Hirschen Wo Nepomuk zum Rechten sieht

  • Publiziert: 07.11.2008, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Feinschmecker Beat Wüthrich
play Von ganzem Herzen Jane Bucher, die Chefin aus England, mag gerne Kitsch, ihr Mann Daniel, der Pächter, hat ein Faible für Fisch. (Sabine Wunderlin)

Unseren Gastrokritiker zog es diese Woche an den Rhein – da, wo er am ruhigsten fliesst. In Rheinau liess er sich mit Fischgerichten verwöhnen.

Ich bin durch und durch Engländerin», strahlt die Hirschen-Wirtin Jane Elizabeth Bucher-Kendall, 45, in Rheinau ZH. Sie mag gerne Dekorationen, freut sich schon jetzt auf Advent und Weihnachten. Da wird sie sich nicht zurückhalten können. «Es ist mir egal», sagt die gut gelaunte, quirlige Gastgeberin, «ob die Leute dann meinen, das sei Kitsch. Mir gefällt es.»

Sie erzählt, wie sie einmal – in der Zeit, als hierzulande noch niemand etwas mit Halloween im Sinne hatte – in ihre Heimatstadt Nottingham mitten auf der britischen Insel fuhr. Zurück in die Schweiz kam sie mit einem Rucksack voller Kürbisse, schnitzte ihnen Fratzen und dekorierte das Lokal. Das gab zu reden. Damals.

Rheinau ist ein wunderschönes Dorf; es liegt an jener Stelle des Rheins, wo dieser eine Doppelschleife bildet. Die Gemeinde mit 1200 Einwohnern und sieben Gaststätten ist einen Ausflug wert: Klosterkirche auf der Rheininsel, Oberstadt mit Keltenwall, Bergkirche, die Unterstadt mit spätgotischen Herrenhäusern und die hölzerne, gedeckte Rheinbrücke.

Genau hier, in einer der Stromschleifen, liegt der Hirschen aus dem Jahr 1705. Die Grundmauern stehen im Wasser. Der Heilige Nepomuk überwacht die Brücke, die ins deutsche Jestetten führt. Dort kaufen die Schweizer gerne bei den rund zehn Discountern ein. Die Holzbrücke ist sowas wie eine «grüne Grenze». Doch die Grenzwächter warten auch gerne im Dorf Rheinau und machen da ihre Kontrollen.

Zurück in den Hirschen. Daniel Bucher, 47, Pächter und Küchenchef, geboren in Buchs AG, ist ein begnadeter Fischkoch. Die Speisekarte ist dementsprechend aufgebaut. Wer gar keinen Fisch mag, kommt auch nicht zu kurz.

Martin, der freundliche Kellner und die Chefin, die den Überblick nie verliert, haben mir einen Platz reserviert – mit Blick auf den Rhein, der hier so ruhig ist, dass er wie ein See wirkt. Als Amuse-Gueule gibts ein pochiertes Zanderstückchen in Rauchlachs eingewickelt, auf Rettich- und Radieschenscheibchen mit Joghurt-SchnittlauchSauce. Der Anfang ist geglückt.

Der Salat, der nachher folgt, ist ein richtiger Traum (17 Franken; siehe Rezept). Als passenden Wein – immer schwierig bei Salat – empfiehlt Kennerin Jane Bucher eine Exklusivität aus dem Weingut Ernst Gasser, Hallau SH: Sauvignon Blanc 2007, eine Flasche für 45 Franken. Insgesamt ist das Weinangebot nicht riesig, aber mit Kenntnis und Liebe ausgesucht – und preisgünstig.

Es folgt eine herrliche Fischsuppe «nach Art des Hauses» (17 Franken), die täglich je nach Fang mit andern Fischen zubereitet wird. Bei meinem Besuch schwimmen Stücke von Zander, Lachs, Seeteufel und Seezunge im geklärten Fischfond, dem Safranfäden seine gelbe Farbe verleihen; Gemüsestreifen machen die herrliche Suppe noch bunter.

Kretzerli, so heissen die Egli im Untersee, kommen als Hauptgang (Fr. 36.50) auf den Tisch. Sie sind höchstens 15 Zentimeter lang, geschuppt, ausgenommen, gewürzt und knusprig gebacken. Man kann sie samt Kopf und Schwanz mit Tatarsauce geniessen. Schmeckt! Wie alles im Hirschen.

Das Restaurant

Hirschen

Sandackerstrasse 1
8462 Rheinau ZH
Montags und dienstags geschlossen
Tel. 052 319 12 62
hirschen-rheinau.ch
play Beat Wüthrich, Gastrokritiker beim SonntagsBlick.

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