Fleischspiess mit Hunde-Antrieb & mehr So verrückt grillierte man früher!

Drehspiesse, die von Hunden angetrieben wurden, Spezialroste für Schnecken und Gruben für das Barbecue: Die Geschichte des Grillierens ist voller amüsanter Details.

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Die Ladenflächen sind prall gefüllt mit Grills. Untrügliches Indiz dafür, dass der Sommer naht. Vergessen geht heute aber, dass das Grillieren erst in den 50er-Jahren bei uns so richtig populär wurde. Der Trend kam aus den USA – woher auch sonst? –, wo das Barbecue schon länger eine lustvoll-ge­pflegte Freizeitbeschäftigung war. 1951 hatte der Amerikaner George Stephen, inspiriert von der Form einer Boje, den Kugelgrill ­erfunden. Und damit das Garen mit indirekter Hitze lanciert.

Vom «Barbacoa» zum Barbecue

Ganz neu war die Technik des raffinierten Grillierens in der Neuen Welt aber nicht, denn die ersten Siedler hatten bei der Entdeckung Amerikas feststellen müssen, dass die Ureinwohner bereits eine hoch entwickelte Methode für den Umgang mit dem Feuer hatten, die «Barbacoa». So hiessen die Holzgerüste, auf denen die Einheimischen Fische und Fleisch langsam im Rauch garten. Dieses Barbacoa, das spätere Barbecue, war in der ganzen Karibik und die Küste entlang bis nach Brasilien verbreitet. Auf dem Gebiet des heutigen Mexiko hoben die Einheimischen Gruben aus, entfachten darin ein Feuer und legten das Fleisch auf quer liegende Äste. Verblüffend simpel! Zusammen mit den von den Siedlern eingeführten Schweinen wurden so die Grundlagen für den heutigen Barbecue-Kult gelegt.

Schon die Römer waren Grill-Spezialisten

Das Wort Grill ist wie so viele Wörter aus dem lateinischen «craticula» hervorgegangen. Die Römer, für ihre Schlemmereien bekannt, waren Weltmeister im Braten über dem offenen Feuer. Das beweisen jede Menge hochkarätige Rezepte für erlesene Grillgerichte. Etwa Würste, die mit ganzen Pfefferkörnern und ­Pinienkernen gefüllt waren, oder gegrillte Ente, Languste oder Schweineeuter mit würzigen Saucen. Sie entwickelten eigens tragbare Grills für die jeweiligen Gerichte, mit kunstvoll geformten Rosten und Mehrfachspiessen, die wie überdimensionierte Gabeln aussahen. Es gab sogar einen Spezialgrill für Schnecken.

Fleischspiess mit Antrieb

Weniger raffiniert ging es im Mittelalter weiter, wo man die Feuerstelle ins Haus verlegte. Gekocht wurde meist in Kesseln über dem Feuer, das Fleisch wurde erst gegart, dann am Spiess gebräunt und – wenn vorhanden – mit Wein und Honig begossen. Doch dann, ab dem 15 Jahrhundert, kam der Drehspiess auf! Unsere Vorfahren hatten erkannt, dass das Fleisch leichter garte, wenn die Hitze gleichmässig von allen Seiten kam. Und so entwickelten sie diverse technische Drehspiessverfahren – etwa mit Wasserkraft oder mit Federwerken und Gewichten wie bei Uhren.

Die Engländer perfektionierten eine Tretmühle, in der abgerichtete Hunde, Katzen und Gänse für Bewegung sorgten. Die Briten züchteten zu diesem Zweck gar eine Hunderasse: den Turnspit Dog. Von ihm leitete sich der Begriff «Underdog» ab. Gut, dass schliesslich 1803 ein Franzose den Drehspiess mit Dampfantrieb erfand!

Heute sind Grills so hübsch wie Handtaschen

Wie würden die Erfinder von damals staunen, könnten sie einen Blick auf die modernen Grills werfen. Die kleinen tragbaren sind so hübsch wie Handtaschen. Daneben gibt es blitzende Hightechmonster aus Chromstahl mit integrierten Thermometern, leistungsstarken Rohrbrennern und digitalen Armaturen. Auch für jene, die es im Zeitalter von «Games of Thrones» zurück an unsere archaischen Wurzeln zieht, ist gesorgt: Einen mittelalterlich anmutenden Grillgalgen für über die Outdoor-Feuerstelle führt inzwischen praktisch jeder Heimwerkermarkt. Damit der Neandertaler, den wir in unseren Genen haben, auch heute noch das erlegte Wild auf den Rost werfen kann.

Verrückte Grillmomente

  • Die alten Römer waren Feinschmecker. Hier das Originalrezept für gebratenen Flamingo: «Grilliere den Vogel und würze ihn mit zer­stossenem Pfeffer, Liebstöckel, Selleriesamen, geröstetem Sesam, Petersilie, Minze, getrockneten Zwiebeln und Datteln. Schmecke mit Honig, Wein, Essig, Öl und Liquamen ab.» Liquamen ist eine Würzsauce aus Sardellen und Oregano, vergleichbar mit der thai­ländischen Fischsauce.
     
  • Als George Neville im September 1465 in das Amt des Erzbischofs von York eingeführt wurde, nutzte er die Feierlichkeiten, um seinen Reichtum zu demonstrieren. Neben zahlreichen Ochsen, Schafen und Schweinen liess er nicht weniger als 400 Schwäne, 104 Pfauen und 1000 Reiher grillieren und servierte sie dem Volk.
     
  • Laut dem Guinnessbuch der Rekorde stand der grösste Grill der Welt mit einer Länge von acht Kilometern 2014 auf den Philippinen. Der längste Barbecue-Marathon dauerte 34 Stunden und 35 Minuten in New York 2015. Unsere Vorfahren waren uns jedoch in Vielfalt und Präsentation der Speisen überlegen. An einem barocken Gala-Diner gab es bis zu 150 Gänge. Einen gebratenen Pfau hüllte man wieder in seine Federn und servierte ihn mit ausgebreitetem Schwanzrad.
     
  • Der spanische Architekt César Manrique errichtete 1970 im Restaurant El Diablo auf dem Vulkan Timanfaya in Lanzarote einen Grill ­direkt über dem Vulkanschlund: den Teufels-Grill, der sich heute noch grösster Beliebtheit erfreut. In vier Metern Tiefe herrschen konstante 400 Grad Hitze. Dramatisch und perfekt!
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Publiziert am 15.06.2016 | Aktualisiert am 15.06.2016
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