Getestet Nokias erster Laptop debütiert spät

  • Aktualisiert am 02.01.2012
  • Von Lorenz Keller
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Offiziell warten Schweizer immer noch auf das Nokia Booklet 3G. Einige Händler springen nun in die Bresche. Doch der Test zeigt: Der Debütant sticht zu wenig aus der Masse.

Neulinge haben es immer speziell schwer. Und Nokia steigt mit dem Booklet 3G in eine für die Finnen ganz neue Gerätekategorie ein. Denn trotz des Namens das Booklet 3G kein Tablet oder eine Mischung zwischen Handy und Laptop, sondern ein relativ gewöhnliches Netbook der Oberklasse.

Das Design ist zwar sehr hochwertig, aber konventionell. Tastatur, Touchpad, Bildschirm, diverse Anschlüsse. Trotzdem hat das Gerät hier seine Stärken: Das gefräste Alu-Gehäuse ist edel und schick, den hochwertigen Klavierlackdeckel gibts in verschiedenen Farben. Ideal für die Arbeit auch Grösse und Gewicht des Gerätes. Die leichtgängige Tastatur, die trotzdem mit einem guten Druckpunkt überzeugt, wird Schnellschreiber begeistern.

Deutlich weniger gelungen ist das Touchpad. Da es für Links- und Rechtsklicks zwar separate Tasten hat, die Oberfläche aber auch auf Druck reagiert, muss man höllisch aufpassen, nicht dauernd falsch zu klicken. Denn das nervt gewaltig. Auch der Display überzeugt nicht wirklich. Zwar bietet er mit 1280 x 720 Pixel mehr Auflösung als die Konkurrenz, das Bild wirkt aber matschig und nicht besonders leuchtend.

Die Ausstattung entspricht einem «gepimpten» Netbook. Sprich, Nokia setzt auch auf die sparsamen, aber schwächeren Intel Atom Prozessor und auf den inzwischen üblichenn Netbook-Standard. Aber das Booklet 3G ist mit einigen luxuriösen Extras ausgestattet: Etwa einem GPS-Empfänger, der Kartenanwendungen auf dem Laptop ermöglicht. Oder überdurchschnittlich vielen Anschlüssen inklusive HDMI-Ausgang für Videos und Filme.

Die Spezialität aber ist der integrierte SIM-Karten-Slot samt UMTS-Modem. Mit einem entsprechenden Mobilfunk-Abo kann man so überall surfen. Als Supplement liefert Nokia einen Social Hub, der SMS, Facebook, Twitter und weitere Kommunikationswege in einem Programm zusammenfasst. Zudem lässt sich das Booklet mit Nokia-Handys besonders leicht synchronisieren. Aussergewöhnlich auch der 16-Zellen-Akku, der laut Nokia bis 12 Stunden arbeiten ermöglicht. Im Test waren es immer noch beeindruckende 8 bis 9 Stunden.

Trotz dieser Extras: Sobald viele Programme gleichzeitig offen ist oder Speicherfresser wie Videos laufen, kommt das Gerät an seine Grenzen. Das Booklet 3G ist eben doch kein vollwertiges Notebook.Trotzdem kostet es rund 1000 Franken. Ob es für diesen Preis genug Leistung bietet, kommt sehr auf den Käufer an. Nur wer lange Zeit ohne Steckdosenzugang arbeitet, ein schickes Design schätzt und bereit ist, für mobiles Internet zusätzlich zu bezahlen, wird die Vorzüge des Booklet 3G wirklicht nutzen können.

Merkwürdig auch die Strategie von Nokia. Man kann das Gerät in der Schweiz fast nirgends kaufen. Online-Händler Digitec hat es etwa im Sortiment. Doch je länger die Finnen so zögerlich vorgehen, desto mehr Konkurrenzprodukte mit besserer Hardware und tieferen Preisen kommen auf den Markt.

Fazit: Das Nokia Booklet 3G ist ein hochwertiges Gerät, das ganz eigene Wege geht. Viele Benutzer hätten sich ab er eine andere Investitionsverteilung bei der Hardware gewünscht: Lieber mehr Arbeitsspeicher oder einen schnelleren Prozessor statt GPS und HDMI-Anschluss (den man wegen der schwachen Grafikleistung eh nicht richtig nutzen kann). So dürfte für viele Käufer das Verhältnis von Preis und Leistung nicht wirklich stimmen.

Nokia Booklet 3G, 10.1-Zoll-Display, Intel Atom 1.6 GHz Prozessor, 1 GB Arbeitsspeicher, 120 GB Festplatte, WLAN, Bluetooth, UMTS-Modem, 3xUSB, HDMI-out, SD-Kartenleser, SIM-Kartensteckplatz, GPS, Beschleunigungssensor, Windows 7 Home, 1.25 kg, für 999 Franken bei Digitec (www.digitec.ch) erhältlich

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