Swisscom erhöht Bandbreite massiv... ...nur Cablecom sieht keinen Handlungsbedarf!

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von <a href="mailto:be8@ringier.ch">Thomas Benkö</a>

Kaufen Sie eine grössere Festplatte! Swisscom beschleunigt ADSL so massiv, dass Ihr Compi im Nu mit Filmlis & Co. gefüllt ist.

Mehr als dreimal schneller wird die Internetleitung – und das bei voraussichtlich gleich bleibendem Preis (Details siehe Kasten bzw Tabelle).

Die Hauruck-Aktion des Ex-Monopolisten kam so überraschend, dass es der Konkurrenz auf dem TV-Kabelnetz scheints glatt die Sprache verschlagen hat. Bei Cablecom Pressesprecher Stephan Howeg war gestern nur die Combox am Arbeiten. Und eine Mitarbeiterin meinte auf die Frage, ob man nun ebenfalls das Tempo erhöhe bloss, dass man keinen Handlungsbedarf sehe.

HALLO?!! Keinen Handlungsbedarf? Noch nie gab es mehr Bedarf zum Handeln! Gerade Cablecom, die den letzten Geschwindigkeitsschub lancierte (von 300 auf 600 KBit/s) sollte sich die Rolle als stichelnder Konkurrent bewahren. (Ja Cablecom, ich weiss, dass ihr mit eurer 6000ender-Leitung eigentlich das absolut schnellste Angebot habt – aber leider zu einem hohen Preis).

Und vor allem hat das Kabelnetz noch extrem viel freie Kapazität…

…ganz im Gegensatz zu ADSL. Das Telefonnetz dürfte mit den künftigen Geschwindigkeiten nun ausgereizt sein. Erst mit der neuen Technik vDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) sind noch höhere Bandbreiten möglich. Swisscom beginnt mit der nötigen Hardware-mässigen Aufrüstung der Leitungen bereits dieses Jahr.

Und falls Sie jetzt auf dem Land wohnen, freuen Sie sich nicht zu früh aufs schnellere Surfen! Denn je weiter Sie kilometermässig von der Telefonzentrale entfernt sind, desto langsamer wird ADSL. Und je höher die Geschwindigkeit, desto mehr kommt dieser Punkt zum Tragen. Swisscom schreibt sogar selber: Die Datentransfer-Leistung ist von der Entfernung zur Swisscom Zentrale sowie von der Qualität der Installation im Hause abhängig. Dies kann dazu führen, dass einzelne Kunden nicht von der vollen Leistungserhöhung profitieren.

Und noch ein Wermutstropfen: Während zwar die Downloadrate massiv steigt, bleibt die Uploadrate praktisch gleich. Das ist umso nerviger, als immer mehr Leute grosse Dateien von ihrem Heim-PC aus verschicken. Dies wird nun auch in Zukunft nicht schneller gehen.

Aus langsam wird schnell

Die neuen ADSL-Geschwindigkeiten:
Aus 600/100 wird 2000/100 (Preis ca. Fr. 49)
Aus 1200/200 wird 3500/300 (Preis ca. Fr. 69)
Aus 2400/200 wird 5000/300 (Preis ca. Fr. 99)

Geschwindigkeiten in Kilobit pro Sekunde. Vordere Zahl = Downloadrate. Hintere Zahl = Uploadrate.

Bestehende ADSL-Kunden werden bis spätestens Juni automatisch umgeschaltet.

«Schlechter Stil»

Nicht alle sind über die Tempoerhöhung glücklich. Vor allem kleinere Provider fühlten sich überrumpelt. So schreibt der Chef von Init7 in seinem Blog, dass er als ADSL-Wiederverkäufer bloss vier Minuten vor der Presse informiert wurde. Das sei «schlechter Stil».

95 + 20 = 115

Fehler oder nicht? Viele Leser fragten sich, warum die 6000ender-Leitung in der Grafik mit Fr. 115 beschriftet ist, wenn doch Cablecom sagt, sie koste nur Fr. 95? Grund: Dieses Angebot gibt es ausschliesslich mit Digitalphone à Fr. 20. Also: Fr. 95 + Fr. 20 = Fr. 115
Gibt statt in Irland nun in der Heimat Gas: Swisscom-Boss Jens Alder (48).- RDB

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