Für Sie degustiert: CH-Weine der Superklasse Sergio Ermottis Aufruf – und ein weisser Walliser in der Weltelite

Am Mondial du Merlot schwingen die Tessiner obenauf. Und bei den Decanter World Wine Awards findet sich Diego Mathiers weisser Ambassadeur mitten in der absoluten Welt-Elite wieder. Nicht als einziger Schweizer!

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440 Weine von 240 Produzenten aus 25 Ländern wurden für den von Vinea organisierten grossen Wettbewerb Mondial du Merlot eingereicht – zehn mehr als im Vorjahr. Der grosse Sieger ist das Tessin: neun Goldmedaillen! Die vier Grossen Goldmedaillen (ab 92 Punkte, was Weltklasse bedeutet) gingen neben dem Tessin nach Deutschland, Frankreich und Ungarn. Unter ihnen der absolut beste Wein, der Balin 2012 der Cantina Kopp von der Crone Visini aus Barbengo TI von Anna Barbara von der Crone und Paolo Visini: 94,4 Punkte. Auch ins Tessin ging der Preis Gran Maestro des Merlot für drei aufeinanderfolgende Jahrgänge. Es räumte ab Gialdi Vini aus Mendrisio mit dem Sassi Grossi 2010, 2011 und 2012. Unsere Meinung: Böse Zungen würden behaupten, für einmal habe eine Jury voll ins Schwarze getroffen!

An der Preisverleihung schaute ein prominenter Gast und Weinliebhaber herein: UBS-Boss Sergio Ermotti. Auf technische Weindetails ging der Banker nicht ein. Immerhin outete er sich als Merlot-Liebhaber – wen wunderts aus dem Ticino -, der aber durchaus auch eine Affinität zu Bordeaux-Assemblagen habe. Und er gab zu, die Aromabeschreibungen wie Vanille etc. wohl zu verstehen, aber nicht in der Lage zu sein, sie zuzuordnen. Den Schweizern Winzern gab er den Tipp, vermehrt auf Export zu setzen: «Wenn ich in der Welt herumreise, suche ich überall nach Schweizer Weinen, werde aber kaum je fündig. Zwei Prozent Export ist eine verrückte Zahl - und eine gefährliche! Die Winzer hängen ausschliesslich von den Schweizer Käufern ab. Und die trinken immer mehr ausländische Weine. Wir nennen das Konzentrationsrisiko. Das funktioniert ohnehin nur, weil es derart viele Produzenten gibt. Um dieses Risiko zu minimieren und vermehrt aufs Ausland zu setzen, müssen die Schweizer Winzer zusammenarbeiten. Wie im Tessin mit dem Quattro Mani. Dies trotz des starken Schweizer Frankens. Dieser darf keine Ausrede sein. Andere Firmen machen auch vor, wie es gehen kann.»

So, und nun zu den Weinen. Wir haben die vier Gewinner von Grossem Gold degustiert. Dazu zwei Goldmedaillen-Gewinner, einen aus Uruguay und Brivios Riflessi d’Epoca. Die absoluten Topweine heissen: Balin und Sassi Grossi – was, wie erwähnt, nicht wirklich überrascht.

Publiziert am 29.05.2015 | Aktualisiert am 12.01.2017

VIER MAL GROSSES GOLD

Balin 2012, Cantina Kopp von der Crone Visini, Barbengo TI (Foto): Verdammt viel Holznoten in der Nase, überdeckt die Kirschen- und Würzaromen im Moment; im Gaumen viel Power, aber auch Eleganz, feingliedrige Struktur, perfekte Balance, viel Druck, Mundfülle, Leder, Tabak, Kaffee gegen Ende, Super-Länge. Balin-Kenner wissen: Die Röstnoten werden mit der Zeit immer schwächer, der Wein runder. Score: 18,5/20 (CHF 55.--. www.moevenpick-wein.com)

Blanc de Noirs trocken 2014, Weingut A. Diehl, Edesheimer Ordensgut, Pfalz (D): Ausladende Nase mit viel Frucht, reife Erdbeeren, leicht kräuterig, im Gaumen erstaunlicher Druck, Mineralität, knackige Säure, Frische, mittleres Finish. Sehr schöner Rosé! Score: 16,5/20 (in der Schweiz nicht erhältlich)

Merlot d’A Réserve 2014. Domaine Astruc Montagnac, IGP Pays d’Oc (F): Dezente Nase, Würze, im Gaumen kräuterig, elegant, viel Fruchtsüsse, gegen Ende ein Crescendo an Kraft, wirkt wie nachgereift, Finish okay. Score: 16/20 (in der Schweiz nicht erhältlich)

Solus DHC Premium Villany 2009, Gera Attila Winery, Villany (Ungarn): Schöne komplexe, rauchige Nase, Fruchtaromen und Würze, im Gaumen elegant, recht karg-mineralisch, später kraftvoller und ausfüllend, harziges, enorm würziges Finish. Score: 17/20 (CHF 65.--. www.hundertweinhaus.com)

Alain Kunz

SASSI GROSSI - GRAN MAESTRO DES MERLOT

Sassi Grossi 2012, Gialdi Vini Mendrisio TI:

Erstaunlich dezente Toastnoten, insgesamt etwas verschlossen, ein Hauch Chriesi und Zwetschgen, im Gaumen tolle Eleganz, feingliedrig, fast wie ein schöner Pomerol, höchst aromatisch-würzig, gegen Ende mundfüllend, eukalyptische Frische im lange Finale. Score: 18,5/20 (CHF 54.--. www.moevenpick-wein.com. CHF 55.--. www.felsenkeller.ch)

ZWEI BEISPIELE FÜR GOLDGEWINNER

Bouza Merlot B9 Parcela Unica, Bouza Bodega Boutique, Las Violetas, Montevideo (Uruguay): Nase würzig, Sandstein, im Gaumen rechte Fruchtsüsse, Power, Kirschen, Zwetschgen, etwas kompottig, dezente Portnoten gegen Ende, mittleres Finish. Score: 16,5/20 (in der Schweiz nicht erhältlich)

Riflessi d’Epoca 2012, Brivio Vini SA, Mendrisio, TI: Toastige Nase, Leder, Zigarrenkiste, Kaffeerösterei, Frucht derzeit kaschiert, im Gaumen elegant, leichtfüssig, dennoch Power, Kräuternoten, ansteigender Druck, endet in langem, frischen Finish. Sehr schön! Score: 18/20 (CHF 39.80. www.bauraulacvins.ch)

NEUES WINBISTRO AM ZÜRICHSEE

Schon lange wollte der Weinbauverein am Zürichsee ein Lokal kreieren, in welchem man eine Grosszahl der Weine vom See entdecken kann. Nun ist das Projekt in Zusammenarbeit mit Patricia und Cäsar Meyer vom Gasthof Sonne in Stäfa realisiert worden. Die ehemalige Hotelbar in einem über 500-jährigen Gewölbekeller wurde zu einem Weinbistro umgebaut, in welchem in regelmässigem Turnus 15 von total 60 Weinen von über zwanzig Winzern glasweise ausgeschenkt werden. Zudem können Degu-Sets verkostet werden. Zum Beispiel Räuschlinge verschiedener Produzenten oder Lagen.

Zu essen gibts im Bistro Trockenfleisch, Käse aus der Region, Eintopfgerichte, Suppen und Salate – alles aus der Schweiz. In Zukunft werden überdies unter dem Motto "Auf Du mit dem Winzer“ Degus mit Zürisee-Produzenten stattfinden. Geöffnet ist das Bistro Donnerstag bis Montag ab 16 Uhr. Hier ein Beispiel eines exzellenten Räuschlings:

Meilener Räuschling Seehalden 2013, Weinbau Schwarzenbach, Meilen: In der Nase recht verschlossen, Pfirsich und Ananas, im Gaumen mehr Fruchtsüsse, leichte Mineralität, aber auch knackige Säure, Schmelz, Eleganz, sauber, aromatisch-kräuteriges, mittellanges Finale. Score: 16,5/20 (CHF 18.50. www.reblaube.ch)

  Alain Kunz

RETRO-KRAFTPROTZ ALS WEIN DES JAHRES

Viele Weinhandelshäuser erküren einen Wein des Jahres. Am bekanntesten dürfte derjenige von Mövenpick sein. Aber auch am umstrittensten. Denn wiederum haben die Verantwortlichen da eine seltsame Wahl getroffen. Nicht zum ersten mal. Der Esperanza von Ribera-Ikonen-Winzer Alejandro Fernandez ist ein Wein aus dem Weingut Condado de Haza der Gruppe Pesquera, sagen wir mal, alter Schule. Als sich Qualität noch über Mächtigkeit und Süsse definierte. Weniger über Eleganz und Noblesse. Obwohl er zu Ehren von Alejandros Frau den Namen Esperanza trägt und Tochter Olga für das Gut verantwortlich zeichnet. Ein Retro-Kraftprotz, der eigentlich nur zum Essen geht, weil ihm die Finesse abgeht. Hoffen wir auf 2016. Und wer sich selber davon überzeugen will, ob die Kritik gerechtfertigt oder völliger Mumpitz ist, kann dies neuerdings auch in Pfäffikon SZ tun. Am 22. April ist dort nämlich der 16. Weinkeller von Mövenpick eröffnet worden. Inklusive begehbare Weinschatzkammer.

Esperanza Crianza 2011, Bodegas Condado de Haza, Ribera del Duero: Enorme Würze, viel Leder und Tabak, leicht tertiär, wie bei Fernandez so üblich, Rauch, Holz, ausladend; im Gaumen schwer und süss, Power, viel Alkohol, wenig Finesse, mittleres, grünliches Finish. Score: 15/20 (CHF 18.90. www.moevenpick-wein.com)

WO GIBTS WAS ZU DEGUSTIEREN?

  • 30. Mai. 10 bis 18 Uhr. Gereifte Weine. Präsentation von südafrikanischen Raritäten aus den Jahren 1997 bis 2007. Dazu ein Vertikal-Tasting der Weine «Z» und «Fusion» mit Besitzer Emil den Dulk und Weinmacher Albie Koch von De Toren. Ab 12 Uhr Braai. Kapweine. Rütibüelstrasse 17. Wädenswil. www.kapweine.ch.
  • 30. Mai. 11 bis 16 Uhr. Kostenlose Weinprobe. Degustieren Sie die Promotionsweine der Bindella-Weinhandlung. Mit italienischen Häppchen. Im Gewölbekeller des Ristorante Verdi in Bern an der Gerechtigkeitsgasse 7. Gratis. www.bindella.ch.
  • 30. Mai .10 bis 17 Uhr. Offene Weinkeller in Genf. Fast 80 Betriebe öffnen ihre Türen. Die neueren Jahrgänge können verkostet werden. Dazu gibts lokale Spezialitäten, Musik und Spaziergänge durch die blühenden Weinberge. Kostenlose Pendelbusse führen von Dorf zu Dorf. www.geneveterroir.ch.
  • 30. und 31. Mai. Cantine aperte. Tage der Offenen Weinkeller im Tessin. Vielenorts mit Food, Grilladen, Musik, Animation. 64 Keller machen mit. Genaues Programm: www.ticinowine.ch.
  • 2. Juni. 16 bis 20 Uhr. Degu der exklusiven Weine von LacertA aus Rumänien. Infos gibts von Partner Walter Friedli aus erster Hand. Gratis. Walliser Keller, Zähringerstrasse 21, Zürich. www.delicium.ch.
  • 4. Juni. 17 bis 19.30 Uhr. Afterwork-Tasting: Weine vom Gut Oggau. Nach strengen Demeter-Richtlinien prduzierte Gewächse. Gratis. Hotel Baur au Lac, Zürich. www.bauraulacvins.ch.
  • 4. Juni. 17 bis 21 Uhr. Degustation italienische und französische Weine, Grappa e di piu. Verkosten Sie über 60 Weine und Grappe. Dazu gibts italienische Apéro-Cocktails und ein Antipasti-Buffet. Eintritt: CHF 20.-- (inkl. Cocktail). Wird bei einem Einkauf ab CHF 100.-- angerechnet. Paul Ullrich AG, Talacker 30, Zürich. www.ullrich.ch.
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NEUER SCHWEIZER WEISSWEIN-STAR

Die gute Nachricht zuerst: Die Schweiz hat einen neuen Weltklasse-Weisswein! Die schlechte Nachricht: Kaum auf dem Markt ist er ausverkauft! Es handelt sich dabei um den Ambassadeur des Domaines Diego Mathier 2013 des gleichnamigen Winzers aus Salgesch. Das Erstaunliche: Dies ist der allererste Jahrgang dieses Weins. „Das Projekt bestand schon lange“, sagt Mathier schmunzelnd. „Aber ich wollte den weissen Ambassadeur erst lancieren, als er für mich zu hundert Prozent stimmte. So haben wir fünf Jahre gepröbelt. Der fünfte Anlauf war dann der gute.“

Das mit dem Prädikat Weltklasse kommt übrigens nicht (bloss) von BLICK. Mathier hat mit diesem Wein die Regional Trophy für den besten Schweizer Wein an den Decanter World Wine Awards 2015 gewonnen, deren Resultate Anfang Juni veröffentlich werden.

Mathier ist mit seiner weissen Assemblage die Speerspitze der Schweizer Weine, die erst zum zweiten Mal nach 2014 nach London eingeladen wurden. Sechs Eidgenossen erhielten am prestigeträchtigsten Wettbewerb der Welt mit der hochkarätigsten Jury – viele Master of Wines und Master Sommeliers – unter der Leitung von Steven Spurrier nämlich Gold. Und die Gold-Latte liegt in London höher als anderswo, nämlich bei 95 Punkten. Für Silber brauchts auch schon satte 90 Punkte. Mathier schnappte sich auch Gold für seinen Petite Arvine de Molignon 2013. Die weiteren Höchstauszeichnungen gingen an Didier Joris aus Chamoson für seinen Amigne 2014 und gleich drei Mal an die Genossenschaft Provins. Für diese Weine:

  • Heida du Valais 2013 Maître de Chais
  • Clos Corbassières 2011 Crus des Domaines (rot)
  • Domaine Tourbillon 2011 Crus des Domaines (weiss)

Alle Höchstauszeichnungen gehen also ins Wallis! Fünf davon entfielen auf Weiss-, eine auf einen Rotwein. 62 von den 272 eingereichten Schweizer Weinen haben 90 oder mehr Punkte gemacht. Ein weiteres Qualitätssiegel, mit dem sich unsere Weine schmücken können. Zum Vergleich: Im Vorjahr, bei der ersten Teilnahme, knackten gerade mal zehn Weine – und schon damals alle aus dem Wallis – die 90-Punkte-Marke. Gold gabs damals allerdings für keinen einzigen Schweizer Wein.

Nun aber zum Siegerwein, einer Assemblage aus 65% Savagnin Blanc (Heida), 25% Marsanne Blanche und 10% Petite Arvine, die 16 Monate in neuen Barriques reifte. 4329 Flaschen gibts davon. Gabs, denn leider sind schon alle weg! Die gute Nachricht. Vom Jahrgang 2014 werden 8800 Flaschen produziert werden:

Ambassadeur des Domaines Diego Mathier weiss 2013 (Foto): Komplexe, ausladende Nase, leichte Honig- und Butteraromen, exotische Früchte, im Gaumen schöne Säure, Power, geht vorwärts, hat Druck, aber auch Frucht, Mineralität, ist enorm frisch und elegant, tolle Länge. Ein grosser Weisswein! Score: 18/20 (CHF 38.--. Ausverkauft)

WEINE AUS DEM LAND VON DON QUIJOTE

Neun Monate Winter, drei Monate Hölle. So beschreibt ein lokales Sprichwort das Klima in der zentralspanischen La Mancha. Strenger Frost wechselt sich mit gnadenloser Sommerhitze von bis zu 42 Grad ab. Regnen tuts kaum, so dass die Rebstöcke in Abständen von zweieinhalb Metern gepflanzt werden. Am häufigsten sind die autochthone weisse Sorte Airén und Tempranillo. Total stehen in der Mancha 165 000 Hektaren unter Reben. Was schlicht bedeutet: Es ist das grösste Weinbaugebiet Europas. Dass da viel Massenwein erzeugt wird, ist klar. Aber nicht nur! Viele Winzer haben den Kampf gegen die Windmühlen des Quantitätsdiktats aufgenommen – und auch gewonnen. Davon haben uns zwanzig Winzer aus der Mancha mit einer Stippvisite im Metropol in Zürich überzeugt - teilweise zumindest. Und ja, Zitat VINUM-Chefredakteur Thomas Vaterlaus: „Die Weine sind so preiswert – da trinkst du fast gratis!“ Hier zwei sehr schöne Beispiele von Weinen, die auch bei uns erhältlich sind:

Añoranza Sauvignon Blanc 2014, Bodegas Juan Ramon Lozano: Dezente Nase, Schmelz, Fruchtsüsse, grüne Äpfel, sehr trinkig. Score: 16,5/20 (CHF 7.90. www.weinstube.ch)

Allozo Gran Reserva 2006 (Foto): Recht ausladende Nase mit minimen Port-Noten, aber rechten Tertiäraromen wie Pilze, Leder, Stall, dahinter Frucht, im Gaumen viel Power, schöne Tanninstruktur, ja Adstringenz, ziemlich lang. Toller Essensbegleiter! Score: 17,5/20 (Bei www.schubiweine.ch gibts den Jahrgang 2001 im Dreier-Geschenkkistli für CHF 49.50)

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