Mythos «Myspace- Generation»

  • Aktualisiert am 14.01.2012
  • von <a href="mailto:num@ringier.ch">Roman Neumann</a>

ZÜRICH – Die jungen Menschen von heute: Es ist die Myspace-Generation, die Youtube-Generation, alle sind mit allen vernetzt. Stimmt das überhaupt?Möchte man den allgemeinen Klischees Glauben schenken, ist der typische Jugendliche von heute täglich im Internet, schreibt fleissig Blogs, lädt sich Klingeltöne für sein Handy runter und ist jederzeit vernetzt mit seinen Freunden.Stimmt das? Gibt es die Myspace-Generation wirklich? Eine Umfrage des Marktforschungsinstituts Planet Edge ergab: Nein. Jedenfalls nicht im allgemein angenommenen Ausmass. So wurden beispielsweise die Zahlen für England genauer unter die Lupe genommen. Das förderte Erstaunliches zu Tage: Zwei Drittel der 18- bis 24-Jährigen im Königreich haben noch nie Myspace gebraucht. In Europa sinds laut Planet Edge drei Viertel, die sich noch nie mit der Social-Network-Seite befasst haben. Auch das überschätzte Bloggen – ein wichtiger Bestandteil des sogenannten «Web 2.0» – erhält von der Umfrage einen Dämpfer: Nur gerade ein Zehntel der 18-24-Jährigen hat schon mal gebloggt. Da können auch die Zahlen der grossen Bloganbieter nicht darüber hinwegtäuschen – viele Blogs sind still und heimlich beerdigt worden, oder dienen als blosse Testaccounts. Planet Edge teilt die jungen Erwachsenen in drei Kategorien ein: Die «Cybernauten» (27%), die technisch fortgeschrittensten Benutzer, jede mögliche Plattform wird benutzt. Der Durchschnitt (53%), Technik wird nur als Hilfsmittel gebraucht, beispielsweise zum Mailen, Online-Banking, aber nicht um die sozialen Netzwerke zu pflegen. Die «digitalen Andersdenker» (20%), die die Nutzung der neusten Technik wenn möglich vermeiden.Hat ein Jugendlicher ein Handy, lädt er sich nicht automatisch Klingeltöne runter – die Umfrage ergab, dass 94 Prozent der Jugendlichen in England noch nie einen Klingelton runtergeladen haben. Gleich verhält es sich mit dem iPod. Natürlich werden Tauschbörsen und iTunes rege genutzt, aber: 30 Prozent gaben an, das gute alte Radio zu benutzen, um neue Musik zu entdecken.Die Ergebnisse dieser Umfrage verwundern – vor allem, wenn bedacht wird, dass sie im Internet durchgeführt wurde, was ein Mindest-Technikinteresse schon voraussetzt. Fragt sich nur: Was kommt nach der «Myspace-Generation»?

Kommentar

Grosse Seifenblase
Von Roman Neumann,
Volontär


Es scheint, als ob die «Myspace-Generation» ein wenig überbewertet wird. Natürlich wäre es vermessen, vor dem Erfolg von Myspace.com (immerhin war es Medienmogul Rupert Murdoch 580 Millionen US-Dollar wert) die Augen zu verschliessen, aber der ganze Hype um das Social Networking befremdet doch ein wenig. Wieviele Profile sind täglich in Gebrauch? Wieviele echte neue Freundschaften entstehen auf Myspace wirklich? Ich vermute: Es werden längst nicht so viele sein, wie angenommen. Hypes im Internet sind relativ schnelllebig.

Was im Vergleich zu Myspace allerdings nicht zu unterschätzen ist, sind die Foren zu den unterschiedlichsten Interessen. In Auto-Foren wird gefachsimpelt, im DVD-Forum über die besten Filme debattiert und in Computer- und Game-Plattformen umfangreich über jedes Bit und Byte diskutiert. So gibt es die grossen Internetforen erstens schon länger als Myspace, zweitens herrscht zum Teil ein richtiges Community-Leben, was bis zu Forentreffen im realen Leben «ausufert».

Aber auch dies sind wieder nur einige Zielgruppen, die die Internet-Community betreiben. Um eine ganze Generation mit einem Wort bezeichnen zu können, brauchts ein bisschen mehr als eine paar Internet-Seiten. Zum Beispiel ein paar Wörter. Wie wärs mit: «Wir – passen – nicht – in – Schubladen – Generation?
Freunde nur noch online treffen – unsere sozialen Beziehungen im realen Leben ersetzt es nicht.- Photocase

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