Für Sie degustiert: Mullineux und Chamonix Hands on! Mullineux ist Südafrikas Weingut 2016

Zwei Mal in drei Jahren war Mullineux Kellerei des Jahres in Südafrika. Zuvor war es das Franschhoek-Gut Chamonix. Dieses haben wir besucht – und die Bekanntschaft von Zebras und einem Flipflop-Weinmacher gemacht. Chris Mullineux hingegen haben wir in Zürich getroffen.

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Dass die Verkoster des einflussreichsten Weinkritikers (in Rente) Robert M. Parker beim Thema Südafrika regelrecht ausflippen, daran haben wir uns die letzten Jahre über gewöhnt. Zuletzt war es ein ganz junges Gut, das sie zu Jubelarien ansetzen liess. Ein richtiges Start-up im Weinbereich.

Denn Chris Mullineux und seine Gattin Andrea gründen den Keller erst 2008. 2010 ist er fertiggestellt. Und dann gehts los! Das Motto: Hands on! Handarbeit, alles. Und pingelig perfekt. Von A bis Z. Keine Kompromisse.

Chris Mullineux zeigt den Weg, den sein Familienweingut gehen soll. play
Chris Mullineux zeigt den Weg, den sein Familienweingut gehen soll. Alain Kunz

 

Chris lernt das in der Tulbagh Mountain Winery, die er in den fünf Jahren seines Wirkens an die Spitze führt. Andrea, die aus Kalifornien stammt und einen Napa-Rucksack mitbringt, assistierte ihm dort im Keller.

Die Region ist Riebeek-Kasteel in Swartland, wo es heute fantastische Weine gebe, sagt Chris. «Wir machen spezielle Weine, bei denen die wichtigsten Komponenten die Balance, die Struktur und die Ausgeglichenheit sind.» Dabei trafen Chris und Andrea auch gleich die richtige Entscheidung, sich nicht zu verzetteln, sondern auf jene Sorten zu setzen, die in dieser Ecke besonders prächtig gedeihen: Chenin Blanc und Syrah. «Die reifen in diesem Klima perfekt», so Chris. «Es ist heiss, es hat wenig Regen. Genau das, was die beiden brauchen.»

Der Basis-Syrah von Mullineux ist bereits ein kleines Ereignis. play
Der Basis-Syrah von Mullineux ist bereits ein kleines Ereignis. Ueli Schmidt

 

Die weiteren Credos der Mullineux? Wenig Holz einsetzen, wenig Schwefel, keine Filtration, keine Zuchthefe. «Unsere Weine sollen natürlich sein, transparent. Aber nichts ersetzt natürlich die wichtigste Komponente: Den Boden. Der ist fünf Millionen Jahre alt. Wir acht…»

Was bei Mullineux speziell und anders ist als in vielen Kellereien: Die Trauben werden nicht vollständig abgebeert. Nur etwa fünfzig Prozent. «Das bringt uns eine gewisse Frische», ist Chris überzeugt.

Chris Mullineux im Smalltalk mit Ueli Schmidt von Kapweine. play
Chris Mullineux im Smalltalk mit Ueli Schmidt von Kapweine. Alain Kunz

 

Chris Mullineux und BLICK-Redaktor Alain Kunz. play
Chris Mullineux und BLICK-Redaktor Alain Kunz. Ueli Schmidt

Das Resultat gibt ihm recht. Und die Kritiker schwärmen. Der südafrikanische Weinführer Platter’s, der Mullineux zum zweiten Mal innert drei Jahren zur Kellerei des Jahres gewählt hat: «Kurz: das ist eine grossartige und dynamische Wein-Partnerschaft. Chris und Andrea geben in klares Bekenntnis dazu ab, Swartland zu einer Quelle bemerkenswerter Wein zu machen. Dieses Bekenntnis ist intensiv und wertvoll für die ganze Region.»

Nicht genug damit. Der Iron Syrah 2013 ist gleich Rotwein des Jahres und der Strohwein Olerasay NV Dessertwein des Jahres. Ein ganz spezielles Gewächs, werden dafür doch mehrerer Jahrgänge zusammengemixt, wie beim spanischen Solera.

In Zahlen ausgedrückt, und nun sind wir wieder bei Parker: Zwölf Weine hat Neill Martin verkostet. Acht Mal zückte er 92 und mehr Punkte. Das ist der totale Wahnsinn! Mit 96 als Höchstnote für den Olerasay, gefolgt vom Jahrgang 2012 des Schist Syrahs (95) und vom 13er des Quartz Chenins Blancs (94).

 

Und hier sind sie, die besten Weine von Mullineux:

Mullineux Schist Syrah 2013 (Foto): Nomen est omen. Schieferböden liefern die Grundlage für diesen enorm frischen, fruchtigen Wein, der fast schon chirurgisch präzis daherkommt, viel Mineralik und leichte Teernoten aufweiset, erdig ist und wunderbar lang. Score: 18/20 (CHF 109.--)

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Mullineux Iron Syrah 2013: Lehmige, eisenhaltige Böden machen diesen Wein sehr würzig, Côte-du-Rhône-mässig, gepaart mit Veilchen-Aromen wirkt er enorm ausdrucksstark, ist dunkel-rauchig im Gaumen, ja teerig, superfrisch, Minzenaromen, eingekochte Tomaten. Ein höchst eigenständiger, spezieller Syrah. Wein des Jahres in Südafrika! Score: 17,5/20 (CHF 109.—)

Mullineux Schist Chenin Blanc 2014: Die Nase ist komplex, die Röstaromen dezent, äussern sich in Rauch und mineralischen Noten, Ananasfrucht, Melone. Ein eleganter und aristokratischer Chenin, der feingliedrig ist, Hefenoten aufweist und mit einem schönen Abgang besticht. Score: 18/20 (CHF 75.--)

Mullineux Quartz Chenin Blanc 2014: In der Nase ist der Wein sehr fruchtig, hat aber auch eine enorme Mineralität, leichte Spargelnoten, er ist und bleibt enorm zart, fast zerbrechlich, aber deshalb umso eleganter und er hallt lange nach. Score: 17,5/20 (CHF 79.--)

Mullineux White Blend 2013: Die Assemblage aus Chenin Blanc, Clairette Blanc und Viognier hat in der Nase florale Noten, auch mineralische natürlich, Aromen von exotischen Früchten, Ananas, im Gaumen ist er hoch elegant, hat Schmelz, Power, ist fein austariert, frisch und wunderbar lang. Score: 17,5/20 (CHF 28.50)

 

WEITER DEGUSTIERT:

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  • Mullineux Kloof Street Old Vine Chenin Blanc 2013 (Foto): Score 16/20 (CHF 17.90)
  • Mullineux Granite Chenin Blanc 2014: Score 17/20
  • Mullineux White Blend 2012: Score 17/20
  • Mullineux Syrah 2012 und 2013: Score je 17/20 (CHF 34.50)

(Die Weine gibts bei www.weinundsein.com und www.kapweine.ch)

 

 

CHAMONIX: WEINE ZWISCHEN ZEBRAS UND STRAUSSEN

Wir sind auf historischen Grund am Kap. Hier siedelten Ende des 17 Jahrhunderts die ersten Hugenotten an. Deshalb heisst die Region auch Franschhoek. Und die ersten Siedler machten sich natürlich unverzüglich daran, Reben anzupflanzen, waren ja Franzosen… Das Gut gehörte einst einer reichen Lady, die immer zum Skifahren nach Chamonix fuhr. Und weil es im Winter doch tatsächlich ab und dann etwas Schnee in den Bergen rundherum gibt, gab sie dem Gut den Namen. 1991 übernimmt der aus Deutschland stammende Unternehmer und Abenteurer Chris Hellinger das Gut, das bis dann vor allem auf Obstbau gesetzt hatte – und renoviert es grundlegend.

 

Heute wird Qualität grossgeschrieben. Weinmacher ist seit 2015 Thinus Neethling, ein junger, talentierter Önologe, der die Erfolgsgeschichte seines Vorgängers und Lehrmeisters Gottfried Mocke weiterführen soll, der das Gut zu den Besten im Land machte. Im Jahr 2013 war Chamonix die Kellerei des Jahres. In seinem letzten Südafrika-Report zeigte sich Parker-Degustator Neill Martin von Franschhoek global enttäuscht, nahm aber explizit zwei Weingüter von seiner Kritik aus: Das an dieser Stelle bereits vorgestellte Boekenhoutskloof und – eben – Chamonix.

Und noch was: Chamonix ist nicht bloss Weingut. Es ist auch ein regelrechtes Reservat. Löwen und Nashörner sucht man zwar vergebens. Dafür gibt es Lodges mitten in Zebra- und Strausskolonien. Und das ist schon ziemlich einzigartig.

 

Die herausragenden Weine von Chamonix:

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Der Chardonnay Reserve 2014 besticht durch eine wunderbar komplexe Nase mit nur wenigen holzgenerierten Noten, die Fruchtaromen schimmern durch, leicht exotisch, leicht vegetal, viel Ananas und Pfirsich, die Säure stützt das Ganze und das Finale ist frisch und lang. Dafür gibt’s 17,5/20 Punkte (CHF 35.--. www.kapweine.ch). Dieselbe Punktzahl kriegt die rote Assemblage Troika Reserve 2013 (Foto) aus 40% Cabernet Franc, 38% Cabernet Sauvignon, 12% Petit Verdot und 10% Merlot. In der Nase ist er wohl leicht grün, die Früchte sind dunkel, der Gesamteindruck komplex. Im Gaumen kommt die Cuvée unprätentiös daher, sie ist filigran-ruhig, dennoch druckvoll, hat Schmelz und runde Tannine, ist minzig-frisch und recht lang. Sehr schön (CHF 29.90. www.kapweine.ch).

 

Weiter degustiert:

  • Chamonix Brut: Score 15/20
  • Chamonix Sauvignon Blanc 2015: Score 16/20
  • Chamonix Chardonnay Unoaked 2015: Score 16,5/20 (CHF 15.90)
  • Chamonix White Reserve 2014 (75% Sauvignon Blanc, 25% Sémillon): Score 16,5/20 (CHF 24.90)
  • Chamonix Chardonnay 2014: Score 16,5/20 (CHF 22.--)
  • Chamonix Rouge 2012: 15,5/20 (CHF 7.50 statt 15.90)
  • Chamonix Feldspar Pinot Noir 2014: 16,5/20 (CHF 22.--)
  • Chamonix Pinot Noir Reserve 2014: Score 16/20 (CHF 39.--)
  • Chamonix Cabernet Franc 2013: Score 16,5/20 (CHF 22.--)
  • Chamonix Pinotage Greywacke 2013: 17/20 (CHF 22.--)

 

WEIN DER WOCHE: CRYSTALLUM CUVEE CINEMA PINOT NOIR 2014

Peter-Allan Finlayson von Crystallum und Lia Poveda von Bouchard-Finlayson. play
Peter-Allan Finlayson von Crystallum und Lia Poveda von Bouchard-Finlayson. ZVG

Tja, liebe Freunde. Auch Südafrika hat langsam seinen Preis. Das haben Sie an dieser Stelle bereits früher und nun auch bei der Lektüre des Artikels über Mullineux erfahren können. Potenzial zum Wein der Woche haben viele der Shooting-Stars vom Kap wie die Flaschen von Eben Sadie, von Vilafonté (Serie C!), De Trafford, Ernie Els, Rust-en-Vrede Single Vineyard (fantastisch!), der Vergelegen V, Waterford The Jam, Spier Frans K. Smit, Mvemve-Raats oder Haskell, um einige der besten Weine des Landes zu nennen.

Doch all diese sensationellen, wunderbaren, aussergewöhnlichen Gutteren kosten gegen die hundert Franken. Weshalb wir uns hier lieber einem Pinot Noir aus Südafrika widmen, der auch ganz toll, aber noch zahlbar ist: 39 Franken. Das ist etwas mehr als die besten Zürcher Pinots kosten, aber etwas weniger als man für die Bündner zahlen muss. Oder: genau gleich viel wie der Ambassadeur von Diego Mathier… Sicher ist es jedoch viel weniger, als man im Burgund für eine vergleichbare Qualität hinlegen müsste.

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Pinot Noir und Südafrika – das ist noch nicht die ganz grosse Amour fou. Kann noch werden, in den Cooler-Climate-Regionen ist sicher Potenzial da. Aber das braucht Zeit. Die Traube ist derart kapriziös, das ein tolles Resultat zuerst mal in den Folgejahren bestätigt werden muss, um einen einmaligen Zufall auszuschliessen. Zu den Qualitätskonstanten gehört Crystallum, das Weingut der Finlayson-Brothers, deren Vater Peter Pionier dafür war, das Hemel-en-Aarde-Tal als perfektes Terroir für Qualitätsweine – und vor allem Pinot Noir - auf die südafrikanische Landkarte zu bringen. Crystallum ist Burgund pur: Vier Pinot Noirs, zwei Chardonnays. Am besten gefallen hat uns die Cuvée Cinema Pinot Noir 2014 (Foto). Ein Wein mit viel Sortentypizität in der Nase, Rosenaromen, Erdbeeren, Teer, Rauch, schöne Fruchtsüsse im Gaumen, mundfüllend ohne aber dick zu sein, im Gegenteil: ein schlank-eleganter Wein, Waldnoten im frischen und langen Finale. Toll! Dafür gibts 18/20 Punkte. PS. Für den um zehn Franken günstigeren Pinot Noir Peter Max 2014 gibts 17/20 und für den ebenfalls 39 Franken kostenden Mabalel Pinot Noir 2014 16,5/20 Punkte. (CHF 39.--. www.kapweine.ch).

 

AM DONNERSTAG EXPOVINA-START!

Auf zwölf Schiffen kann man auf dem Zürichsee über 4000 Weine degustieren. play
Auf zwölf Schiffen kann man auf dem Zürichsee über 4000 Weine degustieren. ZVG

«Gömmer ufs Wyschiff?» Dies dürfte in Zürich in den nächsten beiden Wochen die meistgestellte Frage beim Verplanen der Abende sein. Die schwimmende Zürcher Weinausstellung an den Ladungsstegen am Bürkliplatz ist seit 63 Jahren eine einzige Erfolgsstory. Und sie ist heuer grösser denn je! Denn mit dem LS Saturn – als Ersatz für die MS Wädenswil - gehört das grösste Transport-Lastschiff auf Schweizer Seen erstmals zur Expovina-Flotte. Die Zahlen: 12 Schiffe. 4200 Weine – Rekord! 125 Produzenten, Importeure und Weinfachhändler. 170 Stände.

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Expovina-Präsident Bruno Sauter (Foto): «Wir erwarten 70 000 Besucherinnen und Besucher, womit wir Europas grösste Publikums-Weinmesse sind.» Auf drei Schiffen kann zudem gegessen werden.

(Expovina. 3. Bis 17. November. Montag bis Samstag 13 bis 21 Uhr. Samstag 11 bis 19 Uhr. Restaurants 11.30 bis 24 Uhr, Sonntag 11 bis 21 Uhr. Eintritt: CHF 25.--. www.expovina.ch)

 

WO GIBTS WAS ZU DEGUSTIEREN?

  • 25. November. 16 bis 20 Uhr. Gerstl bei Vitrum. Probieren Sie nach Herzenslust über 40 Weine aus dem aktuellen Sortiment. Mit vielen Neuigkeiten und Top-Sellern. Gratis. Muff Haushalt AG/Vitrum, Hauptstrasse 80, Sissach. www.gerstl.ch.

  • 28. November. 16 bis 20 Uhr. Gambero Rosso – Vini d'Italia Tour 2016/17 und Gambero Rosso Experience. Präsentation des 30. Weinführers und Degustation einer Auswahl prämierter Weine. Viele Winzer sind persönlich anwesend. 16 Uhr Seminar. Gratis. Swissôtel, Schulstrasse 44, Zürich-Oerlikon. www.gamberorosso.it.

  • 3. und 4. Dezember. 11 bis 20 Uhr. Party der Keller-WG der Winzer vom Zürichsee. Degu von Schwarzenbach Weine, Lüthi Weinbau, Schnorf Weinbau und des Weinguts Diederik nach der zehnten gemeinsamen  Wümmet. Mit Beizli, BBQ-Smoker sowie Swing mit Café Moustache. Gratis. Reblaube, Meilen. www.keller-wg.ch.

  • 5. Dezember. 16.30 bis 20 Uhr. Best Wines of Sicily. Die ganze Vielfalt des Weinkontinents Sizilien. 13 prestigeträchtige Kellereien wie Donna fugata, Cusumano, Mandrarossa oder Planeta zelebrieren ihre Weine. 17 Uhr Seminar «Grosse Weine mit dem Goût de Terroir» mit Christian Eder. Bei Anmeldung gratis. Tageskasse CHF 10.--. Hotel Metropol, Zürich. www.vinum.ch .

  • 7. Dezember in Basel, 9. Dezember in Zürich, jeweils 17 bis 21 Uhr. Champagner und Schaumweine von Ullrich. Es wird geöffnet, was das Herz begehrt. Dazu gibts frische Austern und Rauchlachs der Familie Dörig und Brandl. Eintritt: CHF 30.-- (ohne Essen). 7.12.: Paul Ullrich AG, Schneidergasse 27, Basel. 9.12.: Paul Ullrich AG, Talacker 30, Zürich. www.ullrich.ch.

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Publiziert am 03.11.2016 | Aktualisiert am 03.11.2016
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