Freitagabend in Zürich

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • von Silvia Aeschbach

Irgendwann braucht jeder wieder mal einen schönen Abend. Die Voraussetzungen dazu waren gegeben: ein hoch dekoriertes Restaurant, ein netter Begleiter und ein Magen, der zwölf Stunden nicht gefüttert wurde.

Etwas irritierend war nur, dass gerade mal drei Tische besetzt waren. Nebenan sass ein älteres Ehepaar. Rechts ein betagter Herr, der konstant an seinem Hörgerät nestelte.

Plötzlich wurde die Stille von einem durchdringenden Geräusch unterbrochen. Das Sägen war ohrenbetäubend.

Niemand im Raum schien allerdings auf den Lärm zu reagieren. Das Personal lief mit dem gleichen unbeteiligten Ausdruck umher. Das Ehepaar schaute stoisch nebeneinander vorbei.

Lief hier die versteckte Kamera? Hier schnarchte jemand offensichtlich so, dass die Wände zitterten. Der Mann am Flügel schien als Einziger auch etwas irritiert, spielte aber mit voller Kraft mit Céline Dions «My Heart Will Go On» gegen den Lärm an, was einen etwas absurden Klangmix ergab.

Nach dem ersten Gang war mir klar: Das Geräusch kam aus der Ecke, wo sich die zwei Alten anschwiegen. Lag da etwa ein Dritter unter dem Tisch, der schon beim Apéro schlappgemacht hatte?

Ich machs kurz. Der Dritte war ein Hund: Renzo von Hohleben ist hier seit 25 Jahren Stammgast und darf während seines Schläfchens nicht gestört werden. Das verriet uns dann die Bedienung doch noch. Und da der Rottweiler geschätzte 80 Kilo schwer ist, war sein Schnarchen mit dem eines alkoholisierten Mannes vergleichbar. Und solche sollte man ja auch nicht zu wecken versuchen.

Renzo und sein Gefolge verliessen das Lokal kurz vor uns.

Wir übersahen den Abgang geflissentlich, da wir gewarnt wurden, dem Rüden «ja nicht in die Augen zu schauen». Dies schätze Renzo nämlich gar nicht.
Man lernt nie aus.

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