V-Zug gibt 200'000 Franken Schweizer Erfinder frieren Grünabfall ein

Darauf ist noch niemand gekommen. Damit der Grünabfall in der Küche nicht stinkt, kühlt ihn ein Luzerner Start-up im «Freezyboy».

V-Zug investiert in «Freezyboy»: Nie mehr stinkende Grünabfälle play
Der "Freezyboy" mit den drei Luzerner Start-up-Gründern Peter Schmidlin (38), Benjamin Flechsig (34) und Peter Ruppeiner (37) (von links). PHILIPPE ROSSIER

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Der Knaller kam per simplem E-Mail. Die drei Luzerner Start-up-Gründer Benjamin Flechsig (34), Peter Ruppeiner (37) und Peter Schmidlin (38) kamen gerade retour von einer wichtigen Sitzung. «Wir hatten der Geschäftsleitung von V-Zug unser Konzept vorgestellt«, erzählt Schmidlin.

Sprich den «Freezyboy», ein Kühler im Miniformat, der Grünabfälle in der Küche auf minus fünf Grad herunter kühlt, so dass nichts fault und stinkt. «Natürlich erwähnten wir auch, dass wir die ersten Exemplare via Crowdfunding verkaufen wollen«, sagen die drei Jungunternehmer, die seit langem gute Freunde sind.

Eine halbe Stunde hatte die Chefetage des Schweizer Haushaltsgeräte-Herstellers Zeit, danach fuhren Flechsig, Ruppeiner und Schmidlin wieder zurück in ihr Büro im Luzerner Technopark. Kaum angekommen, sahen sie eine Mail von V-Zug. Das Traditionsunternehmen bestellte 500 Exemplare des «Freezyboy» im Wert von über 200'000 Franken.

V-Zug investiert in «Freezyboy»: Nie mehr stinkende Grünabfälle play
Beim Rüsten einfach allen Abfall einfüllen, dank Kühlung verdirbt er nicht schon in der Küche und lockt Fliegen an.

Und das, obwohl es gerade mal einen funktionierenden Prototypen gibt. «Eine tolle Unterstützung, die uns bei der weiteren Arbeit sehr hilft», sagt Schmidlin. Letzte Woche endete das Crowdfunding mit Verkäufen von über 310'000 Franken – eines der erfolgreichsten Schweizer Projekte bislang.

Idee kam beim Kochen

Die Idee zum «Freezyboy» kam den drei Freunden 2014 per Zufall - in der Küche von Hobbykoch Benjamin Flechsig. «Wir regten uns beim Kochen auf, dass der Recycling-Kübel für Grünabfälle immer stinkt und Fruchtfliegen anzieht», erzählt er. Plötzlich der Einfall: Warum den Abfall nicht herunterkühlen?

Nach einiger Recherche ist klar: Die Idee funktioniert - umgesetzt für den Privathaushlat hat sie bislang aber noch niemand. Im Profi-Gastro-Bereich werden Abfälle bereits heute zum Teil gekühlt. Die Drei kündigen schliesslich ihre Jobs in den Bereichen Vermarktung, Vertrieb oder Einkauf und gründen das Start-up Avantyard.

«Wir sind alles keine Techniker, dafür haben wir Konzept und Geschäftsmodell im Griff», erzählt Peter Ruppeiner. Bei der Entwicklung haben sie mit Ingenieur-Unternehmen aus der Abfall- und Kühlbranche zusammengearbeitet.

V-Zug investiert in «Freezyboy»: Nie mehr stinkende Grünabfälle play
Der «Freezyboy» passt bei vielen Abfallsystemen direkt neben den Kübel.

Der «Freezyboy» ist aber nicht nur einfach ein «kleiner Kühlschrank». Denn Früchteschalen, Gemüsereste und andere verderbliche Lebensmittel müssen richtig gefroren werden, damit der Zersetzungsprozess aufgehalten wird. Ein Mini-Kühlkompressor ist nötig, die Dämmung ist nur rund ein Zentimeter dick. 

Passt neben den Abfallkübel

So braucht die Box mit acht Litern Fassungsvermögen nur ein Viertel soviel Strom wie ein Kühlschrank. «Dank der verwertbaren Biomasse sieht die Umweltbilanz gut aus«, sagt Schmidlin. Vor allem, weil das Abfalltrennen mit dem «Freezyboy» bequemer wird. Die Form ist daher bewusst so gewählt, dass das Gerät in vielen modernen Küchen direkt neben den Abfallkübel passt.

Momentan ist der Prototyp in der letzten Testphase, nächstes Jahr startet die Produktion und im Herbst 2017 sollen die ersten Abfallkühler in den Küchen der Kunden stehen.

V-Zug investiert in «Freezyboy»: Nie mehr stinkende Grünabfälle play
Benjamin Flechsig zeigt Digital-Redaktor Lorenz Keller, wie der Grünabfall-Kühler funktioniert. PHILIPPE ROSSIER

Das Konzept überzeugt viele in der Branche. Der Schweizer Hersteller Peka hat den «Freezyboy» bereits in sein Abfallsystem integriert. Und auch Philipp Hofmann, Leiter Global Marketing Services bei V-Zug, sagt: «Wir glauben an einen Markterfolg.» Darum hat der grösste Schweizer Hersteller auch erstmals in der Firmengeschichte ein Crowdfunding unterstützt.

Vielleicht sogar Produktion in der Schweiz

Im Moment sind sogar Gespräche im Gang, ob der «Freezyboy» bei V-Zug produziert werden kann und es somit eine vertiefte Partnerschaft gibt. «Wir stehen Jungunternehmern als Sparringpartner immer sehr gerne zur Verfügung. Unser Vorteil ist, dass wir hier in der Schweiz forschen, entwickeln, produzieren und vermarkten», sagt Hofmann.

Das Crowdfunding ist zwar vorbei, doch wer Interesse an einem Kompost-Kühler zum Preis von rund 700 Franken hat, kann sich direkt über Freezyboy.com bei den Innovatoren melden. «Bald gibt es eine Möglichkeit, FreezyBoy über einen Webshop vorzubestellen», sagt Schmidlin.

Action filmen ganz ohne Wartezeiten 

Publiziert am 01.11.2016 | Aktualisiert am 18.11.2016
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  • Peter  Meier 02.11.2016
    Tolles Ding. Aber genauso unnötig wie elektrische Büchsenöffner, Nussknacker, Salz - und Pfeffermühlen etc. Ausnahme: Man hat eine Erkrankung oder ähnliches, das einem verunmöglicht eine Büchse von Hand zu öffnen. Man trifft solche unnützen Gadgets in den Läden und bevor man etwas überlegt hat, ist es schon gekauft. Jeder sollte besser bei sich selber schauen, dann wären viele Verbote und Gesetze hinfällig.
  • Erwin  Geradeaus 01.11.2016
    Eine lustige Idee aber weder zeitgemäss noch energetisch vertretbar. Abfall runterkühlen und gefrieren?!?! Innovativ ja, intelligent nein.
  • Marco  Kälin aus Dietikon
    01.11.2016
    Ich hätte da auch eine Idee die man noch umsetzen könnte. Wie wäre ein Kühlsystem für Füsse? Sollten diese anfangen zu stinken kann man einfach die Schuhe an eine Steckdose anschliessen, die Füsse auf Minusgrade freezen und das Stinkfussproblem ist ab sofort Geschichte. Die Idee wäre dann in etwa genau so Erfolglos und Sinnlos gut wie die mit dem Grünabfall-Freezyboy.
  • Hans Peter  Meng aus Zollbrück
    01.11.2016
    Welch ein Gugus! Da zieht die Schweiz der EU nach und verbietet Staubsauger mit einer Leistung von mehr als 2000W und gleichzeitig wird ein solch unnötiges Produkt entwickelt, das sicher Schätzungsweise 100W konsumiert und dies tagein-tagaus, wochen-, monate-, jahrelang.
    Ich bin kein Verfechter der Energiewende, leere jedoch den Kompostkübel, wann immer dieser zu stinken beginnt. Ich denke, dass punkto Kompost bessere Lösungen möglich wären, wenn dies ein menschliches Bedürfnis sein sollte.
  • Beat  Engelberger 01.11.2016
    Absoluter Quatsch und noch schlimmer, es gibt schon Kompostiergeräte welche dank spezieller Würmer, den Grünabfall gleich in einem entsprechenden geruchsneutralen Behältnis alles in besten Kompost umwandeln und dies ohne 1 Watt Energie zu verschwenden.
    Das Beste zum Schluss, es ist Made in Switzerland.