Mark und Priscilla Zuckerberg im grossen Interview «Max hat noch kein Facebook-Profil»

Der Social-Media-König und seine Frau über ihr Baby, Liebe, Geld und die digitale Zukunft.

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BLICK: Warum haben Sie Ihre Tochter Max genannt? In Deutschland ist das ein Jungenname.

Mark Zuckerberg: Es gibt einige Gründe. Zum einen ist es ein häufiger Name in unserer Familie. Zwei meiner Urgrosseltern hiessen Max. Sie waren Männer, stimmt. Wir mögen den Namen auch, weil er eine schöne Bedeutung auf Hebräisch hat: Maxima. Das bedeutet Wunderwirker. Und wir empfanden es so, als sei sie ein Wunder, denn zuvor hatten wir einige Fehlgeburten. Und das waren sehr traurige, harte Erfahrungen. Zudem ist lateinisch Maxima die Grossartigste. Für uns war es das grossartigste Geschenk, eine Tochter zu bekommen. Einen Namen in Mandarin gibt es auch, Mingyu. Ähnlich wie Wunder bedeutet es die Zukunft, die künftige Welt.

Priscilla, ab welchem Alter darf Max Facebook nutzen?

Priscilla Zuckerberg: Mit Facebook kann sie auf verschiedene Arten interagieren, und es hilft uns schon jetzt beim Teilen von Bildern. Sie hat ihr Scrapbook (so etwas wie ein digitales Fotoalbum – Red.) für Kleinkinder, wo wir ihre Bilder verschlagworten können. Sie hat also schon eine starke Präsenz auf Facebook.
Mark: Aber nur für die Familie und enge Freunde. In den Facebook-Regeln steht als Altersgrenze 13. Also gilt das auch für Max. Es wäre nicht gut, wenn ich die Firma führe und selbst die Regeln breche (lacht).

Wie hat Max Ihr Leben verändert?

Mark: Nach den Fehlgeburten und den Jahren, in denen wir vergeblich versuchten, ein Kind zu bekommen, war die Zeit vor und nach Max’ Geburt der Moment, darüber nachzudenken, in welcher Welt wir sie aufwachsen und leben sehen wollen. Wir haben als Gesellschaft eine Verantwortung, wir sollten dafür sorgen, dass unsere Kinder in einer besseren Welt aufwachsen. Ich bin unsicher, ob tatsächlich genug investiert wird in die wirklich grossen Herausforderungen für die nächste Generation. Eine neue Definition für Bildung, oder wie wir sicherstellen können, dass wir die vielen unterschiedlichen Krankheiten, die es gibt, heilen und versorgen können.

Das war wirklich das Motiv für die grosse Spende ...

Mark: Ja.

War das ein Gedanke, den Sie erst entwickelten, als Sie wussten, Max ist bald da?

Mark: Natürlich haben wir seit Jahren gespendet. Aber es ist eine Sache, zu sagen, wir müssten helfen, um das Schulwesen zu verbessern. Oder ob man will, dass die eigenen Kinder in einem besseren Schulwesen aufwachsen. Es hatte Einfluss auf die Geschwindigkeit und Entschiedenheit unserer Spende. Wir sind mit allen Ressourcen gesegnet – wir haben die Verantwortung, mehr zu tun, und wir sollten das schnell tun.

Was mich sehr beeindruckt hat, ist, dass Sie, Mark, beschlossen haben, zwei Monate in Elternzeit zu gehen, um sich um Max zu kümmern. Priscilla, war er wirklich zu Hause?

Priscilla: Er war die ganze Zeit zu Hause. Er kümmerte sich wirklich toll um Max. Er wickelte sie, weil das etwas ist, das er kann. Wir warteten bis zur vierten Woche, bevor sie das Fläschchen bekam, davor habe ich gestillt. In der Zeit fragte er jeden Tag: ‹Ist es heute so weit?› Und ich: ‹Nein, du hast keine Vorstellung, was vier Wochen sind, oder? Nicht heute.› Er liebt es, das zu machen.

Was kann Mark am besten?

Priscilla: Aus meiner Perspektive oder aus Max’ Perspektive?

Aus beiden Perspektiven.

Priscilla: Als Partner ist er grossartig. Er versteht es sehr gut, mich zu beruhigen, wenn ich mich aufrege oder nervös werde. Was Max betrifft: Sie mag Musikstunden. Er verbringt viel Zeit mit ihr mit Singen und Spielen.

Wie sieht Mark Zuckerbergs typischer Arbeitstag aus?

Mark: Ob es den typischen Tag gibt, weiss ich nicht. Üblicherweise wache ich auf und mache Sport. Ich glaube, das ist sehr wichtig, um ausgeglichen zu bleiben. Früher ging ich meist zu Fuss zum Büro – aber das neue Gebäude ist zu weit weg. Jetzt muss ich das Auto nehmen. Im Büro ist jeder Tag unterschiedlich. Meistens treffe ich mich mit verschiedenen Teams des Unternehmens oder mit Gästen.

Wann kommen Sie gewöhnlich nach Hause?

Mark: Gegen sechs, sieben Uhr.

Und was machen Sie am Wochenende?

Priscilla: Zwischen Arbeit und Freizeit ist die Trennung nicht so eindeutig.

Also arbeiten Sie von zu Hause?

Mark: Ja, ich arbeite viel zu Hause, auch, indem ich nur nachdenke, was getan werden müsste, indem ich lese und Daten auswerte, indem ich analysiere, überlege. Ich verbringe damit wahrscheinlich mehr Zeit als die meisten Menschen in meiner Rolle es täten. Ich gehe ins Büro, wenn Meetings stattfinden müssen, danach komme ich zurück nach Hause und verbringe weiter Zeit mit Nachdenken.

Warum tragen Sie seit Jahren fast wie eine Uniform ein graues T-Shirt?

Mark: Das ist ein kleines Geheimnis. Wir haben auch all die anderen Farben. Na ja, viele von ihnen. Rot, Grün, Gelb. Aber die trage ich nur am Wochenende.
Priscilla: (lacht) Das sind Wochenend-T-Shirts.

Grau ist also Arbeitsmodus, und bunt ist Spassmodus?

Mark: Der Grund, warum ich nur ein Outfit wollte, ist, dass ich so nicht überlegen muss, was ich am nächsten Morgen anziehe. Es gibt genug Entscheidungen, die ich treffen muss. Es gibt viele Forschungen, die zeigen, dass es ermüdet, Entscheidungen zu treffen. Also kann die Vereinfachung und Reduzierung der Entscheidungen, die zu treffen sind, dazu führen, dass für die wirklich wichtigen mehr Energie da ist. Ich esse auch zum Frühstück jeden Morgen das Gleiche, einfach einen Shake.

Jung, berühmt, reich, erfolgreich – wie gewährleisten Sie, dass Sie mit beiden Füssen auf der Erde bleiben?

Mark: Meistens, indem mich Priscilla anschreit ...

 
Priscilla: (lacht) Ich trage das Meine bei.

Haben Sie ein Rezept, damit er nicht abhebt? Was tun Sie?

Priscilla: Ich behandle ihn einfach wie Mark. Neulich, beim Mobile World Congress, war ich überrascht, dass so viele Menschen ein Foto von ihm wollten ... (Gelächter)


Mark: Sie versteht nicht, dass mich jemand interessant finden könnte.


Priscilla: Wir stecken wirklich beide tief in unserer Arbeit drin. Es gibt so viel zu tun! Das hilft, auf dem Boden zu bleiben.

Fühlen Sie sich wie ein 31-Jähriger oder manchmal älter mit all der Erfahrung, Ihrem Erfolg?

Mark: (denkt lange nach) Ich glaube, ich habe einfach das Alter von dem, was ich tue, getrennt. Ich glaube nicht, dass 31 Jahre alt zu sein irgendwas bedeutet für diese Karriere.

Welchen Einfluss hatten Ihre Eltern auf Sie?

Mark: Sie lehrten mich Disziplin und Konzentration. Und brachten mir bei, hohe Erwartungen zu haben. Immer, wenn ich nicht so gut war, wie ich hätte sein können, haben sie dafür gesorgt, dass ich zumindest das Beste gebe. Sie unterstützten mich auch sehr und halfen mir, mehr über das Programmieren zu lernen. Mein ­Vater hatte in seiner Zahnarztpraxis einen Computer. Als Zahnarzt verwendete er den Computer in der Praxis. Ich spielte auf ihm. Und entwickelte Spiele. Ja, meine Eltern waren wirklich eine grosse Unterstützung ...

Es heisst, Unternehmer müssen immer optimistisch sein und dürfen nie zweifeln. Habe Sie manchmal Zweifel?

Mark: Aber ja. Ich meine, man muss realistisch bleiben.

Eine Portion Selbstkritik braucht man, sonst hat man verloren?

Mark: Ja. Ich glaube, immer optimistisch zu sein, ist nicht gut. Denn manchmal laufen die Dinge nicht, und man motiviert auch niemanden, wenn man Herausforderungen unrealistisch einschätzt. Wenn man ein langfristiges Ziel verfolgt, sollte man vorsichtig sein bei den Schritten, die man dahin unternimmt. Viele sehr erfolgreiche Leute, die ich kenne, sind Langfrist-Optimisten, aber Kurzfrist-Skeptiker.

Ich bin Zweckpessimist, weil mir das hilft, Fehler zu vermeiden.

Mark: Genau!

Jetzt eine ganz schwere Frage: Sind Sie glücklich?

Mark: Hm.
Priscilla: Weiss ich nicht! Das ist eine interessante Frage.

Ja, Sie können sie als Smalltalk-Frage auffassen und antworten: Natürlich. Aber in einem tieferen Sinne?

Mark: Ich bin ein recht zufriedener Mensch. Aber ich lebe mein Leben nicht, um zu versuchen, glücklich zu sein. Ich lebe mein Leben, um zu versuchen, den guten Einfluss auf die Welt zu haben, den ich mir wünsche.

Ist Ihr Leben frei?

Priscilla: Du trägst für vieles Verantwortung.
Mark: Ja, aber wenn ich wählen könnte, würde ich nichts anders machen.

Obwohl Verantwortung auch eine Last sein kann, eine Einschränkung persönlicher Freiheit?

Mark: Ja, aber nur das erlaubt einem, anderen zu helfen.

Viele Menschen, die Sie beide ­sehen, sagen sich: Die Zuckerbergs haben, was man sich wünschen und haben kann. Erfolg, Einfluss, Geld, Liebe, eine gesunde Tochter – Sie haben alles. Wenn Sie einen Wunsch frei hätten, etwas, das Sie nicht haben, was wäre das?

Priscilla: Es gibt viel zu erledigen. Manche vermitteln mir das Gefühl, wir hätten früh im Leben erreicht, was wir erreichen wollten. Ich glaube aber, dass wir noch so viel Arbeit vor uns haben. Deshalb ist mein Wunsch, dass wir am Ende unseres Lebens zurückschauen können und sagen, wir haben wirklich das geschafft, was wir erreichen wollten.

Und das, was Sie erreichen wollen, können Sie das auf einen Begriff bringen?

Priscilla: Fortschritt.

Mark, Ihr Wunsch?

Mark: (grübelt) Das ist wirklich schwer.


Priscilla: Eine sehr schwere Frage.

Versuchen Sie es ganz spontan.

Mark: Das, woran ich mehr als alles andere glaube, ist, dass Menschen miteinander zu verbinden gut ist und es das Beste in Menschen und Gesellschaft hervorbringen kann. Das ist es, was ich immer wollte.

Und was ist das für Sie ganz persönlich?

Mark: Das Wichtigste in meinem Leben ist, dass ich eine liebe­volle Familie und Freunde habe. Mein Hauptwunsch ist, dass alle gesund bleiben. Ich vertraue darauf, dass der Rest sich schon findet, wenn es diesen wichtigen Menschen in unserem Leben gut geht.

Weil sich für Geld alles kaufen lässt, ausser Liebe und Gesundheit?

Mark: Stimmt.

Publiziert am 01.03.2016 | Aktualisiert am 28.03.2016
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PALO ALTO, KALIFORNIEN - Er mag viel beschäftigt sein, für sein Töchterli Max nimmt sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg aber Zeit. Lange dauert das Windelnwechseln aber nicht: «Ich bin sehr ehrgeizig. Ich stoppe die Zeit, um zu sehen, ob ich mit der Zeit immer besser werde. Ich bin jetzt bei 20 Sekunden – ich glaube, das ist ganz gut», sagt er. play

PALO ALTO, KALIFORNIEN - Er mag viel beschäftigt sein, für sein Töchterli Max nimmt sich Facebook-Gründer Mark Zuckerberg aber Zeit. Lange dauert das Windelnwechseln aber nicht: «Ich bin sehr ehrgeizig. Ich stoppe die Zeit, um zu sehen, ob ich mit der Zeit immer besser werde. Ich bin jetzt bei 20 Sekunden – ich glaube, das ist ganz gut», sagt er.

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