Für Sie degustiert Ein Wein-Orgasmus – und vier weitere Festtagstipps

  • Publiziert: 19.12.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Alain Kunz

Wir nehmen den Titel dieser Kolumne «Für Sie degustiert» todernst. Erst recht vor den Festtagen.

Einer mehr, der über Wein schreibt. Okay, stimmt. Und doch ist die Kolumne auf Blick.ch anders als die anderen. Warum? Ich sags ihnen gleich. Und gebe gleich die ultimativen Tipps für untern Weihnachtsbaum. Die sind derart lohnenswert, dass ohne schlechtes Gewissen zu folgendem Kniff gegriffen werden kann:

  • Weinkarton mit Geschenkpapier umwickeln
  • Päckli mit Namenschild versehen
  • Eigenen Namen draufsetzen
  • Dem Onkel doch ein Parfüm schenken…

Im Durchschnitt gibt der Schweizer rund acht Franken pro Flasche aus. 8! Wer nicht auf den Preis schauen muss, wird sich wundern und denken: Dafür gibts doch nur Fusel. Wer sich teurere Gewächse nicht leisten kann, wird sich weniger wundern und denken: Schade muss ich bei meiner 2.45-Franken-Literflasche bleiben. Das ist die Realität der helvetischen Bandbreite, die zu diesem Durchschnittspreis führt.

Nun: Uns interessieren weniger die Château-Pétrus-Trinker und die Literflaschen-Afficionados. Sie interessieren uns, die Sie gerne einen guten Tropfen trinken, aber darauf achten wollen, dass die Kirche preislich im Dorf bleibt. Das heisst konkret: So zwischen 12 und 18 Franken liegt das Budget. Trifft das auch bei Ihnen zu? Wunderbar! Denn genau in diesem Segment buddeln wir in der unendlichen Weinwelt und graben die Trouvaillen aus. Und das ohne jede Abhängigkeit. Jeder Wein ist von mir persönlich degustiert und für aussergewöhnlich befunden worden!

Was aber nicht heisst, dass auch Sie diesen Wein aussergewöhnlich gut finden. Einer der wenigen Sätze ausserhalb der Asterix-Heftchen, der mir von Lateinunterricht geblieben ist, lautet: De gustibus non est disputandum. Über Geschmack lässt sich nicht streiten. Was auch gut ist. Denn im Endeffekt entscheiden Sie ganz alleine: Mann, geiler Tropfen! Hui, Hustensirup für schwangere Bergenten. Und das ist gut so! Wir liefern ihnen lediglich den Anstoss, einen Wein auszuprobieren, für den wir uns verbürgen.

So. Und jetzt zu den Festtagsweinen, die zu meinen absoluten Favoriten gehören. Alles erschwingliche Weine. Doch weil Weihnachten ist, gibt es eine Ausnahme (die auch unter dem Jahr dann und wann vorkommen wird): Meinen Wein des Jahres 2009 (neben dem Ornellaia 2006, aber der ist mit rund 180 Franken doch etwas teuer). Es handelt sich um den Alion 2005 aus dem wohl besten spanischen Haus, der Bodega Vega Sicilia. Ein Wein, der mich umgehauen hat. Er bescherte mir einen jener raren Momente, in dem mir klar wurde, dass es perfekte Weine gibt. In einem solchen Moment vergisst man alles um sich herum, ist mit sich und der Welt eins. Ein orgastisches Gefühl!

Wollen Sie es am eigenen Körper erleben oder gar auch Ihren Schatz daran teilhaben lassen? Nur zu!

Verdejo Nava Real 2008

Ein knackiger Apéro-Wein zum Hammerpreis. Fruchtexplosion in der Nase, v.a. Ananas und Zitrusfrüchte wie Grapefruit sowie Muskat. Präsente Säure in Balance mit Süsse der Frucht.

Score: 16/20

(Fr. 12.80, Mövenpick)

Diolinoir Dupont 2006

Bernard Dupont aus Saxon ist der Apricotine-König des Wallis. Doch er keltert auch schöne Weine. So einen ganz typischen Diolinoir, die Schweizer Kreuzung aus Robin und Pinot noir. Dunkel und tief, tanninreich und doch fruchtig. Bis 2011/12.

Score: 16,5/20

(Fr. 16.--, www.apricotine-dupont.ch)

Barbera d'Asti Zucchetto, La Morandina 2007

Wer Barbera mag : Das ist ein Archetyp des klassischen, in grossen Fässern ausgebauten Weins aus einer wunderbaren Lage : Konzentriert, Kirschen, feingliedrig, feminin, Struktur, Länge. Nur ganz dezentes Holz (keine Barriques!).

Score: 17/20

(Fr. 17.80, www.vergani.ch, Zürich)

Alion 2005

Parker gibt ihm seit 5 Jahren immer mindestens 94 Punkte! Parker hat für einmal Recht. Ein Traum. Tiefgründig und doch schmeichlerisch. Perfekte Struktur und Balance. Frucht ohne Ende! Und die Länge! Wow! Der nackte Wahnsinn. Bis 2022

Score: 19,5/20

(Fr. 75.--, Mövenpick)

Cava Rosado Roger d’Anoia

Noch nie hat einer meiner Gäste diese Cava, die spanische Version des Champagners, nicht gemocht. Wunderschönes rosa, perlt wunderbar, duftet fein, macht ganz einfach Spass. Das i-Tüpfelchen ist der Preis!

Score: 16/20

(Fr. 6.99, aldi-Filialen)

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