Feinschmecker Beat Wüthrich Gebeizt und zart wie Butter

  • Aktualisiert am 20.01.2012

Unser Gastrokritiker besuchte diese Woche einen Gasthof in Worb bei Bern. Voller Freude kam er zurück und schwärmte.

Die Frage, ob es «rächt» gewesen sei, wäre bei meinem Abschied vom Löwen-Team überflüssig gewesen. Weil «rächt» völlig untertrieben war. Doch sollte ich von vorne beginnen. Der Löwen ist ein prachtvoller Gasthof im Berner Bauernhausstil aus dem 14. Jahrhundert. Er liegt mitten im Dorf Worb BE. Nette Servicemitarbeiter empfangen die Gäste in gemütlichen, gepflegten Stuben.

Seit dem 1. Januar 2007 ist das Ehepaar Brigitte und Marcel Kunz-Wasser verantwortlich für das schöne Haus. Die beiden 47-Jährigen arbeiten mit Leidenschaft und Freude. Das spürt jedermann, der bei ihnen einkehrt. Und das sind nicht wenige. Für die in Ittigen BE geborene, gut ausgebildete und erfahrene Gastgeberin ist der Kontakt mit den Leuten sehr wichtig. Das sei schon immer so gewesen, sagt sie und strahlt. Wenn sie denn einen freien Tag hat, relaxt und liest die Wirtin (Lieblingsbuch: «Der Pferdeflüsterer»). Die Hobbys ihres Mannes sind Wein, Tennis und Karate; er besitzt den schwarzen Gürtel. Doch gefährlich ist der Wirt und Küchenchef nicht. Im Gegenteil: Der aus Belp BE stammende Kunz brachte es weit – bis in die Geschäftsleitung von Konzernen. Dann wollte er wieder kochen.

Drei kleine «Grüsse aus der Küche» eröffnen das Essen: Kürbismousse mit Honig-Thymian-Gelee, Geflügelpraliné mit Orangen-Dattel-Confit und Thai-Curry-Cappuccino. Picobello. Der Appetit ist geweckt. Ein Salat aus roten Linsen und winterlichen Gemüsewürfelchen an einer wunderbaren Sauce ist auf rohen, hauchdünn geschnittenen Randenscheiben angerichtet. Ein Gurkenring mit Nüsslisalat und Chips aus Petersilienwurzeln vollenden diese Vorspeise (Fr. 14.50).

Die samtige Selleriecrème (Fr. 12.50) erfreut den Gaumen und wärmt den Magen. Ihr Geheimnis: Sie ist raffiniert abgeschmeckt mit Safran und Waldhonig. Versuchen Sie mal, das zu kopieren; Sie werden es nicht bereuen. Es folgt ein lauwarmes Ricottaküchlein mit Eigelb und Parmesan (Fr. 17.50). Es schmeckt fantastisch zusammen mit den confierten Kürbisspalten und dem Orangen-Dattel-Chutney.

Bisher war alles spitzenmässig gut, doch das Hauptgericht übertrifft alles: Suure Mocke (kleine Portion Fr. 23.50, normale Portion Fr. 29.50; siehe Rezept). Dieser tagelang in Beize eingelegte Rindsbraten ist so zart, dass man ihn nur mit der Gabel zerteilen könnte. Dazu gibt es luftigen, selbstverständlich hausgemachten Kartoffelstock und vielerlei perfekt gedünstetes und gewürztes Gemüse. Sieben Sorten sind es.

Das Dessert trägt als Bezeichnung ein Wortspiel: «Rapsodine in Blue» (kleine Portion 12, normale Portion 14 Franken). Es entpuppt sich als Heidelbeerrahmglace auf Cointreauschaum und gebrannten Mandeln mit Blätterteigknusperli. Marcel Kunz bestimmt, was in den Weinkeller kommt. Viele gute Schweizer Gewächse sind dort gelagert. Nicht fehlen dürfen Weine aus der Bordeaux-Region, Österreich und Portugal, denn die mag der Chef ganz besonders. Apropos Keller: Dort gibt es ausserdem ein Zapfenzieher-Museum mit Objekten aus verschiedenen Jahrhunderten. Sehenswert.

Das Restaurant

LÖWEN
Enggisteinstrasse 3
3076 Worb BE

Samstags und sonntags geschlossen
Tel. 031 839 23 03

Website
Beat Wüthrich, Gastrokritiker beim SonntagsBlick.

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