Neue (Un-)Ordnung im Web Wer kriegt die Internetendung .swiss?

Historischer Schritt für das Internet: Künftig wird es neue Endungen für Internet- Adressen geben. Die Fluggesellschaft Swiss und die Eidgenossenschaft bewerben sich um den gleichen Domain.

  • Publiziert: 13.06.2012
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Das UVEK hat sich um die Internet-Domain .swiss beworben (Symbolbild)

(Keystone)

«1930 Bewerbungen für Top Level Domains (TLD) sind eingegangen», sagte Rod Beckstrom Chef der Netz-Verwaltung ICANN heute in London - diese würden nun geprüft. Innerhalb eines Jahres könnten bis zu 1000 neue Endungen online verfügbar sein, sagte Beckstrom. «Das Internet wird sich für immer verändern.»

Richemont will gleich mehrere Endungen

Auch einige Schweizer Unternehmen wollen sich ihren eigenen Platz im Netz sichern, darunter ABB, Pictet, Swatch und die UBS. Der Genfer Luxusgüterkonzern Richemont hat gleich mehrere Endungen wie .cartier, .montblanc oder .jewelry und .watches beantragt. Um die Endung .swiss bemühen sich sowohl die Eidgenossenschaft als auch die gleichnamige Fluggesellschaft. Der Kanton Zürich will sich die Endung .zuerich sichern.

Unter den Bewerbern sind zahlreiche internationale Unternehmen wie Apple, Microsoft, Fiat, Samsung und Zara. Eine eigene TLD wollen zudem Amsterdam, Paris und Tokio. Auch einige kuriose Endungen stehen in der Liste: Etwa das englische Wort «sucks» und die Abkürzung «lol», die Google haben möchte.

185'000 Dollar Gebühr

Grundsätzlich kann jede Firma oder Institution eine Adressendung beantragen. Allerdings beträgt allein die Bewerbungsgebühr 185'000 Dollar, der Betrieb verschlingt noch höhere Summen.

Nach jahrelanger Diskussion setzt die ICANN damit die bislang grösste Ausweitung des Adressraums in der Geschichte des Internets um. Die nicht-kommerzielle Organisation beschloss 2011, nahezu beliebige Wörter als Top Level Domains (TLD) zuzulassen, neben Städte- und Firmennamen auch generische Begriffe wie .auto oder .reise (gTLD).

Derzeit gibt es neben den mehr als 200 länderspezifischen Endungen wie .ch für die Schweiz oder .us für die USA nur rund zwei Dutzend generische TLD, darunter .com, .info oder .edu.

Ab Juli prüft die ICANN die ersten Anträge. Die Bewerber müssen verschiedene Bedingungen erfüllen. So dürfen sie keine Markenrechte verletzten und müssen bestimmte technische Anforderungen erfüllen. Ab Dezember will die Organisation erste Ergebnisse veröffentlichen.

Kommerzielle Interessen im Vordergrund?

Die Ausweitung des Internet-Adressraums ist allerdings umstritten. Nach Ansicht der Internet-Expertin Jeanette Hofmann stehen mittlerweile aber kommerzielle Interessen im Vordergrund. «Anfangs ging es um mehr Vielfalt im Namensraum», sagte die Direktorin des Instituts für Internet und Gesellschaft in Berlin der Deutschen Presse-Agentur. (sda/mih)

 

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