Für Sie degustiert: Creation Schweizer Auswanderer mischt das Kap auf

Es könnte ein Stoff sein für die Serie «Auf und davon». Wie Jean-Claude Martin der Schweiz ade sagte, um als «JayCee» in Südafrika eigene Weine zu machen. Und das mit Riesenerfolg!

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Hemel-an-Aarde heisst die Region. Himmel und Erde. Und nicht Hölle… Durch diese muss man nur bei der Anfahrt. Eine kilometerlange Baustelle, welche die Schotterstrasse nur einspurig befahrbar macht. Da ist Geduld gefragt. Viiiel Geduld! Man ist hier tatsächlich am A… der Welt in der Region Walker Bay unweit der Wal-Hochburg Hermanus.

Okay, die Erde haben wir nun kennengelernt hier. Und was ist mit dem Himmel? Finden wir den bei Creation, dem Weingut von Jean-Claude Martin aus Neuenburg und seiner Frau Carolyn, die aus der berühmten südafrikanischen Weindynastie Finlayson kommt?

Südafrikanische Weine sind beliebt: ein Schweizer erobert Südafrika play
«JayCee» Martin, der Mann aus Biel, inmitten seiner Barriques – zwischen Himmel und Erde. Alain Kunz

 

Jean-Claude? So nennt ihn hier kein Mensch. Ist auch nicht auszusprechen. Weder auf Englisch, noch Afrikaans, schon gar nicht auf Kosi. Also heisst er hier bloss JC. JayCee. Der Bieler, der auszog, die Weinwelt am Kap zu erobern.

Wir treten ein in die gute Degustationsstube. Erste Überraschung: Der Laden ist brechend voll! An einem harmlosen Sonntagmorgen. Es wird degustiert, gelacht, verglichen, gegessen, getratscht. Da sind wir aber auf einen ganz speziellen Ort gestossen! Weit weg von der oft sterilen Degustations-Atmosphäre in Europa.

Südafrikanische Weine sind beliebt: ein Schweizer erobert Südafrika play
Tolles Essen, tolle Weine, freundliches Ambiente: Der Deguraum von Creation. Alain Kunz

 

«Unglaublich, wie sich das entwickelt hat», sagt JC und schüttelt den Kopf. Um zu zeigen, dass er selber kaum  fassen kann, was da in kürzester Zeit abgegangen ist. Denn der Wein ist «nur» das eine. Das Creation-Food-Konzept das andere. Es gibt zum Beispiel einen Brunch mit passenden Weinen. Acht Frühstücks-Tapas mit acht verschiedenen Weinen. Kostet 24 Franken. Und ist… himmlisch gut. Tja, wie sagt der Südafrikaner? «Ein Mahl ohne Wein nennt man… Frühstück.» Offenbar nicht mal mehr das.

Zurück zu JC. Er ist studierter Önologe, hat seine Ausbildung in Changins gemacht und bei Stikel Schwarzenbach in Meilen sowie Peter Hermann in Fläsch hospitiert. Danach arbeitete er auf der Domaine de Grillette in Cressier bei Neuenburg.

Bis dann diese Idee mit dem Weingut am Kap ihn nicht mehr losliess. 2002 kaufte er das Gut auf 350 Metern über Meer, auf dem zuvor bloss Schafe geblökt hatten. Letztes Jahr kam die Nachbarsfarm dazu. «Wir sind im Prinzip permanent ausverkauft. Also wollten wir die Produktion steigern», sagt JC. Denn für die Creation-Linie verwendet er ausschliesslich eigene Trauben. «Wir kaufen bloss für die Zweitlinie ‹Whale Pot› dazu.» Und nochmals sagt er: «Das war nicht ganz so geplant, dass wir solchen Erfolg haben. Selbst in Top-Restaurants. Wir exportieren mittlerweile in dreissig Länder. Allerdings verkaufen wir sechzig Prozent nach wie vor in Südafrika.» Die knackige Frische verdanken JC’s Weine den 450 Millionen Jahre alten Lehm- und Schieferböden, den Meeresbrisen vom Atlantik und den Tag-/Nacht-Temperaturunterschieden, die im Himmel-und-Erde-Gebiet im Schnitt 12 Grad betragen.

Südafrikanische Weine sind beliebt: ein Schweizer erobert Südafrika play
Hier blökten nur Schafe, bis JC Martin und seine Frau Carolyn 2002 das Gut in der Walker Bay kauften. Alain Kunz

 

50 Angestellte haben JC und Carolyn mittlerweile. Die meisten full-time. Und JC hat einen Assistenten eingestellt. Nicht irgendeinen. Sondern Michael Malan, der Sohn der Besitzer des gewaltig grossen Traditions-Weinguts Simonsig. «Die Eltern schauten eines Tages zum Mittagessen rein. Sahen, wie das bei uns funktioniert, und sagten dann begeistert: ‹Hier soll der Junge arbeiten!›»

Und die Weine? Restlos begeisterten mich die beiden Chardonnays. Exzellent auch die Pinot Noirs und der Grenache. Die Details:

DIE TOPWEINE VON CREATION

Südafrikanische Weine sind beliebt: ein Schweizer erobert Südafrika play

 

The Art of Chardonnay 2014 (Foto): Der Flagship-Weisse des Guts ist in der Nase wohl zurückhaltend und floral, im Gaumen aber enorm elegant, minime Röst- und Honignoten, hat Kraft, ist enorm frisch und lang. Score: 18/20 (CHF 89.--)

Chardonnay 2015: Leichte Honignoten, Frucht, filigran im Gaumen, sehr elegant und präzise, trinkig, mittleres Finish, grosser Trinkspass! PS. Bleibt zehn Monate auf der Hefe! Score: 17/20 (CHF 19.90)

The Art of Pinot Noir 2014: Der Vorzeige-Rote des Gutes hat eine leicht pilzige Nase, Sherry, etwas Tertiäraromen, Rosen, ist feingliedrig-elegant, burgundisch-mineralisch, der Abgang mittellang. Score: 17/20 (CHF 89.--). Gleiches Score für Jahrgang 2013

Pinot Noir Reserve 2014: Dezente Nase, rote Chriesi, etwas Stall- und Pilznoten, elegant, burgundisch, kräuterig, super Frische, gaumenfüllend, minziges mittellanges Finale. Score: 17,5/20 (CHF 39.--)

Sumac Grenache 2014: Würzige Nase, rote Früchte, leichte Portnoten, wunderbare Johannisbeeren im Gaumen, geschliffene Tannine, minzig, enorm frisch, mundfüllend, mittleres Finish, wunderbar trinkig. Score: 17,5/20 (CHF 39.--)

Merlot Reserve 2013: Schöne kräuterige Nase, leicht zältlig, rotbeerig, elegant, würzig, rechte, aber feinkörnige Tannine, Power, schönes, lakritziger Abgang. Score: 17/20 (CHF 39.--)

 

DIE WEITEREN WEINE VON CREATION

  • Sauvignon Blanc 2015: 15,5/20 (CHF 18.90)
  • Sauvignon Blanc/Sémillon 2015: 16/20 (CHF 19.90)
  • Viognier 2015: 16,5/20 (CHF 19.90)
  • Pinot Noir 2014: 16,5/20 (CHF 24.--)
  • Merlot 2013: 16,5/20 (in der Schweiz nicht erhältlich)
  • Merlot/Cabernet Sauvignon 2013: 16/20 (in der Schweiz nicht erhältlich)
  • Syrah 2014: 16,5/20 (CHF 22.--)
  • Syrah/Grenache 2014: 16,5/20 (in der Schweiz nicht erhältlich. Die Weine gibts bei www.kapweine.ch)

 

BREZZA: UNSPEKTAKULÄRES SPEKTAKEL

Das Gut ist unspektakulär, das Hotel auch, die Weine ebenso. Das Spektakel liegt bei den Brezzas im Verborgenen. Und im Unspektakulären… So ist die Aussicht auf das Castello di Barolo sagenhaft, die man von der Restaurant-Terrasse hat. Ein Hotel-Zusatz-Zückerchen ist der Pool, der in den heisseren Monaten zwischen Degustationen und kulinarischen Kleinorgien erfrischt. Der Generationenübergang hat bei den Brezzas kaum Spuren hinterlassen. Sohn Enzo hat die Simplizität der Weine von Papa Oreste übernommen. Die Weine des Bioguts sind unprätentiös, aber präzis. Leise und typisch.

Südafrikanische Weine sind beliebt: ein Schweizer erobert Südafrika play

 

Brezza Dolcetto d’Alba 2014: Fruchtig-erdbeerige Nase, leicht mineralisch, im Gaumen  Zältli, Gummibärli, sehr sauber und klar, aber etwas spitz, präsente Säure, mittelgewichtig, frischer Abgang. Die besten Dolcetti kommen aus Dogliani. Jene von Alba können da schlicht nie mithalten. Score: 15/20 (CHF 16.80, www.kueferweg.ch)

Brezza Barolo 2011 (Foto): Zurückhaltende Nase, Rosenblüten, Nuss, rotfruchtig, im Gaumen kräuterig-herb, schon erstaunlich reife Tannine, enorm frisch, Minze, mundfüllend, feingliedrig, recht langes Finale. Score: 17/20 (CHF 38.--, www.kueferweg.ch)

  

 

WEIN DER WOCHE: IL CARBONAIONE

Südafrikanische Weine sind beliebt: ein Schweizer erobert Südafrika play

 

Siebzig Jahre alt sind die Weinberge der Kellerei Poggio Scalette im Greve-in-Chianti-Gebiet im Schnitt. Aus diesen keltert der bekannte Önologe Vittorio Fiore seit 1992 seinen Carbonaione. Die meisten Reben wurden nach dem Ende des ersten Weltkriegs gepflanzt und überstanden sogar die Totalerneuerung des Chianti-Gebietes seit den 60er-Jahren. Fiore, einer der Protagonisten der Erneuerung der toskanischen Önologie, wollte mit dem Carbonaione gewissermassen ein Sangiovese-Denkmal kreieren, das standhaft allen Modernisten trotzt. Es ist ihm gelungen. Und auch die zwanzigste Carbonaione-Edition (die Vittorio unterdessen mit seinem Sohn Jurij komponiert) ist ein wunderbarer, grosser Sangiovese. Auf dem Gut Poggio Scalette vinifizieren die Fiores daneben die Bordeaux-Assemblage Capogatto und dem Chianti Classico Poggio Scalette.

Il Carbonaione 2012, Podere Poggio Scalette, Greve in Chianti: Ausladende Nase, Leder, Holzkohle, im Gaumen Druck, Kraft, schöne Säure und reife Tannine, mittelkräftig, etwas zältlig gegen Ende, fruchtig-frisches mittleres Finish. Score: 17/20 (CHF 41.--. www.bindella.ch)

Publiziert am 29.02.2016 | Aktualisiert am 12.01.2017

WO GIBTS WAS ZU DEGUSTIEREN?

  • 29. Februar. 17-20 Uhr. Chianti Classico Gran Selezione. Erstmals präsentieren 40 Chianti-Classico-Winzer ihre Tropfen. 17-17.45 Uhr Seminar Gran Selezione - die Jahrgänge und ihre Protagonisten mit Vinum-Italien-Korrespondent Christian Eder. Anmeldung unter www.vinum.ch. Tageskasse CHF 10.--. Papiersaal, Kalanderplatz 1, Zürich.
  • 3. und 5. März. Donnerstag 16-20 Uhr, Samstag 10-18 Uhr. En-primeur-Degustation der besten und rarsten südafrikanischen Weine.  Am Donnerstag ist Emil den Dulk (Foto) von De Toren anwesend, um u.a. den exklusiven, streng limitierten Z Decade zu präsentieren. Am Samstag kommt Mike Ratcliffe von Vilafonté (und Warwick) und stellt seine Series M und C vor. Eintritt frei. Kapweine, Rütibüelstrasse 17, Wädenswil.
  • 2. bis 5. März. Mittwoch-Freitag bis 20 Uhr. Samstag zu den regulären Öffnungszeiten. Spring Offer! Die grosse Neue-Welt-Frühlingsdegu von Mövenpick mit über 50 Weinen aus den USA, AUS, Chile, NZL, ARG und Südafrika. Gratis. In allen Mövenpick-Filialen. www.moevenpick-wein.com.
  • 4. März. 16-20 Uhr. Degustation Schweiz und Österreich. Selten ist solch eine Dichte an Spitzenwinzern aus den Nachbarländern an einem Ort zu bewundern. Eintritt: CHF 30.-- (20.-- werden bei einem Weinkauf ab 100.-- angerechnet). Anmeldung an: events@gerstl.ch. Volkshaus, Zürich. www.gerstl.ch.
  • 10. März. 16-20 Uhr. Degustation Schweiz und Österreich. Eine Auswahl aus dem Sortiment der beiden Nachbarländer. Gratis. Anmeldung an: info@weinunddesign.ch. Wein & Design, Rheinsprung 1, Basel. www.gerstl.ch.
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