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Wie fühlen Sie sich, wenn Sie eine Kathedrale betreten? Die aussergewöhnliche Aura, die aus den Mauerritzen eines solchen Gebäudes dringt, verleiht ihr Erhabenheit und einem Gast ein ganz besonderes Gefühl. Dabei spielt es keine Rolle, ob es sich dabei tatsächlich um ein Institut der Religion handelt. Oder um Weintempel. Auch in den Gemäuern Château Mouton-Rothschild, Mondavi, Gaja, Vega Sicilia oder eben Ornellaia beschleicht einem ein solches Gefühl.
Schon die Anfahrt zur Tenuta dell’Ornellaia in Bolgheri an der etruskischen Küste der Toskana ist ein Ereignis: Endlos scheinende Zypressenalleen begleiten den Reisenden bis zum Tor. Das Weingut, das heute der Frescobaldi-Familie gehört, wurde 1981 von Marchese Lodovico Antinori ins Leben gerufen. Es war dessen Antwort auf Sassicaia, mit dem Antinoris Cousin Nicolo Incisa in den 70er-Jahren sein eigenes Klein-Bordeaux in der Toskana kreiert hatte.
Incisa hatte herausgefunden, dass die klassischen Bordeaux-Trauben Cabernet Sauvignon, Merlot, Cabernet Franc und Petit Verdot in dieser Region ausgezeichnet gedeihen. Sassicaia wurde innerst kürzester Zeit Kult. Wie später Ornellaia. Der erste Wein wurde 1985 gekeltert. Seither wurde die Qualität von Jahr zu Jahr gesteigert. Heute gilt der Wein als absoluter Blue Chip auf dem Wein-Weltmarkt.
Ein Deutscher macht den Ornellaia
Der Weinmacher auf Ornellaia heisst seit 2005 Axel Heinz. Der Deutsche, der in Bordeaux studiert und sich dort die Sporen als Önologe abverdient hat, beherrscht die Kunst des Assemblierens der verschiedenen Traubensorten und der Barriques. Warum der Ornellaia so gut ist, erklärt er nebst den klimatischen und geologischen Vorraussetzungen mit der fast schon pedantischen Detailpflege.
So wird auf Ornellaia für die Lese nicht auf Hilfskräfte zurückgegriffen. «Unsere Mitarbeiter sind alle fest angestellt», erklärt Heinz. «So identifizieren sie sich voll und ganz mit dem Haus.» Während der Lese von Hand zählt man einen Mann pro Rebzeile. Später wird jede einzelne Beere unter die Lupe genommen.
Im Keller ist dann das goldene Händchen von Axel Heinz gefragt. Für die Kreation der rund 60 Grundweine und die Assemblage steht ihm der weltberühmte Weinberater und Bordeaux-Spezialist Michel Rolland zur Seite. Nebst dem Ornellaia produziert Heinz den extrem teuren Lagen-Merlot Masseto, der nur in guten Jahrgängen auf den Markt kommt, den Zweitwein Le Serre Nuove aus den jüngeren Weinbergen und den Le Volte, eine Art Klein-Ornellaia für jedes Portemonnaie.
(Die Tenuta dell’Ornellaia kann jedermann besuchen. Der Preis für eine Zwei-Stunden-Tour inklusive Degustation beträgt 65 Euro. Infos: www.ornellaia.com)