Für Sie degustiert: Lagrein Dank Aargauer Klosterflüchtlingen und mit Gottes Segen zur Nummer 1

Lagrein ist die Vorzeigetraube des Südtirols. Nicht zuletzt dank ein paar aus dem aargauischen Kloster Muri abgehauenen Mönchen spielen die Weine mittlerweile in Italiens Topliga.

  • Publiziert: 15.01.2012, Aktualisiert: 08.02.2012
  • Von Alain Kunz

2009: 3 Gläser. 2010: 3 Gläser. 2011: 3 Gläser. Kaum ein Jahr, in welchem der Topwein des Klosters Muris-Gries in Bozen nicht mit der Maximalnote des Weinführers „Vini d’Italia“ bedacht wird. Und dies völlig zu Recht. Die Klosterkellerei marschiert voran im Bestreben, die autochthone Rebsorte zur Hochblüte zu bringen.

Die Traube wird im Bozner Stadtteil Gries seit 1340 angepflanzt. Sie fühlt sich im Tal-Kessel mit den höchsten Maximaltemperaturen von ganz Italien (!) pudelwohl. Seit 20, 30 Jahren haben die Qualitätsverbesserungen wie Auswahl der besten Lagen oder Ausdünnung Lagrein-Weine in die Elite Italiens gehievt.

Der ewige Streit um die Pergel

Christian Werth, Önologe im Klosterbetrieb, sieht einen weiteren Grund: „1994 haben wir unsere Rebanlage von Pergel auf Drahtrahmen umgestellt“. Eine im Südtirol nicht unumstrittene Aussage, denn Traditionalisten halten wenig von Guyot-Anbau, also Drahtrahmen. Für sie gibts nur eines: Die Pergel, italienisch Pergola, dieses fast nur im Alto Adige anzutreffende Anbausystem mit einer Art Dach. Ein Verteidiger der Pergel ist Christian Plattner von Ansitz-Waldgries, der auch in der absoluten Lagrein-Topliga spielt. „Im Hang gibt es keinen Grund, auf die Pergel zu verzichten. Da kommt immer genug Sonne aufs Traubengut. Auf der Fläche ist das natürlich schwieriger.“

Die Mönche aus Muri AG

Zurück zu unserem Benediktiner-Kloster. Die Gründung geht auf das Jahr 1845 zurück. Mönche, die aus dem aargauischen Kloster Muri vertrieben wurden, fanden im verwaisten Augustiner-Chorherrenstift ein neues Heim. Sie trieben den Weinbau voran, der heute eine fixe Einnahmequelle im Budget des Klosters ist. Die Kellerei ist also nicht etwa ein autonomes Anhängsel, das gewissermassen outgesourced ist. Es muss sich dem christlichen Lebensrhythmus fügen. Versuchen Sie also ja nicht, die Kellerei zum Beispiel an Ostern zu besuchen...

Von der Vernatsch-Beigabe zum Markenzeichen

Lagrein hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Die Traube, die sich mit ihrer manchmal harschen Rustikalität dem Wein-Mainstream wohltuend widersetzt, hatte früher zwei Existenzgrundlagen ohne Glamour: Erstens als Beigabe zum Vernatsch, um diesem mehr Farbe und Kraft zu verleihen. Zweitens als Rosé, dem sogenannten Kretzer. Mit der Entlassung des Lagrein in die Autonomie als „Lagrein dunkel“ in den 70er- und 80er-Jahren beginnt der Siegeszug der Südtiroler Traube. „Die Medien wandten sich mehr und mehr regionaltypischen Sorten zu, was zu einem neuen Selbstbewusstsein unserer Betriebe führte“, sagt Wolfgang Kager von der Genossenschaftskellerei Bozen. Die Quintessenz des Mannes, der zusammen mit seinem Kellermeister Stephan Filippi ein Drei-Gläser-Habituée ist und auch schon 93-Parker-Punkte eingeheimst hat: „Heute zählt der Lagrein zu den besten Rotweinen Italiens.“ Dem ist nichts beizufügen.

Südtirol-Trilogie, Teil 2

Der erste Teil unserer kleinen Südtirol-Trilogie gehörte dem Vernatsch. Im zweiten widme ich mich dem Lagrein, der zweiten grossen autochthonen Rotweinsorte des Südtirols. Den Abschluss macht dann der Besuch in Zürich von Alois Lageder, Bio-Wein-Pionier mit klingendem Namen.

(A. Ku.)

Die drei Drei-Gläser-Lagrein 2011

– Klosterkellerei Muri-Gries: Lagrein Abtei Riserva 2007

– Tiefenbrunner: Lagrein Riserva 2007 Linticlarus

– Ansitz Waldgries: Lagrein 2008 Mirell

Die vier Drei-Gläser-Lagrein 2012

– Ansitz Waldgries: Lagrein 2009 Mirell

– Kellerei Bozen: Lagrein Riserva 2009 Taber (Bild)

– Gummerhof-Malojer: Lagrein 2009 Gummerhof

– Obermoser: Lagrein Riserva 2009 Grafenleiten

Top-Lagrein

Lagrein Riserva 2006 Kloster Muri-Gries (Bild)
Extreme Konzentration, fast schwarze Farbe. Peperoni, Pfeffer, Kirschkompott, dennoch ein gutes Säurerückgrat. Sehr frisch und lang! Schöner geht Lagrein kaum!
Score: 17,5/20 (CHF 72.-- für 2007er, www.weinvogel.ch, www.nauer-weine.ch)

Lagrein Mirell 2009 Ansitz Waldgries
Zehn Prozent der Trauben werden nach dem Amarone-Verfahren getrocknet. Extrem konzentriert, tolle, Nase, Veilchen, Brombeeren, aristokratisch und elegant, üppig aber nicht mastig, massive Tannine gegen Ende, sehr lang. Toll!
Score: 18/20 (CHF 57.--, www.weinvogel.ch)

Lagrein Riserva 2009 Ansitz Waldgries
Etwas viel Holz in der Nase, die noch recht verschlossen ist, viel Eleganz im Gaumen, Frische, aber auch Ecken und Kanten, harmonisch und wunderbar lang.
Score: 17,5/20 (CHF 36.40, www.weinvogel.ch)

Lagrein Riserva Taber 2007 Kellerei Bozen
Dezente Nase, Wein ist im Schneckenhaus. Im Gaumen mächtig, Resttannine, Brombeeren, alles im Einklang. Super-Länge. Toll! Hat ein langes Leben vor sich.
Score: 17,5/20 (CHF 35.50, www.weinvogel.ch)

Lagrein Riserva Linticlarus 2007 Tiefenbrunner
Eingekochte Früchte, nicht zu alkoholisch, toller Gaumen, Kirschen, Schmelz, schöne Tannine, schon perfekt trinkbereit.
Score: 17,5/20 (CHF 33.50, www.silvino.ch)

Lagrein 2009 Ansitz Waldgries
Würzige Nase, dezentes Holz, rechte Tannine, gehaltvoll, viel Süsse gegen Ende, voluminös, leichte Bitternoten.
Score: 17/20 (CHF 23.50, www.weinvogel.ch)

Lagrein Riserva 2008 Franz Gojer Glögglhof
Kirschige Nase, leichtes Toasting, Leder, Primärfrucht, Wucht, eingekochte Brombeeren, strenge Säure, Noten von grünen Bananen. Tolles Finish. Sehr gut.
Score: 17/20 (CHF 29.80, www.weinvogel.ch; CHF 30.50, www.algrappolo.ch)

Lagrein Gries Riserva Select 2007 Rottensteiner
Kirschig, tief, sortentypisch, leichte Süsse und Eleganz, aber auch wild und rustikal, schön ausbalanciert, gute Länge.
Score: 17/20 (CHF 20.70 für den 2008er, www.weinvogel.ch)

Sehr gute Lagrein

Lagrein Riserva Prestige Line 2008 Kellerei Bozen
Kaffeenoten, vegetal, starke Kirscharomen, samten, Spargel, wunderbar weich, etwas viel Holz.
Score: 16.5/20 (CHF 27.80, www.weinvogel.ch)

Lagrein 2010 Kloster Muri-Gries
Kirschen-Nase, Holunder, viel Frucht, rund, süss, dicht, kräftig, minime grüne Noten, Länge mittel. Schön.
Score: 16,5/20 (CHF 18.10, www.weinvogel.ch, www.nauer-weine.ch)

Lagrein Riserva 2008 Rottensteiner
Recht fruchtige Nase, erst sanft, dann unter Einfluss leichter Tannine und Röstaromen intensiver werdend. Harmonisch, sehr schön.
Score: 16,5/20 (CHF 13.90, www.weinvogel.ch)

Lagrein Castel Turmhof 2009 Tiefenbrunner (Bild)
Kirschige Nase, leichte Süsse im Gaumen, schöne Struktur und Säure, mittlere Länge.
Score: 16,5/20 (CHF 19.50, www.silvino.ch)

Lagrein Riserva 2007 Pfannenstielhof
Tiefdunkles Purpurrot, würzig-krautig, Dörrpflaumen, vife Tannine, rechte Säure, frisch. Ein authentischer Lagrein ohne Schnickschnack.
Score: 16,5/20 (CHF 38.50, www.comvino.com)

Lagrein Riserva 2006 Kellerei Girlan
Extrem dunkle Farbe, kompottige Nase, Pflaumen, harmonisch, Power, leichte Bitternoten im Abgang.
Score: 16,5/20 (CHF 42.--, www.felsenkeller.ch)

Lagrein Baron Eyrl, Collection Grieser 2009 Kellerei Bozen
Schweflige Nase, Schmelz, würzig, Veilchen, untypisch wenig Ecken und Kanten, recht viele rote Frucht gegen Ende, gute Länge.
Score: 16/20 (CHF 13.90 für 2010er, www.coop.ch)

Lagrein Perl 2009 Kellerei Bozen
Vegetale Nase, Peperoni, samtener Body, harsche Tannine, widerborstiger Wein mit harmonischem, mittellangem Finale.
Score: 16/20 (CHF 21.50, www.vinothek-brancaia.ch)

Lagrein vom Boden 2009 Pfannenstielhof
Rotbeerige Nase, dunkel, rustikale Frische, Waldbeeren, Harz, grüne Noten, ehrlicher Wein ohne jeden Kunstgriff.
Score: 16/20 (CHF 23.50, www.comvino.com)

Ein Merlot-Monument im Januarloch

Januarloch? Wenn es akut ist – Pech gehabt. Wenn nicht: Füllen Sie Ihren Weinkeller auf, wenn die Preise so tief sind wie die Aktien von Grossbanken. Ein paar Beispiele: Den wunderbaren Dehesa La Granja 2005 von Alejandro Fernandez gibts für 12.50 statt 25 Franken (Score: 16,5/20). Den Hecula Yecla 2008 von der Bodega Castaño gibts für 9.40 statt 15.80 Franken (Score: 16,5/20). Der Hammer ist aber der Montiano 2008 von Falesco aus dem Gebiet Lazio (Bild, Score: 18/20). Er kostet 29.80 statt 50 Franken! Ein Monument von einem Merlot! Hier stimmt einfach alles: Der Barrique-Einsatz, Die Fruchtaromen, der volle Körper, die Harmonie, die sanften Tannine, das wunderbare Finale. Im Gambero Rosso gabs Drei Gläser plus, Luca Maroni verlieh ihm 99 von 100 Punkten! (A. Ku.)

Alle Weine gibts in den Mövenpick-Weinkellern solange Vorrat.

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