
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
Auf diesen Moment hat der Eidgenössische Datenschutzbeauftragte, Hanspeter Thür (50), gewartet. Kleinlaut gab der Suchmaschinenbetreiber Google vergangene Woche bekannt: Das Google-Mobil (siehe Bild) habe während seiner Kamerafahrten für den Online-Dienst Streetview auch «Datenfragmente» aus ungesicherten, drahtlosen Netzwerken gespeichert. Allerdings handle es sich «nur um E-Mails und Internetadressen», sagt Google-Sprecher Kay Oberbeck.
Thür lässt das nicht gelten. Der Vorfall zeige einmal mehr «die Brisanz der Streetview-Fahrten». «Wir werden diesen Vorfall im Streetview-Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht einbringen», sagt er zu SonntagsBlick.
«Ein Fehler, keine Absicht»
Der Datenschützer hatte Google bereits im November 2009 wegen seines Internetdienstes Streetview eingeklagt. Google sollte Gesichter und Autokennzeichen auf den Streetview-Aufnahmen unkenntlich machen. Der Internetgigant erfüllte diese Auflage nicht.
Google-Sprecher Oberbeck kontert Thürs Angriff vehement: «Die Erfassung der Datenfragmente hatte rein gar nichts mit Streetview zu tun.» Man habe die Standorte von WLAN-Netzwerken erfassen wollen, um die Google-Kartendienste zu verbessern – «dass Daten aus ungesicherten drahtlosen Netzwerken gespeichert wurden, war ein grosser Fehler und keine Absicht».
Google will die Daten löschen
Inzwischen hat Google mehreren europäischen Ländern angeboten, die «versehentlich» gespeicherten Daten zu löschen. Für Hanspeter Thür kommt das nicht in Frage: «Es handelt sich um Beweismaterial. Bevor nicht sämtliche Daten analysiert sind, darf gar nichts gelöscht werden.»
Thür arbeitet nun mit europäischen Datenschützern zusammen. Er warnt: «Wenn eine Absicht dahinterstand, könnte diese Angelegenheit auch strafrechtliche Konsequenzen haben.»
Google hat in der WLAN-Affäre externe Prüfer eingeschaltet. Die rund 600 Gigabyte versehentlich gesammelter Daten seien an einem «sicheren Ort aufbewahrt», so Oberbeck.
Datenschützer Hanspeter Thür will Google das Handwerk legen.- Keystone