Ärger für Google Klage gegen die WLAN-Schnüffelei

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Lorenz Honegger
Das Google-Mobil machte nicht nur Fotos, sondern sammelte auch private Daten.- Keystone

BERN – Google saugte Daten aus privaten WLAN-Netzen ab. Jetzt bringt der Eidgenössische Datenschützer Hanspeter Thür das «Versehen» vor Gericht.

Auf diesen Moment hat der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte, Hanspeter Thür (50), gewartet. Kleinlaut gab der Suchmaschinenbetreiber Google vergangene Woche bekannt: Das Google-Mobil (siehe Bild) habe während seiner Kamerafahrten für den Online-Dienst Streetview auch «Datenfragmente» aus ungesicherten, drahtlosen Netzwerken gespeichert. Allerdings handle es sich «nur um E-Mails und Internetadressen», sagt Google-Sprecher Kay Oberbeck.

Thür lässt das nicht gelten. Der Vorfall zeige einmal mehr «die Brisanz der Streetview-Fahrten». «Wir werden diesen Vorfall im Streetview-Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht einbringen», sagt er zu SonntagsBlick.

«Ein Fehler, keine Absicht»

Der Datenschützer hatte Google bereits im November 2009 wegen seines Internetdienstes Streetview eingeklagt. Google sollte Gesichter und Autokennzeichen auf den Streetview-Aufnahmen unkenntlich machen. Der Internetgigant erfüllte diese Auflage nicht.

Google-Sprecher Oberbeck kontert Thürs Angriff vehement: «Die Erfassung der Datenfragmente hatte rein gar nichts mit Streetview zu tun.» Man habe die Standorte von WLAN-Netzwerken erfassen wollen, um die Google-Kartendienste zu verbessern – «dass Daten aus ungesicherten drahtlosen Netzwerken gespeichert wurden, war ein grosser Fehler und keine Absicht».

Google will die Daten löschen

Inzwischen hat Google mehreren europäischen Ländern angeboten, die «versehentlich» gespeicherten Daten zu löschen. Für Hanspeter Thür kommt das nicht in Frage: «Es handelt sich um Beweismaterial. Bevor nicht sämtliche Daten analysiert sind, darf gar nichts gelöscht werden.»

Thür arbeitet nun mit europäischen Datenschützern zusammen. Er warnt: «Wenn eine Absicht dahinterstand, könnte diese Angelegenheit auch strafrechtliche Konsequenzen haben.»

Google hat in der WLAN-Affäre externe Prüfer eingeschaltet. Die rund 600 Gigabyte versehentlich gesammelter Daten seien an einem «sicheren Ort aufbewahrt», so Oberbeck. 

So surfen Sie drahtlos sicher

Ungeschützte drahtlose Netzwerke (WLAN) sind beliebt bei Kriminellen. ETH-Informatikerin Christina Pöpper erklärt die Risiken und wie man sich schützt:
  1. Wer sein WLAN nicht absichert, riskiert, dass Eindringlinge unverschlüsselte E-Mails und Fotos anschauen können. Wenn Fremde von aussen über Ihr WLAN Straftaten begehen, können Sie als Betreiber des WLAN rechtlich belangt werden.
  2. Richten Sie ein starkes Passwort ein (Gross- und Kleinbuchstaben, Zahlen und evtl. Sonderzeichen) für den WLAN-Zugang. Zudem sollten Sie die Verschlüsselung mit WPA aktivieren und die WLAN-Software regelmässig updaten.
  3. Wenn Sie das WLAN nur innerhalb einer Wohnung verwenden, sollten Sie die Reichweite einschränken – man muss ja nicht das ganze Quartier abdecken. Brauchen Sie das WLAN für längere Zeit nicht, ist es sinnvoll, das WLAN ganz abzustellen. 
Datenschützer Hanspeter Thür will Google das Handwerk legen.- Keystone

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Digital

Ist Google mit der Datenschnüffelei zu weit gegangen?»

  • 75% Ja.
  • 22% Nein, denn der Nutzen von Google ist grösser als der angebliche Schaden.
  • 2% Mir ist das egal: Ich habe weder WLAN, noch brauche ich Google.