Die spannendsten Romands Diese Westschweizer sollte man kennen

In der Westschweiz passiert viel – kulturell, wirtschaftlich, politisch. Das SonntagsBlick-Magazin hat die spannendsten Romands gesucht, die man auch in der Deutschschweiz kennen sollte.

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Kacey wer? Die Standardfrage in Zürich, Bern und Basel diese Woche nach der Premiere des Films «Quand on a 17 ans» des französischen Altmeisters André Téchiné (72) am Berliner Filmfestival.

Die Rede ist von Kacey Mottet Klein, 17-jähriger Shootingstar an der Berlinale. Ein junger Schauspieler auf dem Sprung nach ganz oben. Eine Art Joel Basman, Berlinale-Shootingstar von 2008 aus Zürich. Auch Mottet Klein ist ein Schweizer – allerdings aus der Westschweiz, Lausanne, und darum praktisch unbekannt in der Deutschschweiz.

Natürlich, gesehen hat man ihn schon. In Filmen der ebenfalls welschen Regisseurin Ursula Meier, (44, «Home», «L’enfant d’en haut»), die auch diesseits der Saane im Kino und im Fernsehen zu sehen waren. Aber ob sein grandioser Auftritt im Téchiné-Film hier in die Kinos kommt, ist noch ungewiss.

Immerhin: Der Film «Keeper», in dem er einen 15-Jährigen spielt, der Vater wird, ist ab nächster Woche zu sehen. Frankofone Kultur, das Savoir-vivre der Romands, die Eleganz von Mode, Menschen und Sprache in der Westschweiz erfreuen sich grösster Beliebtheit in der Deutschschweiz. Doch was in der Romandie passiert, wer in der französischen Schweiz den Ton angibt und wer ihre Stars in Kultur, Politik und Wirtschaft sind, geht konstant unter dem Radar durch.

Ohne flüssiges Deutsch läuft gar nichts – ausser mit Englisch

Wer nicht gut Deutsch spricht, hat in den Medien östlich von Freiburg keine Chance. Und zwar ziemlich gut, wenn möglich Dialekt verstehend – «Arena-tauglich» ist das Stichwort, das nicht nur für Politiker mit Bundesratsambitionen gilt, sondern auch für Schauspieler, Unternehmer und Sportler.

Wenn einer wie der Schmusesänger Bastian Baker (24) diesem Sprachdiktat entgeht, liegts wohl daran, dass er Englisch singt. Und einen Namen trägt, der eher auf eine englische als welsche Herkunft deutet. So schafft mans auch als Romand auf die Titelseite der «Schweizer Illustrierten».

Auch Tennisstar Stan Wawrinka (30) ist bei uns viel zu hören, auch er oft englisch. Rapper Stress (38) ist einer der wenigen, die recht gut Deutsch können – gelernt in Zürich, mit Noel, dem Sohn seiner Ex-Gattin Melanie Winiger (37).

Man kann jetzt sagen, es sei nicht so schlimm, wenn die Deutschschweiz nicht jede Genfer Skandalnudel kennt. Nabilla Benattia (24) etwa, eine Art französische Daniela Katzenberger, die mit riesig aufgepumpten Brüsten zum Star des frankofonen Reality-TV wurde – bis sie mit dem Messer auf ihren Freund losging. Oder den berühmt-berüchtigten ehemaligen Staranwalt Dominique Warluzel (58), der gerade wegen Mordversuchs in Untersuchungshaft sitzt. Er hat auf seine Pflegerin – manche sagen, seine momentane Geliebte, andere meinen, ein Escort-Girl – in seiner Suite in einem Fünfsternehotel am Genfersee geschossen.

Oder die neuste Seifenoper, die derzeit die Calvin-Stadt aufwühlt: Generalstaatsanwalt Olivier Jornot (46), der verbotenerweise mit einer ihm unterstellten Staatsanwältin turtelt und sich öffentlich brüstet, nach einer feuchtfröhlichen Justizparty mit dem Auto nach Hause gefahren zu sein.

Stimmt, das braucht man wohl nicht so genau zu wissen. Aber manchmal wärs doch ganz nützlich, sich ein bisschen bei unseren compatriotes umzuschauen. Bei Guy Parmelin (56) zum Beispiel, den kein Mensch in der Deutschschweiz kannte, bevor er in den Bundesrat kam. Dabei sass er ein Dutzend Jahre auf einer Hinterbank im Nationalrat. Oder bei Céline Amaudruz (36), die als peitscheschwingende Präsidentin die Genfer SVP auf Kurs hält. Obwohl seit 2011 im Nationalrat, kennt sie kaum einer in der Deutschschweiz, wo ihr wohl die optisch verwandte Parteigenossin Natalie Rickli vor der Sonne steht.

Apropos: Auch Schönheit endet an der Sprachgrenze. Die Westschweizer Missen fristen in der Deutschschweiz ein Mauerblümchendasein. Etwa Laetitia Guarino (23): Die Miss Schweiz von 2014 machte dafür ihre mangelhaften Deutschkenntnisse verantwortlich.

Für einen Romand liegt Paris näher als die Ostschweiz

 

Für People-Magazine aus Zürich ist es halt nachteilig, wenn die Schönheit nur schön ist, ihre klugen Sätze aber auf Französisch sagt. Klug war sie, die Romande, die ihren Titel für die Umwelt einsetzte. Da lohnt es sich hinzuhören, wenn die junge Dame über ihren Beitrag für eine bessere Welt parliert. Ganz im ­Gegensatz zu ihren alemannischen Vorgängerinnen, deren meist nicht eben intelligente Sätze auch auf Deutsch oft nur krud waren.

Für einen Romand ist es einfacher, in Paris Karriere zu machen als in Zürich oder St. Gallen. Beispiel Film: Allein in der ersten Woche im Kino haben in Paris 25' 000 Menschen den Film «Les grandes ondes» des Lausanner Filmemachers Lionel Baier (40) gesehen. In der ganzen Deutschschweiz waren es während der ganzen Kinolaufzeit gerade mal 10'000.

Beispiel Buch: Joël Dicker (30), einer der wenigen Schweizer Autoren mit Millionenauflage, wurde erst via Paris weltberühmt. Zweimal, 2013 und 2015, stand er auf der Liste der 10 Topseller in Frankreich. Sein Bestseller «Die Wahrheit über den Fall Harry Quebert», ein über 700 Seiten dicker Backstein im Stile amerikanischer Romane, für den er den Grand Prix du roman de l’Académie française sowie diverse andere Preise erhielt, verkaufte sich millionenfach, hauptsächlich im französischen Original und in der englischen Übersetzung. Auf Deutsch wurden gerade mal 250'000 Exemplare gedruckt.

Umgekehrt ist auch gefahren: Wer in der Westschweiz kennt schon unsere Lieblinge? Den schon erwähnten Joel Basman zum Beispiel, oder Mona Vetsch (40), Stefan Gubser (58) und den Bestatter Mike Müller (52)? Wer kein Französisch spricht oder tönt wie ein unbedarfter Toto (wie man die Deutschschweizer in der Romandie nennt), ist dort schnell unten durch.

Sogar die Deutschschweizer Kassenknüller «Heidi» und «Schellen-Ursli» laufen mässig in der Romandie. Micha Schiwow von der Filmpromotionsagentur Prochaine: «Deutschschweizer Filme haben es in der Romandie schwer: Wenn sie in Originalsprache mit Untertiteln kommen, gehen viele Menschen gar nicht hin. Und wenn sie französisch synchronisiert sind wie ‹Une cloche pour Ursli› (so heisst der «Schellen-Ursli» dort; Red.), dann wird ebenfalls herumgemäkelt.»

Man kanns eben nie recht machen. So leben Romands und Deutschschweizer weiterhin wie in zwei verschiedenen Ländern.

23 Prozent der Schweiz ist Suisse romande

Zuerst: Sprechen Sie in der Westschweiz nie von der «Romandie», die gilt als Deutschschweizer Erfindung. Auch nicht «Suisse française», romand ist nicht français! Politisch korrekt ist Suisse romande. Was das ist, ist bei den Romands selber umstritten – der WikipediaEintrag «Suisse romande» ist regelmässig Schauplatz erbitterter Definitionskriege. «Es gibt keine Suisse romande, nur welsche Kantone», erklärt die Genfer Publizistin Joëlle Kuntz. Nicht einmal eine gemeinsame Fahne setzte sich in den 1980er-Jahren durch. Eine inoffizielle Nationalhymne aber gibt es: «Le vieux chalet».

 

Publiziert am 23.02.2016 | Aktualisiert am 20.12.2016
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