Getestet: Archos 9 Ein Tablet sollte mehr sein als ein Laptop ohne Tastatur

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Lorenz Keller
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Mit dem Archos 9 erreicht erstmals ein Tablet-PC der neusten Generation die Schweiz. Leider hat der Hersteller viel zu viel falsch gemacht.

Noch bevor am Mittwoch Apple wohl einen Tablet-PC vorstellt (Blick.ch wird live berichten), kommt die Windows-Konkurrenz in der Schweiz auf den Markt. Der Archos 9 ist das erste tastaturlose Gerät, das auf Windows 7 setzt. Eigentlich eine gute Idee, da das Betriebssystem auf den Touchscreen-Betrieb eingestellt wurde.

Doch im Alltag hat der Tablet-PC noch ziemlich viele Schwächen, wie unser Test zeigt. Richtig brauchbar ist das Gerät eigentlich nur, wenn man es als Mini-PC einsetzt. Also Tastatur und Maus anhängt oder nur minimal die Programme bedienen muss, etwa um Videos anzuschauen, Musik über die Stereoanlage abzuspielen oder über Video zu telefonieren. Dann überzeugt der klare 8,9-Zoll-Bildschirm und die erstaunlich guten, integrierten Boxen. Und die typische Netbook-Ausrüstung mit Atom-Prozessor und 1 GB Arbeitsspeicher harmoniert bestens mit Windows 7 Starter Edition.

Doch dafür ist ein Tablet-PC nicht wirklich gedacht, sondern für den Einsatz unterwegs. Und da gibts beim Archos 9 diverse Probleme. Während man die scharfen Kanten noch verschmerzen könnte, sind die 820 Gramm Gewicht einfach zu viel. Ein richtiger Brocken, den man eigentlich zweihändig bedienen muss. Aber auch das ist eher Wunschdenken. Denn die Bedienung über den Touchscreen und/oder dem integrierten, optischen Navigationsbutton ist äusserst mühsam.

Die einblendbare Vollstastatur nimmt nicht nur den halben Display in Beschlag, sie ist auch so breit, dass man das Gerät nicht mit beiden Händen halten und mit den Daumen tippen kann. Und einen auch nur kurzen Text im Einfingersystem schreiben? Nein danke! Schon die Eingabe einer Webadresse ist eine mühsame Prozedur, die auch die Benutzung des Eingabestifts nicht wirklich vereinfacht.

Dazu kommt, dass viele Programme einfach nicht wirklich auf Finger-Betrieb eingerichtet sind. Was fehlt, ist ein gutes Userface, das wichtige Funktionen abdeckt. Jedes Handy mit berührungsempfindlichen Display ist da besser ausgerüstet.

Archos 9, Windows 7 Starter Edition, 8,9-Zoll-Touchscreen mit LED-Hintergrundbeleuchtung, diverse Software, Intel Atom Prozessor, 1 GB Arbeitsspeicher, 60 GB Festplatte, WLAN, USB, Webcam, 820 g, für 799 Franken bei Digitec (www.digitec.ch)

Fazit

Der Archos 9 wirkt wie ein Laptop ohne Tastatur. Und das macht für die meisten Anwender keinen Sinn. Für den Preis bekommt man fast zwei Netbooks oder ein grosses Modell mit deutlich mehr Rechenpower. Für den mobilen Einsatz fehlt eine Software, die wichtige Funktionen für die Fingerbedienung optimiert.

Kommt das Apple-Tablet?

Am Mittwoch um 19 Uhr Schweizer Zeit hat Apple zu einer Pressekonferenz geladen (Blick.ch berichtet live). Die Fachpresse erwartet, dass der Hersteller dann ein Tablet präsentiert – und dieser neuen Gerätegattung endlich zum Durchbruch verschaffen kann. Gerüchteweise soll das Gerät einen 10- bis 11-Zoll-Display haben, wahrscheinlich in HD-Qualität (um die passenden Videos und Filme aus iTunes perfekt darstellen zu können). Es dürfte ganz auf den mobilen Betrieb ausgelegt sein, also etwa ein Modul für mobiles Internet haben. Wenn es Apple tatsächlich gelingt, das Gerät geschickt zwischen Notebook, E-Book-Reader und iPhone zu platzieren, könnten die Tablets der nächste grosse Hype werden.

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