Für Sie degustiert Bio-Weine - aber nicht im grünen Bereich

  • Publiziert: 21.11.2011, Aktualisiert: 14.01.2012
  • Von Alain Kunz

Der Ort ist vornehm. Das Zürcher World Trade Center. Fast 100 Bio-Produzenten aus ganz Europa sind anwesend. Aber kaum ein Gast. Schade.

Es sind gegen 100 Bio-Produzenten aus ganz Europa, die sich die Ehre geben. Sie zeigen über 300 Gewächse, alle gekeltert nach strengen biodynamischen Grundsätzen. Umgarnt wird „New11“, der erste Bio-Grossanlass dieser Art in Zürich von diversen Vorträgen, darunter von jenem von Isabelle Legeron, Master of Wine. Ihr Credo: „Einzig natürliche Weine vermögen Terroir auszudrücken und uns mit ihrer Erde durch ihre Authentizität, Vitalität und Emotionen verbinden können.“

Zeit für Weiterbildung
Organisiert wird „New11“ durch Vinnatur, die neueste Vereinigung natürlicher Weinmacher. Spannende Weine, oft fernab von geschliffenen 08/15-Massenprodukten. Manchmal gar skurril und schräg – eben anders. Manchmal aber auch schlicht Klasse! Nur: Das Publikum bleibt weitgehend aus. Schade um den gewaltigen Organisationsaufwand, um die Weinmacher aus Österreich, Portugal, Kroatien, Spanien, Serbien, Slowenien, Frankreich, Italien und der Schweiz nach Zürich zu bringen. „Da muss im Vorfeld halt Werbung machen“, bedauert Sandro Barosi von der Cascina Corte in Dogliani – und macht mangels Kundschaft halt auf Kollegenbesuch. Zeit für Weiterbildung ist reichlich vorhanden.

Ohne Marketing geht nichts
Für einen anderen Umstand können die Organisatoren nicht: Nämlich jenen, dass die Mehrheit der Produzenten (noch) keinen Schweizer Importeur hat. Bei einigen war das bedauernswert. Bei anderen weniger… Quintessenz: „New11“, das zudem während der Expovina stattfand, muss unendlich besser vermarktet werden, um eine Chance zu haben. Wir stellen dennoch zwei Weine vor, die uns besonders aufgefallen – und in der Schweiz erhältlich sind.

Zwei Biowein-Insider-Tipps

Cascina Corte, Dogliani Vigne Vecchie Vigna Pirochetta 2009
Für den Pirochetta 2008 konnte Sandro Barosi drei Gläser für seinen Dolcetto einheimsen. Eine echte Krönung, denn die drei Gambero-Rosso-Gläser werden für Dolcetti ganz selten vergeben. Der Jahrgang 2009 ist auch wunderbar gelungen: Recht verschlossen in der Nase noch, aber sehr dicht, wunderbar im Gaumen: Kraft, Frische, Kirschen. Braucht noch ein, zwei Jährchen, um auf dem Höhepunkt zu sein.
Score: 16,5/20 (CHF 24.50, BB Winehouse, www.hotelmurten.ch)

Château Duvivier Les Mûriers 2007
Die Assemblage aus Syrah (50%), Cabernet Sauvignon (45%) und Grenache (5%) des Baslers Antoine Kaufmann aus der Appellation Coteaux Varois en Provence im Var besticht durch viel Würze und Schmelz, in der Nase gibts ein bisschen Raucharomen und teerige Nuancen, im Gaumen ist der Wein aber äusserst rund, hat viel Fruchtaromen, auch eine schöne Süsse, die durch Resttannine aufgefangen wird und ein gute Länge. Château Duvivier ist Weingut, gleichzeitig aber auch das Forschungszentrum von Delinat.
Score: 16/20 (CHF 25.--, www.delinat.com)

Bio zum Zweiten: Küferweg-Herbstdegu

Wer die Welt des Bio-Weins besser kennen lernen will, der hat demnächst ausführliche Gelegenheit dazu. Die Weinhandlung am Küferweg zeigt an ihrer Herbstdegustation 2011 ihr gesamtes Sortiment – rund 150 Weine und Spirituosen. Im Portfolio befinden sich auch die Weine einiger absoluter Cracks wie des spanischen Weinunternehmers Telmo Rodriguez, das Pinot-Noir-Traumduos Martha und Daniel Gantenbein aus der Bündner Herrschaft oder des Tessiner Barrique-Merlot-Pioniers Werner Stucky. Einige Produzenten und Produzentinnen werden persönlich anwesend sein. So Topshots wie die Schweizer Süsswein-Königin Marie-Thérèse Chappaz aus dem Wallis oder die Piemonteserin Marina Marcarino vom Gut Punset in Neive. Sie geben sich am Samstag von 11 bis 12 Uhr die Ehre. Der Sonntag steht dann im Zeichen der der neuen Küferweg-Weingüter aus Frankreich: „Vive la France!“ heissts von 11 bis 12 Uhr, auch mit den Weinmachern. Erstmals steigt die Herbstdegu in den neuen Küferweg-Räumlichkeiten auf dem Areal der ehemaligen Conservenfabrik Seethal an der Seetalstrasse 2 in Seon. (A. Ku.)
(Samstag, 26. November von 11 bis 18 Uhr. Sonntag, 27. November von 11 bis 16 Uhr. www.kueferweg.ch)

Auch hier ein Tipp:
Rovero Barbera d’Asti Superiore Gustin 2007
Die Gebrüder Rovero zelebrieren auf ihrem Gut „Il Milin“ in San Marzanotto bei Asti hochklassige Barbera, Hochprozentiges in Form wunderbarer Grappas und im Agriturismo eine rustikale (Wochenend-)Küche, die in der Regel weder Wünsche noch Tische offen lässt. Der Lagen-Barbera Gustin zeigt eine sortentypische, fruchtig-florale, frische Nase, hat eine schöne Struktur, ist süffig, verspielt und hat sowohl die nötige Struktur wie Säure und Länge. Kurzum: Er macht einfach Spass! Ein aussergewöhnlicher Alltags-Barbera, dessen Preis-/Leistungsverhältnis seinesgleichen sucht.
Score: 16,5/20 (CHF 17.40, www.kueferweg.ch/ www.rovero.it)

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