Test: Pillars of Eternity Wenn die Welt auf den Spieler reagiert

Mit knapp 4 Millionen gesammelten Dollars ist «Pillars of Eternity» eine der erfolgreichsten Kickstarter-Aktionen. Nun ist das Rollenspiel da, und es macht vieles besser als aktuelle Hochglanz-Spiele.

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Übersicht
Wegen eines gescheiterten, unbenannten Grossprojekts stand das Entwickler-Studio Obsidian Software («Fallout – New Vegas», «South Park – The Stick of Truth») im Jahr 2012 kurz vor der Pleite. So entstand als Notlösung die Kickstarter-Kampagne für «Project Eternity», ein Old-School-Rollenspiel, das an Klassiker wie «Baldur’s Gate» erinnern sollte. Statt den erhofften 1,1 Millionen brachte die Aktion satte 4 Millionen ein. Nach 30 Monaten ist das Game nun unter dem Namen «Pillars of Eternity» erschienen – und fast jeder einzelne Dollar hat sich gelohnt.

So spielt es sich
Die riesige Welt ist in verschiedene Regionen unterteilt, die sich aus einer isometrischen Ansicht bereisen lassen. Dabei steuert man bis zu sechs Helden gleichzeitig, die, je nachdem, welcher der elf Klassen sie angehören, andere Fertigkeiten besitzen. Neben Krieger, Zauberer, Waldläufer oder Schurken gibt es auch ungewöhnlichere Klassen. Der Sänger kann zum Beispiel verschiedene Zeilen zu einem Lied zusammensetzen und so die Verbündeten stärken. Das Medium hingegen zapft die Seelen der Gegner an, um so mit mächtigen paranormalen Fertigkeiten die Feinde zu erledigen. Die Kämpfe gehen in Echtzeit über die Bühne, wobei sich das Spiel jederzeit pausieren lässt, um der Gruppe neue Anweisungen zu geben.

Das hat uns gefallen
Die Welt des Spiels ist bis ins kleinste Detail definiert, inklusive eigenen Göttern, eigener Geschichte und vielen aktuellen Ereignissen. So dreht sich der Hauptteil der Story um die Fähigkeit des Helden, in die Seelen anderer Leute und deren früheren Reinkarnationen zu schauen. Zudem kommen in der Region Dyrwood immer mehr Kinder ohne Seele, sogenannte Hohlgeborene, auf die Welt, die kaum lebensfähig sind. Nur schon um diese beiden Punkte spinnen sich viele Sagen und Legenden. Durch viele Missionen und teils ausufernde Gespräche mit den Gruppenmitgliedern und den Einwohnern wird einem die Welt weiter nähergebracht. Geschätzt hat «Pillars of Eternity» mehr Dialogzeilen zu bieten als zum Beispiel «Dragon Age – Inquisition», wobei Teile auf Englisch vertont sind. Jedenfalls macht es riesigen Spass, in einer so toll ausgedachten Welt – inklusive zweier grösserer Städte – mit seinen Helden umherzuziehen.

Apropos Dialoge: Je nach Charakterwerten des Spielers können sich die Gesprächsoptionen verändern. So trumpft ein intelligenter Held öfters mit seinem Wissen auf, während einer mit hoher Aufmerksamkeit auf kleine Details oder Gesichtsregungen reagiert. Zudem gibt es öfters die Möglichkeit, mit wohltätigen, aggressiven, diplomatischen, stoischen und weiteren Antworten das Gespräch in verschiedene Bahnen zu lenken. Dies verschafft dem Helden einen gewissen Ruf, auf den ihn andere Figuren ansprechen. Zusammen mit der Möglichkeit, Missionen auf verschiedene Arten zu lösen, vermittelt das Game das Gefühl, dass die Welt und ihre Figuren sehr oft auf die Aktionen des Spielers reagieren.

So raffiniert wie die Gespräche sind auch die Kämpfe. Abseits der Wege stolpert man immer wieder mal über stärkere Monster. So ist es von Vorteil, die Fähigkeiten der Figuren zu kennen und sie akkurat einzusetzen. Das Kampfsystem ist raffiniert und bietet viele strategische Optionen. Fast jede Figur hat auch die Möglichkeit, Gegner für gewisse Zeit zu betäuben und so für kurze Zeit aus dem Kampf zu nehmen. Dies ist auch nötig. Bereits im mittleren Schwierigkeitsgrad prügeln teilweise zehn Monster gleichzeitig auf die Helden ein.

Das hat uns genervt
Die deutsche Übersetzung strotzt vor Fehlern. So sind zum Teil die Gegenstands-Beschreibungen falsch zugeordnet oder bei gefundenen Notizen fehlen die Texte. Wer Englisch kann, sollte das Game in der Originalversion spielen, auch wenn mit der bewusst altertümlichen Sprache viele nicht geläufige Wörter zu finden sind.

Zusätzlich ist die Wegfindung alles andere als gelungen. So ist es bei Kämpfen in engen Räumen mehr als mühsam, seine Figuren optimal zu platzieren. Dies gilt aber auch für die Gegner, die manchmal wie wild herumrennen, bis sie ein Ziel finden.

Publiziert am 04.05.2015 | Aktualisiert am 04.05.2015

Fazit

Mit nur 4 Millionen Dollar Budget ist «Pillars of Eternity» ein hervorragendes Game geworden, das besonders von seiner raffinierten Geschichte und der detailreich entworfenen Welt profitiert. Auch die Kämpfe bieten genügend taktische Raffinesse, so dass man immer wieder gerne zum Spiel zurückkommt. Mit rund 70 Stunden Spielzeit – inklusive vieler Nebenmissionen – stimmt auch der Umfang. Bei der deutschen Übersetzung, aber auch bei der Optik wäre noch mehr herauszuholen gewesen. Abgesehen von den Wasseroberflächen sind die Umgebungen kaum animiert und wirken sehr statisch.

Wertung: 9 von 10 möglichen Antwortoptionen in ausufernden Gesprächen

Pillars of Eternity, für PC und Mac, ab 16 Jahren

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Unser Tipp

Wenn Kämpfe zu schwer sind, hilfte, das Spiel zu Beginn oder nach Beendigung einer Heldenaktion automatisch pausieren zu lassen. So lässt sich die Zeit optimal nutzen, ohne dass die Helden untätig in der Gegend herumstehen.

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