Apple iPad Wunderding oder nur ein netter Zwitter?

SAN FRANCISCO – «Es ist das wichtigste Produkt, das ich je gemacht habe!» – so vollmundig kündigte Apple-Boss Steve Jobs das iPad an. Doch ist es wirklich so revolutionär? Oder vereint es als Zwitter von iPhone und Laptop vor allem deren Nachteile?

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Thomas W. Enderle
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Die gestrige Präsentation beweist: Steve Jobs ist auch nur ein Mensch und Apple auch bloss eine Firma. Allerdings wissen beide, sich in Szene zu setzen. Das iPad ist sicherlich ein interessantes Produkt, eine Revolution ist es aber nicht.

In Sachen Design haben die Apple-Leute den Nagel auf den Kopf getroffen. Einmal mehr überzeugt die schlichte Eleganz. Das iPad reiht sich nahtlos in die Reihe der Apple-Produkte ein. Äusserlich vermisst wird lediglich eine Webcam, die beispielsweise Video-Chat mit dem iPad ermöglichen würde.

Bei den inneren Werten liefert der Ersteindruck ein gemischtes Bild: Zwar sei das iPad äusserst schnell im Starten von Programmen und bei der Handhabung. Doch greift Apple hierbei in die Trickkiste: Auf dem iPad (wie schon beim iPhone) läuft immer nur ein Programm gleichzeitig. Sogenanntes Multitasking fehlt. Das bedeutet, dass man stets ein Programm verlassen muss, bevor ein man in ein neues wechseln kann.

Grösstes Manko für Internet-Fans ist das Fehlen von Flash auf dem iPad. Viele multimediale Seiten setzen auf Flash für Animationen und Interaktivität. Darauf müssen Nutzer des iPads (wie auch des iPhones) verzichten. Es bleibt zu hoffen, dass dieser Tolggen im Reinheft mit dem Update des Betriebssystems, das für den Sommer erwartet wird, sowohl beim iPad wie beim iPhone ausgemerzt wird.

Auch fehlt dem iPad das überzeugende Killer-Programm, das es zu einem Must-Have macht. Filme abspielen, im Internet surfen, Texte verarbeiten – das alles kann man mit dem Laptop auch. Ob die elektronischen Bücher und interaktive Zeitungen das iPad zum unverzichtbaren Gadget machen, ist vor allem eine Frage des Angebots. Daran scheiterte der Durchbruch von bisherigen eBook-Readern.

Positiv überraschen konnte Steve Jobs beim Preis: Das günstigste iPad ist für 559 Franken zu haben. Damit ist es rund halb so teuer, wie befürchtet.

Am Ende bleibt die Frage: Warum sollte man sich ein iPad kaufen? Als Ersatz für einen Laptop ist der Tablet-Computer sicher nicht geeignet. Das Smartphone wird logischerweise auch nicht überflüssig. Zum jetzigen Zeitpunkt scheint das iPad lediglich ein – wenn auch cooles – Gadget zu sein, mit dem man garantiert Blicke auf sich zieht. Und man darf gespannt sein, wie Apple das iPad weiterentwickelt.

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