Test: Sly 3 – Honour among Thieves ...

  • Publiziert: 14.11.2005, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Pascal Zuber

Da hat doch jemand den Titel geklaut! Möglicherweise waren es Meisterdieb Sly und seine Truppe vom PS2-Game «Sly 3». Sachdienliche Hinweise bitte an unsere Redaktion.Im dritten Abenteuer plant Sly den ganz grossen Coup: Bösewicht «Dr. M» hortet auf seiner Dr. No’schen Insel einen Tresorraum, in dem das gesammelte Vermögen der Sly-Diebes-Dynastie lagert. Das geht natürlich nicht und der flinke Waschbär Sly beschliesst, zurückzuholen, was seiner Familie gehört. Hierzu muss er aber erst seine alte Truppe wieder zusammentrommeln. Dazu gehört die intellektuelle Erfinderschildkröte Bentley, die seit dem Unfall am Ende von «Sly 2» mit Rollstuhl unterwegs ist. Und der Haudegen Murray, der, seit dem Unfall von Bentley von Schuldgefühlen geplagt, seinen spirituellen Weg bei einem Aborigine-Guru suchte und nunmehr auf dem Pfad des Friedens geht. Die erste Episode führt nach Venedig, wo Don Octavio – ein von der Rockmusik-Affinität der Venezianer in die Ecke gedrängter Opernsänger – die Gewässer mit Teer verschmutzt. Der Spieler übernimmt wahlweise die Rolle einer der Diebe oder jene der attraktiven Polizei-Chefin «Inspector Fox». Jede Figur hat dabei ihre Eigenarten. So ist Sly ein hervorragender Kletterer und Seiltänzer. Mit Leichtigkeit springt er per Doppelsprung von Dach zu Dach, um kurz darauf im Schatten zu verschwinden und der Wache noch von hinten die Knete aus der Tasche zu stibitzen. Auch unerkannt Beweisfotos zu knipsen – beispielsweise vom gewässerverschmutzenden Don Octavio – gehört zu den Aufgaben des gewandten Waschbären. Bentley hingegen kann auf einen gepimpten Rollstuhl mit Sprung-Funktion zurückgreifen. Er betäubt die gegnerischen Wachen auf Distanz, um sie danach äusserst diskret mit einer Bombe «aufzuwecken». Auch Bentley macht schon mal seine Finger lang und erleichtert die Wachen ihres Soldes. Sein Instrument: Ein Magnet, den er wie einen Angelhaken einsetzt. Murray hingegen hat gelernt, sich in einen Art Riesen-Flummi zu verwandeln. Bei den Levels mit ihm spielt man praktisch nur in Schwindel erregenden Höhen. Inspector Fox setzt ihres Zeichens auf alt Bewährtes und ballert den bösen Jungs die Leviten. Im Verlaufe des Spiels folgen noch weitere spielbare Charaktere.Allein die Vielfältigkeit der Figuren kommt einem abwechslungsreichen Gameplay zu gute. Dazwischen gibt es aber auch immer wieder Mini-Games, die neue Herausforderungen schaffen. Beispielsweise das Knacken eines Schlosses mittels behutsamen Drehen des Analogsticks (Sam Fisher lässt grüssen), oder das Entziffern von Geheimcodes auf Gemälden mithilfe einer Lupe. Es geht aber auch actionreicher, beispielsweise mit wilden Bootsverfolgungsjagden im Kanal.Auch RPG-Elemente haben Eingang in «Sly 3» gefunden: So lassen sich mit dem ergaunerten Geld neue Fähigkeiten für die einzelnen Figuren erwerben. Gut gelöst: Neue Aktionen, wie beispielsweise das Verkleiden von Sly, können vom Spieler einem Knopf zugeordnet werden. Und ein weiteres Kränzchen soll dem Gameplay gewunden werden: Die Wegpunkte, die auf Knopfdruck erscheinen und als Lichtsäulen in den Himmel ragen, erleichtern die Navigation enorm. Auch grafisch überzeugt der Cel-Shading-Titel, auch wenn sich seit dem ersten Teil nicht wirklich viel getan hat. Die Entwickler versuchen zwar mit der mitgelieferten 3D-Brille und den zugehörigen 3D-Levels visuelle Schmankerl zu bieten. Allerdings hat der Effekt – mal ganz abgesehen davon, dass, wer die Brille trägt unglaublich doof aussieht – mit 3D ungefähr soviel zu tun wie Keramikfliesen auf der Toilette. Einzig leichte Kopfschmerzen stellen sich nach andauernder Rot-Grün-Überlagerung ein. Gut, dass gewählt werden kann, ob man mit oder ohne Brille zocken möchte. Auch gut, dass die Sprache gewählt werden kann, denn die deutschen Sprecher hören sich grossenteils nach «TKKG-Casting: Leider nein!» an. Unter dem Strich bietet «Sly 3» aber schnelle, spannende und actionreiche Spielkost. Vor allem die verschiedenen erweiterbaren Fähigkeiten der Figuren und die Minigames lassen selten Langeweile aufkommen. Nicht zu vergessen die Prise Humor, mit der die Passagen da und dort gewürzt sind und die spassigen Multiplayer-Modi. Wer bei der leicht kindlichen Präsentation des Plots und der Figuren ein Auge zudrückt darf mit einem soliden und günstigen (58 Franken) 3D-Jump’n-Run-Titel rechnen – halt einfach ohne 3D. «Sly 3» erscheint am 16. November 2005 für die PS2.

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