Test: L.A. Noire Besser als die Polizei erlaubt?

  • Publiziert: 25.05.2011, Aktualisiert: 03.01.2012

Auto fahren und Kriminalfälle lösen: In «L.A. Noire» durchläuft Cole Phelps eine spektakuläre Polizistenkarriere. Das Spiel überzeugt, macht aber genau dort Fehler, wo sie bei einem Krimi nicht sein dürfen.

Übersicht
Cole Phelps holte sich Verdienste im Zweiten Weltkrieg. Zurück in Los Angeles muss er allerdings als normaler Streifenpolizist seinen Dienst verrichten. Als er zufällig direkt an ein Verbrechen heranläuft, stellt sich ihm die Chance, in der Hierarchie des LAPD aufzusteigen. Dazu muss er aber nicht nur seine Fahr- und Schiesskünste unter Beweis stellen. Ein grosser Teil verbringt Cole mit dem Sichern von Beweisen und dem Verhören von Zeugen und Verdächtigen.

[+] Spassiges Gameplay
Neben den für Rockstar-Spiele üblichen Autofahrten (oder Pferderitten) hat der Titel wenig mit einem «GTA» zu tun. Kommt Phelps am Tatort an, gilt es, zuerst das Opfer zu untersuchen und weitere Spuren zu sichern. Danach verhört er Zeugen und notiert sich jede Einzelheit in seinem Notizblock. Hat man die Untersuchung erfolgreich abgeschlossen, werden neue Orte wie Familie des Opfers, Verdächtige oder der Laden, der dem Täter die Waffe verkauft hat, freigeschaltet, die es dann wieder zu untersuchen gilt. Schiessereien gibt es zwar auch. Im Vordergrund steht aber klar die Ermittlungsarbeit.

[+] Gelungene Gesichtsanimationen
Beim Verhör gilt es herauszufinden, ob der Zeuge oder der Verdächtige die Wahrheit sagt, ob an der Aussage Zweifel angebracht sind oder ob er knallhart lügt. Bei letzterem gilt es, mit Hilfe der gemachten Notizen einen Widerspruch vorzulegen. Bei den anderen Optionen muss Phelps die Körpersprache des Gegenübers zu beobachten und so im Stile der Serie «Lie to me» eine Entscheidung zu treffen. Hier kommt dem Spiel die hervorragende Gesichtsanimation zu Gute. So hat zum Beispiel der aus «Fringe» bekannte John Noble im Spiel die gleiche Mimik und Gestik, wie er sie auch auf dem Fernsehschirm zeigt.

[+] Gut konstruierte Fälle
Je nachdem wie man sich bei den Verhören entscheidet, kann ein Fall komplett anders verlaufen. So kann es durchaus vorkommen, dass man den falschen Verdächtigen bei einem Schusswechsel um die Ecke bringt. Auch sonst macht das Spiel einige Abzweigungen was so zumindest die Wiederspielbarkeits einzelner Fälle massiv erhöht. Hier kommt auch die tolle Konstruktion der einzelnen Fälle zum Tragen.

[+] Satter Umfang
Neben den rund 20 Hauptfällen besitzt das Spiel auch noch in der Stadt verstreute Einsätze, die mal mit einer Schiesserei, mal mit einer Verfolgungsjagd zu Fuss und mit dem Auto oder mit einer Geiselnahme endet. Zusätzlich gibt es auf der Karte markierte Fahrzeuge zu finden. So kann man sich mit L.A. Noire locker über 20 Stunden beschäftigen.

[–] Spiel wird berechenbar
Leider verlaufen der Grossteil der Story-Fälle genau nach dem gleichen Schema: Spuren aufnehmen, Zeugen verhören, zum nächsten Punkt auf der Karte fahren und das ganze von vorne. Hier schleicht sich mit der Zeit eine gewisse Routine ein. Zudem hätten wir es lieber gesehen, wenn die einzelnen Fälle mit etwas mehr Komplexität daher gekommen und nicht innerhalb von 45 Minuten locker zu lösen gewesen wären. So wird das Game mit der Zeit extrem berechenbar – etwas, das gerade einem Krimi nicht passieren darf.

Fazit

Die Mischung aus «GTA» und der «Ace Attorney»-Reihe kann zu Beginn punkten. Allerdings hält das Spiel die Spannung nicht über die ganze Zeit aufrecht und nimmt nach einen eher schwachen Mittelteil erst gegen Ende mit der übergreifenden Geschichte wieder fahrt auf. So hätte man sich innerhalb der Fälle mehr unerwartete Wendungen und dramaturgische Höhepunkte gewünscht. Trotzdem: Dank der liebevollen Umsetzung des «Film noir»-Genres – ab und an fühlt man sich auch dank dem Soundtrack direkt in den Film «L.A. Confindetial» hineinversetzt – lohnt sich das Spiel für Krimi-Fans auf alle Fälle.

Wertung: 8 von 10 aufgeklärten Verbrechen

L.A. Noire, für PS3 und Xbox 360, ab 18 Jahren

Top 3

1 Test Keine Medaille für «Torino»bullet
2 Super Mario Galaxy 2 Ein All voller Möglichkeitenbullet
3 Angespielt: Death by Degrees Sexy Nin(j)a auf Spielerfangbullet

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