Vorsicht im Netz Das Internet vergisst nicht

Was einmal im Netz ist, bleibt dort hängen. Zwar gibt es Möglichkeiten, sich rechtlich Gehör zu verschaffen. Die beste Versicherung bleibt aber die Vorsicht.

Datenschutz im Internet: Kann man Internet-Beiträge löschen? play

Ein Gedanke, ein Impuls, ein Tweet – im Internet für immer verewigt.

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Kann man Internet-Beiträge löschen?

Posten ist Silber, schweigen Gold. Ein unbedacht abgegebener Tweet – er kann einen später furchtbar quälen. Oder das Bild vom Trinkgelage unter Freunden auf Facebook. Der Chef hätte es nicht sehen sollen.

Silvia Böhlen Chiofalo ist Kommunikationsspezialistin des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten. Sie rät, sowohl persönliche Daten wie auch jene von Dritten mit grösster Sorgfalt zu behandeln. «Was einmal im Internet publiziert ist, kann kaum mehr rückgängig gemacht werden», sagt Böhlen Chiofalo. Das Internet vergisst nicht.

Ins Netz gestellte Daten sind sofort einer nicht überschaubaren Anzahl Personen zugänglich – rund um den Globus. Facebook beispielsweise hat über 1,5 Milliarden Nutzer, das Internet selbst rund drei Milliarden. Heikle Daten sind da schnell kopiert und verlinkt – Übersicht und Kontrolle gehen rasch verloren.

Zwar gibt es auch im digitalen Zeitalter das Recht auf Vergessen. Es beschreibt die Möglichkeit, eigene Spuren zu verwischen. Nur hat der User nicht auf jeden seiner Fussabdrücke Zugriff.

Fühlt sich jemand durch einen Beitrag, ein Bild oder anderes im Netz in seine Privatsphäre verletzt, kann er vom Onlinedienst die ­Löschung verlangen. Umgekehrt darf der Onlinedienst aber ein «überwiegendes Interesse» an der Publikation geltend machen.

Vielleicht kann dann ein Ombudsmann vermitteln, womöglich braucht es aber schon einen Anwalt – mit einer Beseitigungs-, Feststellungs- oder Unterlassungsklage gelangt er vor ein Zivilgericht. «Hat der Onlinedienst seinen Sitz im Ausland, kann die Durchsetzung aber sehr schwierig sein», sagt Silvia Böhlen Chiofalo.

Die Schweiz überarbeitet ihr Datenschutzgesetz

Die Europäische Union diskutiert zurzeit über eine Revision der rechtlichen Rahmenbedingungen. In der Schweiz geht es um die Überarbeitung des Datenschutzgesetzes. Das Recht auf Vergessen soll darin eine zentrale Rolle einnehmen. Damit will man auf die zunehmende Digitalisierung, die Globalisierung sowie neue Technologien reagieren. Der Datenkontrolle und Datenherrschaft will man so mehr Beachtung schenken, den Schutz von Minderjährigen verbessern.

Wie dringlich diese Massnahmen sind, zeigt die Warnung von Datenschützern: Die Gefahr einer Ver­letzung der Privatsphäre steige ex­ponentiell, weil die User immer mehr Internetdaten verknüpfen, speichern und bearbeiten. Das ist eine direkte Folge des technologischen Fortschritts und der intensiven Nutzung des Internets.

Doch bringt mehr Datenschutz automatisch mehr Sicherheit? Silvia Böhlen Chiofalo bleibt skeptisch. «Angesichts der wachsenden Datenflut und des rasanten Tempos, mit dem wir uns im Internet bewegen, würde ich nicht die ­Behauptung wagen, es gebe einen Trend dazu», sagt sie.

So bleibt es letztlich jedem User überlassen, mit mehr Zurückhaltung für die eigene Sicherheit zu sorgen.

Was ist Datenschutz im Internet?

Datenschutz im Internet ist der staatliche, über Gesetze verabschiedete Schutz der Daten, die über das Internet übertragen werden. Dies beinhaltet vor allem persönliche Daten, in Art und Menge, sowie die Berechtigung über Zugang zu diesen Daten, etwa über Dritte.

Links zum Thema Datenschutz im Internet

Webseite des Eidgenössischen Datenschutzbeauftragten:
www.edoeb.admin.ch

Eine Liste digitaler Vererbungsdienste:
www.thedigitalbeyond.com

Infos der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) zum Thema:
http://yama.sml.zhaw.ch/digitalessterben

 

Publiziert am 30.09.2016 | Aktualisiert am 13.10.2016
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3 Kommentare
  • andi  lindner aus luzern
    30.09.2016
    Das ist der Preis den wir zahlen für Sicherheit. Jeder muss selbst entscheiden.....will er / sie Freiheit, oder Sicherheit?
    Beides zusammen wirds nicht geben!
  • andi  lindner aus luzern
    30.09.2016
    Das ist der Preis den wir zahlen für Sicherheit. Jeder muss selbst entscheiden.....will er / sie Freiheit, oder Sicherheit?
    Beides zusammen wirds nicht geben!
  • Niels  Huggli aus Zug
    30.09.2016
    Ist es nicht grotesk, heute noch von einem Privatleben zu sprechen? Das Private gibt es nicht mehr. Die Interessen der Wirtschaft durchdringen sämtliche Lebensbereiche. Früher konnte man zu zweit reden, heute schaltet sich Facebook dazwischen. Früher konnte man einfach irgendwo hin, heute wird man wegen der Sicherheit von hunderten Kameras aufgenommen, usw. Das Private wird verschwinden Dank der Zusammenarbeit zwischen Wirtschaft und Politik. Das Recht auf sich selbst gibt es bald nicht mehr.