Die Resultate der grossen Fachdegustation von 46 Weinen Der Sommerwein 2016 heisst Ceppitaio!

46 Weine haben die grössten Schweizer Händler eingeschickt. Eine vierköpfige Jury hat sie blind degustiert. Gewonnen hat ein Italiener: Der Ceppitaio aus Suvereto in der Süd-Toskana ist der perfekte Wein für die Grillparty.

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46 Rotweine aus aller Welt. Keinerlei Hinweise auf die Traubensorte und die Herkunft. Die Aufgabe war nicht einfach: Master of Wine Ivan Barbic (51), Weinproduzentin Anna Barbara von der Crone (55), Sommelier Michael Sol Jenni (35) und BLICK-Weinexperte Alain Kunz (53) machten sich in der Lalique-Caviar-Bar im Park Hotel Weggis mit voller Konzentration auf die Suche nach dem besten Gewächs für den Grillsommer 2016.

Jury at Work in der Lalique Caviar Bar des Parkhotels Weggis: Kunz, Sol Jenni, Barbic, Von der Crone (v.l.) play
Jury at Work in der Lalique Caviar Bar des Parkhotels Weggis: Kunz, Sol Jenni, Barbic, Von der Crone (v.l.) Nik Hunger

 

Die grössten Schweizer Weinhändler hatten ihren Sommerwein-Tipp eingereicht. Mit folgenden Vorgaben:

  • Rot
  • Preisspanne 10 bis 25 Franken
  • Geeignet auch dann, wenn es 30 Grad heiss ist
  • Passend zu Grilladen

Die Wettbewerbsweine kamen wenig überraschend, in der Mehrheit aus Italien (13), der Schweiz (11) und Spanien (9), ganz dem Trinkverhalten der Schweiozer entsprechend. Rund zwei Drittel der eingereichten Weine erfüllten die Kriterien Nummer drei und vier. Und: Das Durchschnittslevel war ganz gut. Gewertet wurde im 20er-Punkte-System.

 

Barbic: «Viele Weine würde ich auch privat zu Grilladen trinken»

Master of Wine Ivan Barbic: «Viele Weine erweckten trotz hohem Alkoholgrad den Eindruck von Leichtgewichtigkeit.» play
Master of Wine Ivan Barbic: «Viele Weine erweckten trotz hohem Alkoholgrad den Eindruck von Leichtgewichtigkeit.» Nik Hunger

Die Bilanz von «Supernase» und Master of Wine Ivan Barbic fällt durchaus positiv aus: «Sechs habe ich mit weniger als 14 Punkten benotet, weil sie einen Fehler hatten, vor allem zu herb waren. Es erstaunt mich, dass die eingereicht wurden. Sonst aber war das Niveau recht hoch. Es waren sehr viele Weine darunter, die ich zu Grilladen auch privat trinken würde. Unprätentiöse, trinkige Spassweine.» Was natürlich gefehlt habe waren Weine der Kategorie Weltklasse. «Aber das ist in dieser Preisspanne ganz normal.»

Was Barbic erstaunte: «Viele Weine machten den Eindruck, leichtgewichtig zu sein, obwohl sie einen recht hohen Alkoholgehalt aufwiesen. Ich denke diese wurden bewusst in diese Richtung vinifiziert, also mit kurzen Maischezeiten.» Sein persönlicher Favorit war ein Spanier aus der Extremadura, der La Zarcita 2014 von Palacia Quemado, den Barbic allerdings für einen Alentejo hielt. Sein Kommentar zu diesem Wein: «Sehr ausgewogen!»

Winzerin Anna Barbara von der Crone: «Zu viele süsslich-mastige Weine.» play
Winzerin Anna Barbara von der Crone: «Zu viele süsslich-mastige Weine.» Nik Hunger

 

Winzerin Anna Barbara von der Crone ihrerseits stellt fest, dass für ihr Empfinden zu viele Weine süsslich-mastig waren. «Ich habe acht solche ausgemacht, die den Vorgaben gar nicht entsprechen. Und drei mit klaren Fehlern. Aber die überwiegende Mehrheit war fruchtig-leicht, wie ich sie mir zum Grillieren vorstelle.» Auch sie war erstaunt über die teils hohen Alkohol-Grade.

Sol Jenni: «Wichtiger als Leichtigkeit ist die Balance»

Spass gemacht hat die Degustation Michael Sol Jenni, dem neuen Sommelier des Parkhotels Weggis: «Es hatte einige sehr tolle Weine darunter wie den Roncaia aus dem Tessin oder diejenigen aus Südfrankreich, Mein Liebling war aber der Bruciato aus Bolgheri.» Auch wenn er ihn für einen Châteauneuf-du-Pape hielt, «weil er nach Kräutern aus der Provence schmeckte, etwas überreif war und mit Cassis-Aromen glänzte.» Auch er hielt acht bis zehn Weine für ungeeignet für eine Grillparty. Die Geeigneten müssten für Sol Jenni nicht zwingend leicht sein, nur weil es heiss sei. «Viel wichtiger ist die Balance.»

Park-Hotel-Weggis-Sommelier Michael Sol Jenni: «Mein Favorit kam aus der Toskana, ich hielt ihn aber für einen Châteauneuf-du-Pape...» play
Park-Hotel-Weggis-Sommelier Michael Sol Jenni: «Mein Favorit kam aus der Toskana, ich hielt ihn aber für einen Châteauneuf-du-Pape...» Nik Hunger

 

Und wohin verfrachteten die vier Juroren den Siegerwein? Vorweg: Keiner erkannte die Region (Maremma) präzise. Einer hielt ihn für eine Bordeaux-Assemblage - immerhin: Merlot und Cabernet Sauvignon hats im Ceppitaia -, einer hielt ihn für einen spanischen Tempranillo und einer für einen Barbaresco aus dem Piemont, also einen Wein aus der Nebbiolo-Traube. Was zeigt: Das blinde Erkennen von Weinen ist unerhört schwierig, ja Glückssache. Das präzise Einordnen und die Bewertung der Qualität ist es hingegen nicht. Weshalb der Ceppitaia der absolut verdiente Sieger ist!

Die Top 12 der grossen Sommerwein-Degustation finden Sie in der Galerie.

Suvereto, südliche Maremma, 30 Kilometer vom italienischen Bordeaux-Eldorada Bolgheri entfernt. play
Suvereto, südliche Maremma, 30 Kilometer vom italienischen Bordeaux-Eldorada Bolgheri entfernt. ZVG

Der grosse Sieger

Der Ceppitaio von Russo, der von den Einheimischen liebevoll schlicht «Ceppi» genannt wird, kommt aus der südlichen Toskana. Genauer aus dem Val di Cornia in der Nähe des Städtchens Suvereto, das nur 30 Kilometer vom italienischen Bordeaux-Eldorado Bolgheri entfernt liegt. Die Kellerei der Gebrüder Michele und Antonio Russo hat eine lange Familientradition, füllt die Weine aber erst seit 1998 selbst ab. Mi Hilfe ihrer beiden Önologen – einer von ihnen arbeitete einst bei Antinori - haben sie vor, in den nächsten Jahren grosse Weine zu keltern, welche als Aushängeschild der Region gelten sollen. Ein hohes Ziel, ist doch die Konkurrenz mit Petra, Tua Rita und Montepeloso, dem Gut des Schweizers Millionärs Silvio Denz, schon jetzt beträchtlich.

Der Ceppi ist der Basis-Rotwein des Guts. Die Rebstöcke sind 10 bis 15 Jahre alt. Der Jahrgang 2013 besteht aus 55% Sangiovese sowie je 9% Merlot, Canaiolo, Cabernet Sauvignon, Colorino und Ciliegolo. Der Wein reift sechs Monate in Stahltanks, zwei Monate in gebrauchten Barriques und vier Monate in der Flasche. Importeur Reto Vergani zum Sieg «seines» Weins: «Das freut uns ausserordentlich, weil Russo ein kleiner Produzent und ein echter ‘Chrampfer’ ist!»

Mehr zum Sieger: www.vinirusso.it.

Volle Konzentration bei der Jury. play
Volle Konzentration bei der Jury. Nik Hunger

 

Die Ränge 13 bis 31

Rang 13 (16 Punkte)

  • Apologia 2014, Provins, Sion VS, Schweiz, 13.90 Franken, provins.ch
  • Donna Maria Tinto 2013, Julio Bastos, Alentejo, Portugal, 16.50 Franken, schubiweine.ch
  • Trivento Cabernet/Malbec Reserve 2015, Mendoza, Argentinien, 13.95 Franken, denner-wineshop.ch
  • Manga del Brujo 2012 (Foto), El Escoces Volante, Calatuyad, Spanien, 18 Franken, gerstl.ch
  • La Massa 2013, Toscana IGT, Panzano in Chianti, Italien, 22 Franken, martel.ch
  • Casa Benasal Elegant 2014, Valencia, Spanien, 10.40 Franken, delinat.com
  • Mantellassi Punto del Sorbo 2011, Maremma, Magliano in Toscana, Italien, 18.30 Franken, tamborinivini.ch
  • Aurum Rioja Selection Schwander, Crianza 2012, Murua, Spanien 14.90 Franken, selection-schwander.ch

Rang 21 (15,875 Punkte)

  • Musar Jeune 2012, Château Musar, Bekkaa Valley, Libanon, 18.80 Franken, boucherville.ch
  • Tête de Cuvée de la Jasse Vieilles Vignes 2013, Pays d’Oc, Frankreich, 13.60 Franken, landolt-weine.ch
  • Prazo de Roriz 2011, Douro, Portugal, 17.10 Franken, hoferweine.ch
  • Purple Jam 2012, Pinot Noir/Blaufränkisch, Chateau Schembs Rheinhessen, Deutschland, 15.90 Franken, schuewo.ch

Rang 25 (15,75 Punkte)

  • Niepoort Dão Rotulo 2012, Quinta de Baixo, Dão, Portugal, 14.90 Franken, riegger.ch
  • Gemswändler Pinot Noir 2014, AOC Graubünden, VOLG Weinkellereien, Fläsch GR, Schweiz, 17.90 Franken, volg.ch

Rang 27 (15,625 Punkte)

  • Hurlevent Assemblage rouge Réserve 2013, Les Fils de Charles Favre, Wallis, Schweiz, 19.95 Franken, manor.ch
  • Barbacan Rosso di Valtellina 2014, Lombardia, Italien, 19.80 Franken, caratello.ch
  • Lareith Lagrein 2013, Erste + Neue Kellerei, Kaltern, Südtirol, Italien, 17.50 Franken, fischer-weine.ch
  • Les abeilles de Colombo 2013, Côtes du Rhône, Frankreich, 15.50 Franken, flaschenpost.ch

Rang 31

  • Syrah Boom Boom! 2014, Charles Smith Wines, Washington State, USA, 22 Franken, ullrich.ch

Nach dem Blind-Marathon die Enthüllung der Flaschen. play
Nach dem Blind-Marathon die Enthüllung der Flaschen. Nik Hunger

 

Die Jury

Ivan Barbic ist seit diesem Jahr einer von nur drei Schweizer Master of Wine, also Inhaber des bedeutendsten Wein-Diploms auf diesem Planeten. Er ist strategischer Einkäufer bei Weinimporteur und Grosshändler Bataillard, schreibt regelmässig für Europas grösste Wein-Zeitschrift Vinum und die Schweizerische Weinzeitung und ist Präsident der Jury der Weinprämierung La Sélection in Basel.

Die Stadtzürcherin Anna Barbara von der Crone ist Weinproduzentin aus Barbengo bei Lugano. Gemeinsam mit Daniele Visini führt sie die Top-Kellerei Kopp von der Crone Visini, die mit dem «Balin» Jahr für Jahr einen oft prämierten und einen der schönsten Merlots aus dem Tessin und somit einen der besten Weine aus der Schweiz keltert. Anna Barbara ist studierte Agronomin mit Fachbereich Wein.

Michael Sol Jenni ist seit Mitte April Chef-Sommelier des Fünsterne-Hauses Parkhotel Weggis. Michael ist in Südkorea aufgewachsen, Absolvent der Hotelfachschule Luzern und arbeitete zehn Jahre lang in London, zuletzt im Parkhotel Vitznau und im Chalet Hotel Ahorn in Braunwald. Er ist Herr einer Weinkarte mit 2500 (!) Positionen und deshalb froh, dass er Unterstützung hat von der Vinothek im Park, die Christian Bock führt, Schweizer Sommelier des Jahres 2006.

Alain Kunz ist Redaktor der Blick-Gruppe, schreibt über Fussball und Wein – eine ausserhalb von Italien abenteuerlich anmutende Mischung, die im Stiefel aber einer gewissen Normalität nicht entbehrt. Seine Lieblingsweine waren der Losada aus der Region Bierzo in Spanien und der Malbec Riserva La Raiz aus Mendoza in Argentinien, auch wenn er diesen als italienischen Mittelmeerwein ausmachte.

Sie haben die 46 Weine bewertet: Anna Barbara von der Crone, Ivan Barbic, Alain Kunz, Michael Sol Jenni (v.l.). play
Sie haben die 46 Weine bewertet: Anna Barbara von der Crone, Ivan Barbic, Alain Kunz, Michael Sol Jenni (v.l.). Nik Hunger
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Publiziert am 20.06.2016 | Aktualisiert am 01.07.2016
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2 Kommentare
  • Rolf  Fritz 20.06.2016
    Als Banause muss ich immer lachen, was die Leute so trinken: Dunkle Früchte, Schwefel, Menthol, floral, medizinal, geschliffene Tannine etc.
    Gibt es auch Weine, die nach Trauben schmecken? (wie gesagt, bin Banause)
    • Tony  Binder aus Rüschlikon
      20.06.2016
      Sie sind wirklich Banause Herr Fritz. Wenn Sie nicht mal diese einfachen Aromen rausschmecken, dann bleiben Sie beim Bier.