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Das Paralleluniversum Second Life (SL) wurde 2003 von Linden Lab in San Francisco gegründet. Das Internet-Phänomen wächst rasant an: Bereits gibts gegen vier Millionen registrierte User, die ihre Avatar genannten Stellvertreter in die virtuelle Welt schicken. Allerdings scheint bei den meisten Besuchern die Neugier bald zu versiegen: Nur jeder dritte hat sich in den letzten zwei Monaten auch wirklich eingeloggt.
Im «Zweiten Leben» können sich die Menschen Land kaufen und ein Haus bauen, durch die Strassen schlendern und mit anderen Avataren plaudern. Natürlich wird auch ordentlich Kohle umgesetzt: Die virtuelle Währung Linden Dollar lässt sich in reelle Scheinchen umtauschen – so hat eine findige Programmiererin bereits Millionen gescheffelt, indem sie Häuser oder kultige Schuhe designen, die sie an die Second-Life-Bewohner verkaufen.
Soziologie-Professor und Internet-Experte Hans Geser sieht im SL-Boom Parallelen zur Aufbruchsstimmung vor zehn Jahren, als das Internet zum Massenmedium wurde: «Es ist eine spannende Entwicklung. Jeder Teilnehmer trägt zum Aufbau der neuen Welt bei, schafft etwas Neues und Einzigartiges». Gerade dieser kreative Akt mache Second Life auch für Frauen attraktiv, die kriegerischen Online-Games wie World of Warcraft wenig abgewinnen könnten.
Noch sind die Avatare nicht sehr ausdrucksfähig, sie verfügen nicht über eine Mimik, kritisiert Geser. Dafür ist die virtuelle Welt ein Tummelfeld für Menschen mit Mitteilungsbedürfnis, wie beispielsweise die Kandidaten im französischen Präsidentenwahlkampf, die eigene Werbebüros unterhalten. Oder neuerdings auch für Freikirchen auf Seelenfang. Oder für Rockstars: Suzanne Vega hat im letzten August als erste Sängerin live in Second Life gespielt. Und auch von U2 gibts virtuelle Auftritte – wenn auch Bono und Co. nicht selber in die Saiten griffen (siehe Videos rechts). Auch die Nachrichtenagentur Reuters hat einen Korrespondenten in der Parallelwelt, Adam Reuters. Während dem WEF interviewte er online Klaus Schwab (Blick Online berichtete).