Das Handy verrät uns Weiss bald jeder, wo ich bin?

  • Publiziert: 14.23 Uhr
play Smartphones verraten mehr über einen Menschen, als viele denken. (Keystone)

Wir hinterlassen Spuren. Und zwar viele. Smartphones und Internet verraten den Aufenthaltsort. Kann ich das steuern?

Wenn staatliche Stellen wie etwa die Polizei, Personen orten, brauchen sie dafür eine gesetzliche Grundlage. Private Unternehmen hingegen brauchen «nur» die Einwilligung des Benutzers, zumeist über die allgemeinen Geschäftsbedingungen. Deshalb sind sich Nutzer oft gar nicht bewusst, in was sie alles einwilligen.

Was machen die Firmen mit den Daten?

Das ist eine der Kernbotschaften einer heute vorgestellten Studie des Zentrums für Technologiefolgen-Abschätzung, kurz TA-Swiss. «Wer weiss schon, welche App wann welche Daten aufzeichnet, und wofür diese verwendet werden?», erklärt Zürichs Datenschutzbeauftragter Bruno Baeriswyl.

Persönliche Ortungsdaten können Firmen zum Beispiel für standortgebundene Werbung (miss-)brauchen: Wer an einem Geschäft vorbeiläuft wird sofort per Smartphone informiert, falls es dort gerade tolle Sonderangebote gibt.

Viele Smartphone-Apps fragen beim erstmaligen Öffnen ganz direkt, ob der eigene Standort verwendet werden darf. Kein Problem also? Jeder kann nein sagen. Lorenz Hilty, einer der Studienautoren, hält das für zu einfach. «Wenn Sie Ortungsdienste abschalten, werden Sie sich vermehrt dafür rechtfertigen müssen.» Schliesslich könnte jemand darauf kommen, dass es etwas zu verbergen gelte. 

Handys als Staurechner

Die Transparenz des Aufenthaltsorts hat aber nicht nur schlechte Seiten. So benutzt etwa das Bundesamt für Strassen die (anonymisierten) Positionsdaten von Smartphones dazu, Stau- oder Reisezeiten hochzurechnen. Ebenfalls nützlich ist die Ortungsfunktion für Rettungen nach Unfällen. Die Rega-App zum Beispiel hat bereits Menschenleben gerettet.

Auch im Zahlungsverkehr dürften Ortungsdienste bald wichtige Funktionen übernehmen. Denkbar ist etwa, dass Zugtickets über aufgezeichnete GPS-Daten abgerechnet werden. Ähnliche Möglichkeiten bieten sich bei der Benutzung von Mietautos.

Gibt es ein «Recht auf Vergessen»?

Für die Studienautoren ergibt sich politischer Handlungsbedarf. So soll etwa transparenter gemacht werden, wer auf welche Daten Zugriff hat und was damit passiert. Das soll zum Beispiel über eine strengere Überwachung der allgemeinen Geschäftsbedingungen geschehen.

Wichtig sei ebenfalls ein «Recht auf Vergessen», sagt Hilty. Der Nutzer müsse selbst bestimmen können, bis wann Dritte über seine Daten verfügen können. Sonst bestehe die Gefahr, Jahrzehnte später mit eigenen Aktionen aus der Vergangenheit konfrontiert zu werden.  (vuc)

Beliebteste Kommentare

  • Phil  Yeahh , Hohenrain , via Facebook
    Aus diesem und anderen Gründen besitze ich ein Natel aus den 90er Jahren. Ist zwar riesen gross und klobig, aber funktioniert einwandfrei. Und hat Style
    • 19.06.2012
    • 9
    • 1
  • Tom  Tanarev
    Jeder lässt freiwillig auf Facebook die Hosen runter und lässt die halbe Welt an seinem Leben teilhaben und plötzlich hat jeder Angst vor Datenklau. Seltsam.
    • 19.06.2012
    • 5
    • 0

Alle Kommentare (6)

  • stefan  tschopp , bubendorf
    Habt ihr was zu verbergen?
    Und wenn es eucht trotzdem stört verzichtet auf smartphons. Gaaaaaaanz einfach. Oder deaktiviert eure mobiles internet. Alles hat seine schattenseite. Aber das wegli und der franken bekommt ihr nie.
    • 19.06.2012
    • 2
    • 0
  • Tom  Tanarev
    Jeder lässt freiwillig auf Facebook die Hosen runter und lässt die halbe Welt an seinem Leben teilhaben und plötzlich hat jeder Angst vor Datenklau. Seltsam.
    • 19.06.2012
    • 5
    • 0
  • Andreas  Dietrich , Wettingen
    Solche Dienste und Apps fragen genau 1x und dann nie wieder. Ortsdaten werden dann "für immer" an die Anbieter gesendet. Wenn ich heute dank Ortsbestimmung eine Pizzeria gefunden habe, will ich kaum, dass Jahre später mein Chef Daten kaufen kann, die nachweisen wo ich am 10. Nov 2014 zu Mittag gegessen habe.
    • 19.06.2012
    • 1
    • 1
    • Patrick  Berger , Biel
      Stimmt nicht so ganz... wenn sie wollen können sie die Ortbestimmung jederzeit in den Einstellungen abschalten...
      Aber sie haben schon recht damit, dass es niemanden etwas angeht was wir benutzer in unserer Freizeit so machen!
      • 19.06.2012
      • als Kommentar auf Andreas  Dietrich , Wettingen
      • 2
      • 0
  • Heiniger  Silvia
    Ich bleibe bei meinem jetztigen Handy! Und mir fehlt nichts! Man muss nicht immer das NEUSTE besitzen, nur weil der nebenan das neuste Smartphone hat!
    • 19.06.2012
    • 1
    • 1
  • Phil  Yeahh , Hohenrain , via Facebook
    Aus diesem und anderen Gründen besitze ich ein Natel aus den 90er Jahren. Ist zwar riesen gross und klobig, aber funktioniert einwandfrei. Und hat Style
    • 19.06.2012
    • 9
    • 1

Top 3

1 Alles zum Thema Smartwatch Eine Uhr, ein Computer, ein Mannbullet
2 HbbTV So funktioniert der Superteletextbullet
3 Hält es wirklich dicht? Sony Xperia Z: Das wasserdichte Smartphone...bullet

Digital