Für Sie degustiert: Spanien in drei Tagen, Teil 1 Pumuckl-Reben und zwei Wein-Locos

Nicht ganz in 80 Tagen um die Welt. Aber so ähnlich wie Phileas Fogg fühlten wir uns, als wir Spaniens Weinregionen in Überschall-Geschwindigkeit besuchten. Hier der erste Teil einer spannenden Reise: zwei Wein-Locos und Pumuckl.

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6 Personen, 1 Seat. Geht nicht, denken Sie. Geht doch! Es geht ebenso wie eine Tagwache morgens um vier. Und weil beides geht, sind wir um halb zehn in Madrid, verlieren am Flughafen Barajas keine Sekunde und rasen los. Keine Zeit für den wunderbaren Spätsommer, lockere 30 Grad. Die ersten zwei Stunden als Sardine warten. 194 Kilometer nach Rueda, ins spanische Weisswein-Eldorado.

Es ist heiss! Nur in den Weinkellern steckt die Hitze nicht. Erst recht nicht in einer Bodega wie Gotica, die vor allem weisse Weine produziert. Die Stahltank-Armada. Besitzerin Maria Jesus de la Hoz Monsalve erklärt uns, weshalb Verdejo nachts und im Eilzugs-Tempo gelesen wird. Und warum ausgerechnet der Verdejo von Gotica der frischeste, knackigste, beste sei. Dann: der erste Wein. Ein Rosé aus Sauvignon Blanc namens Trasweet mit fürchterlicher Etikette. Der Wein hingegen ist überraschend schön. Toller Anfang also. Es sollten noch zwei, drei weitere Weine folgen…

Den Lunch – Tapas – gibts beim Degustieren. Zeit sparen! Denn es geht gleich wieder los. Und jetzt wirds spannend, ja verrückt! 44 Kilometer zum Weingut Villaester im Toro. Doch das Gut interessiert uns nicht, dafür eine funktionelle Schiebetüre aus Blech. Dahinter verbirgt sich ein Arbeitsraum, wo uns Jaime Suarez mit einer Multimedia-Präsentation seine völlig verrückte Art Wein zu machen näherbringt. Das Endprodukt heisst Quinola. Es ist das einzige der Bodega.

Es entsteht so: Jaime füllt die leicht angequetschten und entstielten Trauben aus wurzelechten uralten Reben gleich nach der Ankunft in seiner Garage in feinkörnige französische Barriques. Das wird nun deren Zuhause bleiben bis zur Abfüllung in die Flaschen. Das heisst, sie machen sowohl die alkoholische wie die malolaktische Gärung im Holzfass. Und anstatt den Trester unterzutauchen oder umzupumpen, rüttelt Jaime. Nicht die Flaschen wie beim Champagner, nein, die Barriques. Manchmal einmal täglich. Manchmal 8-mal. Was für ein Aufwand! Nach der Gärung werden die Traubenschalen, die schön intakt geblieben sind, aus der Barrique gefischt – der Wein kann seine 20-Monatige Lagerung antreten. Das Resultat ist top! Garagiger geht nicht!

Wir werden Jaime beim Nachtessen wiedersehen. Doch zuvor gehts ins Dörfchen Toro, wo unglaublicherweise Zeit bleibt für ein schnelles, frisches Bier. Dann wartet gleich um die Ecke Antony Terryn, noch ein sympathischer Verrückter. Ein Franzose aus dem Norden, der sich in die heisse Toro-Region verliebt hat und in der Dominio del Bendito wirbelt und zaubert. Zuerst gehts aber in die Rebberge, wo es praktisch nur Buschweine gibt. Trauben, versteckt unter wild wuchernden Blättern, die am Boden darniederliegen wie ein lange nicht geschorener schlafender Langhaardackel. Oder ein Pumuckl. Es ist oft sehr heiss im Toro! Das massive Blätterdach ist ein natürlicher Schutz für die wertvollen Früchte.

Antony redet. Und redet. Und redet. Wir stehen auf Sand. Die Böden hier sind sandig. Und damit kommt die Reblaus nicht klar. Deshalb gibt es sie hier nicht. Glückliche Winzer auf den Parzellen von La Jara! So stammen die Rebstöcke teils aus dem 19. Jahrhundert. Auch Antony werden wir wiedersehen.

So, die Weine sind verkostet. Der Tag mittlerweile schon 15 Stunden alt. In Valladolid checken wir ein. Wir treffen Jaime und Antony wieder – in einem Mini-Restaurant. Der Garagenwinzer lässt grüssen! Das Essen ist toll, und wir stellen fest: Die Powersäfte Quinola und Titan – so heisst Antonys Topwein – passen erstaunlich gut zum Scampi-Carpaccio!

Mitternacht, die beiden Wein-Locos verabschieden sich. Für einen Schlumi ist niemand zu haben. Keine Atempause! Frühmorgens gehts weiter. Teil zwei mit den Regionen Bierzo, Valdeorras und Ribera del Duero. Demnächst an dieser Stelle.

Publiziert am 01.10.2013 | Aktualisiert am 05.10.2013
 

DIE WEINE DER DOMINIO DEL BENDITO

Rosado Perlarena 2012 (Foto)

Schöne Fruchtnoten von reifen Erdbeeren, feingliedrig im Gaumen, elegant, sogar gewisse Struktur, viel Frucht, aber auch Säure, die nur stützt, aber nie stört. Schlicht: Ein toller Rosé! Wäre schön, den auch in der Schweiz auf dem Markt zu sehen. Score: 16,5/20 (in der Schweiz nicht erhältlich)

El Primer Paso 2011

Würzige Nase, leicht vegetale Noten, ausladend, nicht ganz reife Beeren, viel Kraft und Wärme im Gaumen, wieder würzig, nun auch herbal, leichte Süsse, widerborstig, opulent, saftig, eukalyptisch-kräuterig-süsses Finale. Score: 17/20 (CHF 18.—für Jahrgang 2010 und 20.—für 2009)

Las Sabias 2007

Wunderschöne ausladende, sehr beerige Nase, im Gaumen kräftig, teerig, dunkel, reife Tannine, süffig, nur dezente Säure, würzige Süsse im schönen Finale. Score: 17,5/20 (CHF 28.—für Jahrgang 2008) Las Sabias 2005. Score: 17,5/20

El Titan 2006

Wunderbare ausladende Nase, Frucht-Potpourri, dezente Schoggi, extrem elegant im Gaumen, Struktur, Power, Kirschen, Süsse, Würze, mundfüllend, endloses Finale. Toll! Score: 18/20 (CHF 49.—statt 55.—für Jahrgang 2009)

El Titan 2007

Tolle Nase mit viel Ausdruck, samten, im Gaumen hoch elegant, Power, dennoch feingliedrig, Würze, gute Länge. Score: 17,5/20 (CHF 49.—statt 55.—für Jahrgang 2009)

El Titan 2010

Sehr beerige Nase, filigran und würzig, im Gaumen äusserst elegant, saftig, schnell schöne Tannine, kräftig, nicht kompottige wirkende Süsse, gegen Ende etwas schwerfällig, doch da retten den Titanen die Gerbstoffe und der würzige lange Abgang. Score: 18/20 (CHF 49.—statt 55.—für Jahrgang 2009)

Alle Weine erhältlich bei: www.gerstl.ch

 

…UND ZWEI GRÜNE WEINTIPPS

Singing Grüner Veltliner 2012 Laurenz und Sophie, Laurenz V., Niederösterreich (Foto)

Wunderschöne Nase nach Grapefruit, Ananas, frische geschnittenem Gras, viel Schmelz im Gaumen, mineralisch, den Wein stützende knackige Säure, wieder Agrumen-Aromen im frischen und langen Finale. Wunderschön! Score: 17/20 (CHF 16.80. www.moevenpick-wein.com)

Grüner Veltliner Ebner-Ebenauer Sauberg 2011, Niederösterreich

Unglaublich mineralische Nase, fast wie wenn man an einem Gesteinsbrocken schnüffelt, Schiefer, Kalk und Feuerstein, aber auch ein wenig Katzenpisse (…), im Gaumen sehr fruchtig, aber auch wieder Mineralik und vegetale Noten. Ein ganz spezieller Grüner, der weit ausserhalb jeglicher Einheitsbrei-Linien steht. Score: 16/20 (CHF 19.50. www.moevenpick-wein.com)

 

WO GIBTS WAS ZU DEGUSTIEREN

Eine Auswahl der besten Degu-Tipps der nächsten Zeit:

- 2. und 3. Oktober. 19 Uhr. Food and Wine Pairing mit Prosecco Superiore Conegliano Valdobbiadene. Am 2. Oktober im Restaurant Kunsthalle Basel. Am 3. Oktober im Restaurant Metropol Zürich. Kosten: CHF 145.--. Anmeldungen bis 26. September an: www.vinum.info.

- 3. Oktober. 17-19.30 Uhr. Nebbiolo - Königstraube des Piemonts. Der Stoff, aus dem Klassiker sind - und Barolo. Eintritt gratis. Baur au lac vins, Filiale Hotel, Börsenstrasse 27, Zürich.

- 4. Oktober. 17-20 Uhr. Einweihung des neuen Ladens von Cantina del Mulino in Fribourg. Mit Apéro, Häppchen und grosser Auswahl an Herbstweinen. Cantina del Mulino, Place des armeaux 1, Fribourg.

- 4. Oktober. 18.30-22.15 Uhr. Workshop Burgund. Das Geheimnis von Pinot noir und Chardonnay wird gelüftet. Degustation vom einfachen Bourgogne rouge bis zum komplexen Grand Cru. CHF 220--. Anmeldung zwingend. Baur au lac vins, Filiale Regensdorf. www.bauraulacvins.ch.

- 10. bis 12. Oktober. Während den regulären Öffnungszeiten. Grosse Südamerika-Degustation. Mindestens 30 Weine aus dem aktuellen Mailing können verkostet werden. Eintritt CHF 25.--. In allen Mövenpick-Weinkellern. www.moevenpick-wein.com.

- 11. bis 19. Oktober. Montag-Freitag 17-22 Uhr, Samstag 16-22 Uhr, Sonntag 14-18 Uhr. 43. Berner Weinmesse. Über 2000 Weine. Attraktion Showküche, Wine Tasting Lunches und Lieblingsweine der Aussteller. Mittwoch, 16. Oktober Ladies Special mit freiem Eintritt für alle Damen. Eintritt CHF 25.--, mit Gutschein 10.--. Bernexpo Halle 4, Bern. www.bernerweinmesse.ch.

- 16. Oktober. 18.30-23 Uhr. Teatro a tavola in Luzern. Ein Jubiläum, zwei Familien, drei Meisterkomponisten. Wir feiern! Antinori e Bindella - da 60 anni insieme. Mit einem kulinarisch-musikalischen Abend ganz im Zeichen beider Familien, ihren Weinen, den lukullischen Spezalitäten aus bella Italia - und Puccini, Rossini, Verdi. CHF 145.--. Anmeldung bis 11. Oktober. Ristorante Barbatti, Luzern. www.bindella.ch.

- 22. Oktober. 15-20 Uhr. Dão und Beira Interior. Im nördlichen Zentrum Portugals entstehen auf kargen Granitböden in bergig-rauem Klima Weine mit delikater Frucht und viel Struktur. 13 Kellereien präsentieren sie. Von 17-18 Uhr geführte Degustation mit Vinum-Chefredaktor Thomas Vaterlaus. Eintritt frei. Zunfthaus zur Saffran, Limmatquai 54, Zürich. www.mettlervaterlaus.ch.

- 22. bis 26. Oktober. Dienstag-Freitag 17-22 Uhr. Samstag 13-20 Uhr. Die 1. Weinarena: Weinfachmesse Luvina mit 21 Ausstellern. Swisspor-Arena Luzern. www.luvina.ch.

- 24. Oktober. 17-21 Uhr. Jubiläums-Party 10 Jahre Mövenpick Weinkeller Luzern. Anwesend sind die WInzer der Bodega Mas Alta und der Hess Family. Das Weinkeller-Team präsentiert seine Favoriten. Dazu gibts Häppchen und Jazz-Musik. Eintritt frei. Anmeldung bis 10 Oktober. www.moevenpick-wein.com.

- 25. Oktober. 17-19 Uhr. The World of First Growth (Foto) Pre-Tasting mit hochkarätiger Auswahl von rund 20 Bordeaux' und seinen Herausforderern. CHF 195.--. Anmeldung zwingend. Anschliessend Grand Dinner ab 19.30 Uhr. CHF 995.--. Anmeldung zwingend. Das Line-up wird in den nächsten Tagen hier publiziert:  www.twofg.ch. Hotel Park Hyatt Zürich. www.kapweine.ch.

- 28. Oktober. 15-17.30 Uhr. Friaul-Degustation «Ribolla goes Zurich». Sechs Weingüter aus dem Collio in Friaul-Julisch Venetien laden ein, Weine aus der Ribolla-Gialla-Traube zu degustieren. 16-17 Uhr Seminar mit Steffen Maus, Herausgeber des Standardwerks «Italiens Weinwelten». Artemide Showroom, Bärengasse 16, Zürich. www.wein-welten.com.

- 30. Oktober. 18.30-23 Uhr. Teatro a tavola in Bern. Ein Jubiläum, zwei Familien, drei Meisterkomponisten. Wir feiern! Antinori e Bindella - da 60 anni insieme. Mit einem kulinarisch-musikalischen Abend ganz im Zeichen beider Familien, ihren Weinen, den lukullischen Spezalitäten aus bella Italia - und Puccini, Rossini, Verdi. CHF 135.--. Anmeldung bis 25. Oktober. Ristorante Lorenzini, Bern. www.bindella.ch.

- 31. Oktober. 19-22 Uhr. Blinddegustation von 12 Weinen in schwarzen Gläsern. Die Kardinalsfrage: Ist es Weiss- oder Rotwein? Preis CHF 40.--. Anmeldung bis 24. Oktober. Mövenpick Weinkeller, Baarerstrasse 141, Zug. www.moevenpick.com.

- 12. November. 18.30-23 Uhr. Teatro a tavola in Zürich. Ein Jubiläum, zwei Familien, drei Meisterkomponisten. Wir feiern! Antinori e Bindella - da 60 anni insieme. Mit einem kulinarisch-musikalischen Abend ganz im Zeichen beider Familien, ihren Weinen, den lukullischen Spezalitäten aus bella Italia - und Puccini, Rossini, Verdi. CHF 195.--. Anmeldung bis 8. November. Ristorante Conti, Zürich. www.bindella.ch.

- 14. November. 16-20 Uhr. Die Passion für Terroir. Rund 30 Winzer aus dem Rhône-Tail, dem languedoc-Roussillon, dem Burgund, der Loire, dem Elsass, dem Piemont und der Toskana teilen mit Ihnen die Leidenschaft, die sie antreibt. Anmeldung zwingend. Preis CHF 4.--. Hôtel Mandarin Oriental, Quai Turrettini 1, Genf. www.gazzar-weine.ch.

 

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Selbstportrait im spanischen Spätsommer. play
Selbstportrait im spanischen Spätsommer. Alain Kunz
 

DIE WEINE DER BODEGA GOTICA

Trascampanas Verdejo 2012

Schöne zitronige Nase, Grapefruit, auch nasses Gras, im Gaumen recht grün, abnehmende Frucht, mittleres Finish. Score: 15,5/20 (CHF 14.--. www.gerstl.ch)

NICHT in der Schweiz erhältlich:

Trascampanas Trasweet Rosé 2012. Score: 16,5/20

Trascampanas Sauvignon Blanc 2012. Score: 16/20

Cimbalo Rosado 2012. Score: 16/20

Cimbalo Tinto Roble 2010. Score: 14,5/20

 

QUINOLA

Wir probierten zuerst diverse Barrique-Samples. Erst mal die Barrique, die 55% der finalen Cuvée stellen wird. Der Wein ist jetzt 23 von 24 Monaten drin. Das Purpurrot ist völlig undurchdringlich, die Aromenexplosion stark. Veilchen, Vanille, Beeren, Kirschen. Samtig kommt der Wein daher, mit viel Power, toller Struktur, viel Wärme und Süsse. Ein eleganter Mittelteil führt in ein balsamisches, gleichzeitig maskulines Finish, das ewig lange anhält. Zusammen mit der getesteten zweiten Barriqueprobe mit massiv harscheren Tanninen und dem dritten Fass, das ein bisschen weniger süss ist als Nummer eins, wird das einen wunderbaren Wein ergeben. Wie diese drei:

Quinola 2008

Wunderbar ausladende Nase, Brombeeren, im Gaumen saftig, kräftig, viel Frucht, eher dezente runde Tannine, unheimliche Wucht ohne mastig zu wirken, tolle Länge. Score: 17,5/20

Quinola 2009

In der Nase momentan recht verschlossen, parfümiert, viel Aromatik und Würze, nervig, im Gaumen ganz leicht vegetal, unglaublich dicht und frisch, reife Tannine und Früchte, eukalyptisches Finale, wunderbare Länge. Score: 18,5/20 (CHF 153.—für die Magnumflasche. www.gerstl.ch)

Quinola 2010

Extrem dunkles Rot, fast schwarz, jedenfalls total undurchdringlich. Dezente Po1rtnoten, animalisch, minim reduktiv, Kaffeearomen, kräftig11 i Gaumen, gleichzeitig elegant, leichte Süsse und viel Eleganz, Schöne lebhafte Tannine, langes Finale. Score: 17,5/20 (CHF 65.--. www.gerstl.ch)

 

DER NEUE KLEINE JOHNSON

Er ist das meistverkaufte Weinbüchlein überhaupt, dies seit 35 Jahren! Jeder kennt es, fast jeder Wine Lover hat es in Reichweite. Eben ist die September-Ausgabe 2014 erschienen mit kompakten Infos zu 15 000 Weinen, Jahrgängen, Winzern und aktuellen Weinthemen. Besonders benutzerfreundlich: Das Sternesystem von einem Stern (einfache Qualität für jeden Tag) bis vier Sterne (erstklassig).

Machen wir also gleich den Schweizer Sterne-Crashtest. Vier Sterne kriegen in der Schweiz, der Hugh Johnson acht von 448 Seiten widmet, zuerst mal die Bündner Herrschaft generell, dann das Schossgut Bachtobel aus dem Thurgau, Louis Bovard aus dem Dézaley, die Domaine la Colombe aus Féchy, die exportfreudigen Daniel und Martha Gantenbein aus Fläsch als beste Botschafter von Schweizer Weinen im Ausland, Jean-René Germanier aus Vétroz, Vinattieri Ticinesi und Diego Mathier aus Salgesch. Laut Johnson sind das also die sieben besten Schweizer Winzer. Nur erstaunlich, dass der zweimalige Winzer des Jahres Mathier in der auch vor kurzem erschienenen Liste der 100 besten Schweizer Winzer von Gault&Millau fehlt. Sollte es sich um ein Versehen handeln – okay. Ist es Absicht, kommen erhebliche Zweifel an der Seriosität dieser Liste auf. Dies als kleine Randnotiz…

Zurück zu Johnson, der Mathiers Betrieb der „Spitzenklasse“ zuordnet, den Pinot Noir mit dem Attribut „fantastisch“ versieht und weiter schreibt, dass einige Weine eine „erstaunliche Intensität“ aufwiesen. Doch auch Johnson hat seine Makel. Die Auswahl an Schweizer Winzern ist recht gut, aber wieso fehlt beispielsweise ein Urs Pircher im Büchlein, um nur einen zu nennen?

Schön hingegen, dass Johnson schreibt: „Wenn die Schweizer ihre eigenen Weine nicht mehr mögen, springen wir gerne ein – auch wenn wir dafür noch ein bisschen sparen müssen.“ Johnson hat die Qualität unserer Gewächse erkannt, definitiv und vorbehaltlos. Doch ausschliesslich die (relativ) hohen Preise für mangelden Export verantwortlich zu machen, ist nur die halbe Wahrheit. Die teils homöopathisch geringen Produktionsmengen, mit denen nicht mal der einheimische Markt gesättigt werden kann, sind mindestens ebenso massgebend dafür, dass wir kein Exportland sind.

Schlecht hingegen: Im Special über Pinot Noir wird die Schweiz, unterdessen eines der Pinot-Länder schlechthin, mit keiner Silbe erwähnt. 16 Seiten Pinot - 3-mal findet Chile Eingang in diesen Exkurs, aber nicht ein einziges Mal unser Land. Ein No-Go, Mister Johnson. (A.Ku.)

Der Kleine Johnson, 472 Seiten, ISBN-10:3-8338-3603-2, Hallwag im Verlag Gräfe & Unzer. CHF 29.90.

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