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2009: 3 Gläser. 2010: 3 Gläser. 2011: 3 Gläser. Kaum ein Jahr, in welchem der Topwein des Klosters Muris-Gries in Bozen nicht mit der Maximalnote des Weinführers „Vini d’Italia“ bedacht wird. Und dies völlig zu Recht. Die Klosterkellerei marschiert voran im Bestreben, die autochthone Rebsorte zur Hochblüte zu bringen.
Die Traube wird im Bozner Stadtteil Gries seit 1340 angepflanzt. Sie fühlt sich im Tal-Kessel mit den höchsten Maximaltemperaturen von ganz Italien (!) pudelwohl. Seit 20, 30 Jahren haben die Qualitätsverbesserungen wie Auswahl der besten Lagen oder Ausdünnung Lagrein-Weine in die Elite Italiens gehievt.
Christian Werth, Önologe im Klosterbetrieb, sieht einen weiteren Grund: „1994 haben wir unsere Rebanlage von Pergel auf Drahtrahmen umgestellt“. Eine im Südtirol nicht unumstrittene Aussage, denn Traditionalisten halten wenig von Guyot-Anbau, also Drahtrahmen. Für sie gibts nur eines: Die Pergel, italienisch Pergola, dieses fast nur im Alto Adige anzutreffende Anbausystem mit einer Art Dach. Ein Verteidiger der Pergel ist Christian Plattner von Ansitz-Waldgries, der auch in der absoluten Lagrein-Topliga spielt. „Im Hang gibt es keinen Grund, auf die Pergel zu verzichten. Da kommt immer genug Sonne aufs Traubengut. Auf der Fläche ist das natürlich schwieriger.“
Zurück zu unserem Benediktiner-Kloster. Die Gründung geht auf das Jahr 1845 zurück. Mönche, die aus dem aargauischen Kloster Muri vertrieben wurden, fanden im verwaisten Augustiner-Chorherrenstift ein neues Heim. Sie trieben den Weinbau voran, der heute eine fixe Einnahmequelle im Budget des Klosters ist. Die Kellerei ist also nicht etwa ein autonomes Anhängsel, das gewissermassen outgesourced ist. Es muss sich dem christlichen Lebensrhythmus fügen. Versuchen Sie also ja nicht, die Kellerei zum Beispiel an Ostern zu besuchen...
Lagrein hat eine wechselvolle Geschichte hinter sich. Die Traube, die sich mit ihrer manchmal harschen Rustikalität dem Wein-Mainstream wohltuend widersetzt, hatte früher zwei Existenzgrundlagen ohne Glamour: Erstens als Beigabe zum Vernatsch, um diesem mehr Farbe und Kraft zu verleihen. Zweitens als Rosé, dem sogenannten Kretzer. Mit der Entlassung des Lagrein in die Autonomie als „Lagrein dunkel“ in den 70er- und 80er-Jahren beginnt der Siegeszug der Südtiroler Traube. „Die Medien wandten sich mehr und mehr regionaltypischen Sorten zu, was zu einem neuen Selbstbewusstsein unserer Betriebe führte“, sagt Wolfgang Kager von der Genossenschaftskellerei Bozen. Die Quintessenz des Mannes, der zusammen mit seinem Kellermeister Stephan Filippi ein Drei-Gläser-Habituée ist und auch schon 93-Parker-Punkte eingeheimst hat: „Heute zählt der Lagrein zu den besten Rotweinen Italiens.“ Dem ist nichts beizufügen.
Der erste Teil unserer kleinen Südtirol-Trilogie gehörte dem Vernatsch. Im zweiten widme ich mich dem Lagrein, der zweiten grossen autochthonen Rotweinsorte des Südtirols. Den Abschluss macht dann der Besuch in Zürich von Alois Lageder, Bio-Wein-Pionier mit klingendem Namen.
(A. Ku.)