App-Säuberung Diese Frauen sind Apple zu anstössig

DÜSSELDORF (D) – Für das iPhone-App «Not Quite Naked People» posieren Cora (19) und Laura (22) in Kleidern – und in Unterwäsche. Zu obszön, findet Apple, und verweigert dem Entwickler die Genehmigung. Der versteht die Welt nicht mehr.

  • Publiziert: 25.02.2010, Aktualisiert: 14.01.2012

Nachdem Sebastian Kempa (32) letztes Jahr mit seiner Homepage www.naked-people.de einen Hit landete, wollte er nun mit der – wohlgemerkt bekleideten – Version «Not Quite Naked People» das iPhone erobern.

Doch gestern flatterte dem deutschen Diplom-Designer und Fotografen das No-Go von Apple ins Haus. «Wir haben Ihre Applikation geprüft und entschieden, dass wir diese Version wegen anstössigem Inhalt nicht in den App-Store aufnehmen können», heisst es im Schreiben. Begründet wird die Ablehnung mit Paragraph 3.3.14 der Lizenzvereinbarung für iPhone-Entwickler. Darin behält sich Apple vor, Apps abzulehnen, die für «obszön, pornografisch oder diffamierend» gehalten werden könnten.

Kempa versteht die Welt nicht mehr. Denn immerhin tragen die in seiner «Mit und ohne»-App gezeigten Personen Kleider respektive Unterwäsche. Und das nicht einfach zur Belustigung der Zuschauer, sondern um zu zeigen, wie Menschen so aussehen, wenn sie nicht künstlich verschönert werden.

Er empfindet deshalb die Absage von Apple als reine Willkür: «Es kann nicht sein, dass Playboy und Sports Illustrated weiterhin im Apple-Store angeboten werden, und alle anderen, die ‹zu viel nackte Haut› zeigen, verbannt werden. Auch so ein Konzern wie Apple muss alle gleich behandeln!»

Doch Apple hat eine Begründung für die unterschiedliche Behandlung. Von der New York Times auf das Sports-Illustrated-Argument angesprochen, meint Philip W. Schiller, Leiter des weltweiten Apple-Produktmarketings: «Der Unterschied ist, dass es sich um eine bekannte Firma handelt, die Material anbietet, das bereits im Vorfeld in einem gut akzeptierten Format verfügbar war.» Für den Playboy gelten wohl die gleichen Kriterien.

Die aktuelle Säuberungs-Welle, bei der rund 5000 Apps aus dem Store entfernt wurden, erklärt Schiller ausserdem damit, dass sich Kundinnen über degradierenden und anstössigen Inhalt beschwert haben. Auch Eltern sollen sich darüber beklagt haben, was ihre Kinder auf dem iPhone alles sehen können.

Gene Munster, ein Apple-unabhängiger Analyst, kann das Vorgehen des Riesen verstehen: «Das iPad wird eine grosse Plattform für Apps sein. Dadurch wird die Latte dafür, was in den App Store kommt, höher gelegt.» (gsc)

play Sebastian Kempa ist sauer: «Ich möchte diese Entscheidung keinesfalls auf mir sitzen lassen und werde alles versuchen, um dagegen vorzugehen.»

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