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Liebe Betty
In den paar Tagen hier am Arsch der Welt war ich bereits etlichen Nervenzusammenbrüchen nah. Schliesslich war ich seit 13 Jahren nicht mehr in der guten, alten Heimat.
Den ersten Kulturschock erlitt ich bereits bei der Ankunft. Schiebetüre geht auf und ich rechne mit maximal einem Cousin, der uns abholt. Da standen aber so viele Menschen, dass man meinen könnte, Obama und seine Michelle wären gelandet. Die einen weinten (Ääähm?), andere drückten mir feuchte Küsse ins Gesicht (HASS!) und Terror-Kids umzingelten mich und fragten nach Geschenken. Bring ich nie mit. Zumal ich im Vorfeld mein Vermögen in den Sale von Agent Provocateur investiert habe (sehr weise). Nun gut. Dem Blick meiner Mum entnahm ich, dass ich gute Miene machen sollte. Was ich devot auch tat.
Am nächsten Tag heiratete Cousine No. 786. Ich konnte mich nicht entscheiden, welche Hochsteckfrisur mit welchen Perlen und Plastikblumen die schlechteste war. Ausserdem schmissen sich alle in die krassen Abendkleider und montierten Gelnägel. Mit Nagelpiercings. Ich trug meinen schwarzen Hot-Pants-Overall mit den Schuhen, die du zu nuttig schimpfst. Was sie ja auch sind. Machen aber lange Beine. Dass ich etwas diskriminierende Blicke kassierte, ist ein Fakt, der mich weniger als den Rest meiner Familie kratze. «Ach, weisst du, Maja ist einfach so. Eine Lady war unsere Jüngste noch nie. Aber das passt halt zu ihr», versuchte mich meine Mutter bei Tante, Onkel, Grossonkel Cousin, Cou-Cousine und Co. zu erklären.
Meine Schwester und ich beschlossen, uns zu betrinken. Einfach zur Feier unseres gemeinsamen Urlaubs. Da ich normalerweise nicht trinke, stand ich sehr schnell auf dem Tresen und tanzte zu Jugo-Folklore. Ich sang auch theatralisch mit. Dass ich weder die Lieder, geschweige den Songtext kannte, war sehr nebensächlich. Jetzt will ich eine Karriere als Jugo-Popstar anstreben. Die kriegen Silikon-Titten, Botox und Extensions for free. Da ich aber leider noch schlechter singe, als koche, ist der Traum schon beim Beenden dieses Satzes geplatzt.
In ein paar Tagen ist meine Tour de Famille vorbei. Dann setzen sich mein Cousin, der auch in der Schweiz lebt, meine Schwester und ich nach Belgrad ab. Da will ich dann mit einem Landsmann knutschen. Belgrader sind heiss. Tragen Chucks, Bermudas und abgefuckte Rockstar-Shirts. Also, sei jetzt eine gute Freundin und wünsch mir den weltallergeilsten Goran dieses Universums.
Das wars. Jetzt freue ich mich auf unsere baldige Vereinigung. Und erwarte, dass du mit Kuhglocken, Rivella blau und einem XXL-«Maja, I Love You So Much»-Plakat am Flughafen stehst, wenn meine Wenigkeit eingeflogen wird.
Kuss,
Maja
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Unverblümt, direkt, abgefahren: Maja (zvr@ringier.ch).