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Die Premiere wurde zum spontanen Volksfest auf dem Pfannenstielhof von Johanes Pfeifer in Bozen. «Achtzig Leute waren bei uns im Keller. Das war toll», erinnert sich des Weinmachers Gattin, Margareth Pfeifer. Anlass war der erste Drei-Gläser-Vernatsch in der Geschichte der Italien-Weinbibel «Vini d’Italia». Gekriegt hat die höchste Auszeichnung der St. Magdalener Classico 2009. Auszug aus dem Führer: «Die drei Gläser-Premiere ist eigentlich keine Überraschung, schliesslich gehört dieser Wein regelmässig mit zu den Besten, und der tüchtige Johannes Pfeifer wusste den Superjahrgang für die Bozener Traditionsrebe glänzend zu nutzen. Sehr typisch sein in einen Gewürzmantel gehülltes Fruchtbukett; fest mineralisch und geschmeidig der Geschmack mit dem bekannten Mandelabgang.»
Futterneid kennen die Kämpfer für Qualitäts-Vernatsch nicht. Margarethe Pfeifer: «Diese Auszeichnung war gut für alle. Alle Produzenten hatten riesig Freude darüber. Das haben wir gespürt.» Dass der Pfannenstielhof die Lanze brach, ist wahrlich kein Zufall. Das Gut verschreibt sich Vernatsch und Lagrein mit Haut und Haar. «Uns ist die Authentizität enorm wichtig», sagt Margarethe Pfeifer. «Deshalb machen wir keine Verschnitte. Und der Vernatsch ist ebenso Herzensangelegenheit wie der Lagrein.» Im heissen Talkessel von Bozen – der heissesten Stadt Italiens – gedeiht er wunderbar.
Zu hundert Prozent in die Schweiz exportiert
Ein anderer, der in diesem Kessel einen tollen Vernatsch keltert, erinnert sich an die Zeit vor 1980, als der Magdalener einen veritablen Kollaps erlitt – Stephan Filippi, Kellermeister der Genossenschaftskellerei Bozen: «Bis dann exportierten viele Kellereien den Magdalener praktisch zu hundert Prozent in die Schweiz, an vierzig Offenwein-Importeure. Heute gehen rund 100000 Flaschen in die Schweiz.» Darunter der absolute Klassiker der Kellerei: Der St. Magdalener Classico mit der alter- und eigentümlichen Etikette, die völlig aus dem Rahmen der Genossenschafts-Linien fällt. Filippi: «Unsere Kunden protestierten gegen einen Etikettenwechsel. Sie identifizieren voll und ganz mit dem Design. Also haben wir es beibehalten.» Dieser Weinbesticht durch ein unglaubliches Preis-/Leistungsverhältnis und wurde von Gambero Rosso deshalb schon mehrfach mit dem «Oscar regionale» ausgezeichnet.
Die Kellerei Bozen ist 2001 hervorgegangen aus dem Zusammenschluss der Kellereien von Greis und jener von St. Magdalena. 206 Genossenschafts-Mitglieder liefern das Traubengut an. Für Filippi keine Frage, wer wichtiger ist: «Wir vermitteln unseren Leuten permanent, dass sie die Wichtigsten im Betrieb sind – nicht der Önologe. Beispielsweise organisieren wir Vergleichsverkostungen mit unseren Mitbewerbern.»
Drei Gläser auch für einen Kalterersee
Zurück zum Vernatsch. Er wird im Südtirol immer noch mit Abstand am meisten angebaut. Nur ist die Art und Weise mittlerweile eine völlig andere. Für einen Vernatsch mit Struktur braucht es radikales Zurückschneiden und die gleiche Aufmerksamkeit, wie man sie einem Lagrein entgegenbringt. Apropos Lagrein: Bis 15% davon (oder Pinot Noir) dürfen einem Vernatsch beigegeben werden. Das lohnt sich nur schon wegen der Farbe, die so konzentrierter wird. Für viele Weinfreunde ein Qualitätsmerkmal.
Was mittlerweile ins Glas kommt, lässt sich aber nicht nur sehen – sondern auch trinken. Es gibt Weinkritiker, für die ein guter Vernatsch mittlerweile einen Blauburgunder aufwiegt. Indiz: Mit dem Kalterersee Puntay 2010 der Genossenschaft «Erste & Neue» aus Kaltern hat es dieses Jahr erstmals auch ein Kalterersee in die Drei-Gläser-Gilde der Vini d’Italia geschafft. Und noch was: Mit Ausnahme des Antheos von Ansitz Waldgries, eines Elaborats auf einer Spezialparzelle aus alten Sorten, kostet kein einziger Vernatsch über 20 Franken.