphäre beitragen.

[–] Wenig Interaktion in der Stadt
Abgesehen von der Hauptmission wirkt Empire Bay relativ leblos. Abgesehen von Kleidergeschäften und Imbissbuden gibt es keine Ort, bei denen man sich beschäftigen könnte, von Nebenmissionen ganz zu schweigen. Hier stellt sich die Frage, warum man eine so grosse und stimmige Welt designt, um sie dann nicht zu nutzen.

[–] Lahmes Missionsdesign
Autofahren, Storysequenz ansehen, autofahren, schiessen, nochmals autofahren, Mission abgeben und mit dem Auto zurück in die eigene Wohnung. Genau so sieht ein typischer «Mafia 2»-Auftrag aus. So verbringt man dann auch geschätzt die halbe Spielzeit in einem der Vehikel, um von Punkt A nach Punkt B zu fahren und zwischendurch einmal die Polizei abzuhängen. Beim Missionsdesign hätte etwas mehr Fantasie bestimmt nicht geschadet.

[–] Schwache Faustkämpfe
Relativ oft ist Vito gezwungen, seine Gegner mit der Faust zu bearbeiten. Da allerdings unser Held mit gedrückt gehaltener Taste sämtlichen Schlägen ausweicht, sind die Fights keine Herausforderung. Warten bis der Gegner ins Leere schlägt und dann mit einem schnellen Schlag kontern: Mit dieser billigen Taktik gehen praktisch sämtliche Feinde problemlos zu Boden. Dafür steigt die Langeweile rasant an.

Fazit

Das Spiel der vergebenen Chancen: In den ersten Stunden vermag das Spiel mit seiner soliden Action und der hervorragenden technischen Umsetzung tatsächlich zu fesseln. Allerdings kommt ausser bei Hardcore-Autofahrern mit dem lauen Missionsdesign mit der Zeit die Ernüchterung. Mit mehr Vielfalt und Missionen über «GTA»-Niveau wäre trotz streng linearem Spielverlauf viel mehr drin gelegen.

Wertung: 7 von 10 mit Beton an den Füssen im nächsten See versenkten Mafiagegnern

Mafia 2, für PC, PS3 und Xbox 360, ab 18 Jahren

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