Getestet Dieses E-Book will berührt werden

  • Publiziert: 06.10.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Lorenz Keller

Langsam aber sicher erreichen digitale Bücher die Schweiz. Mit dem Sony Reader Touch Edition gibt es erstmals einen brauchbaren E-Book-Reader.

Mit dem Vorgänger lancierte Sony vor ein paar Monaten E-Books so richtig in der Schweiz. Ein durchschlagender Erfolg – wie etwa in den USA – ist das digitale Lesevergnügen hierzulande trotzdem noch nicht. Aus zwei Gründen: weil das Angebot an digitalen Bücher zu klein, zu teuer und zu wenig kundenfreundlich ist. Und weil die Geräte dafür zu unpraktisch waren.

Das zweite Problem löst Sony mit dem neuen Reader Touch Edition, der die Kinderkrankheiten des Vorgängers zum grössten Teil vergessen macht. Dank Touch-Screen kann man seine Bibliothek nun viel einfacher verwalten. Sogar das Seitenblättern mit einem Wisch nach links oder rechts ist einfacher und intuitiver. Wer will, kann den Reader weiterhin über Knöpfe steuern. So kann man sich ganz aufs Lesen konzentrieren und muss sich nicht übers Gerät ärgern.

Auch sonst hat der Sony Reader alles, was E-Books gegenüber traditionellen Büchern so stark macht: Platz für 330 Bücher auf einem taschenbuchgrossen, weniger als 300 g schweren Gerät (mit erweitertem Speicher sogar über 10000 Bücher). Verstellbare Schriftgrössen und ein E-Ink-Display, das nur beim Umblättern Strom braucht und die Augen nicht ermüdet. So reicht der Akku für über 7000 Seitenumschläge. Und auch an der Sonne liest sich die digitale Version gleich gut wie Druckerschwärze.

Einziges Manko: Wegen des speziellen Bildschirms reagiert der Touch-Screen sehr langsam. Das stört, wenn man etwa Notizen tippen will. Aber ganz ehrlich: Die ganzen Zusatzfunktionen wie Texte schreiben, Musik hören oder Bilder anzeigen sind sowieso ziemlich schwach. Ein Reader ist prädestiniert für Bücher, für alles andere gibt es Alternativen wie das iPhone, Smartphones oder Netbooks.

Der Achillesvers der E-Books bleibt weiterhin das Angebot an Lesestoff. Zwar sind inzwischen fast alle Bestseller online kaufbar, aber zu welchem Preis! Der Thriller «Verdammnis» von Stieg Larsson etwa kostet als Taschenbuch bei Thalia.ch 18.90, als E-Book 15.10 Franken. Nur 3.80 Fr. Rabatt dafür, dass der Kunde auf Druck und Vertrieb verzichtet, sich das Buch selber herunterlädt und installiert und es dann nicht einmal problemlos an Familie und Freunden ausleihen kann. Im Kindle-Store von Amazon in den USA kostet die gedruckte Version des gleichen Bestsellers 15.17 Dollar, die elektronische 9.99 Dollar. Generell ist in Übersee die elektronische Version ein Drittel bis die Hälfte günstiger. Und hat unter anderem darum einen Boom ausgelöst.

Zweiter Nachteil des Schweizer Systems: Man hat zwar eine grosse Anzahl von Online-Buchhandlungen zur Auswahl, muss aber die Romane selber auf den Reader transferieren. Und das ist leider etwas mühsam. Im schlechtesten Fall braucht es dazu zwei Programme: eines, um die E-Books herunterzuladen, das zweite, um sie auf den Sony-Reader zu transferieren. Dazu muss man immer darauf achten, dass die digitalen Werke im richtigen Format angeboten werden. Da ist Amazons Kindle viel bedienungsfreundlicher: Die Bücher werden übers Mobilfunknetz nach dem Online-Kauf direkt aufs Gerät geladen – ohne Zusatzkosten!

Fazit: Der Sony Reader Touch momentan ist in der Schweiz das einzige akzeptable E-Book-Anzeigegerät. Trotzdem werden wohl nur Vielleser und Technik-Freaks zugreifen.

Sony Reader Touch Edition PRS-600, 6-Zoll-Touchscreen, für EPUB-, PDF-, Word-, TXT-, RTF-Dokumente, Sounddateien abspielbar (Mp3, AAC), Bilder anzeigbar (JPG, GIF, PNG, BMP), 512 MB Speicher (330 Bücher) erweiterbar mit Speicherkarten auf 16 GB (13000 Bücher), 286 g, für 449 Franken im Handel.

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