Die Antwort von Tag Heuer Ist das der Schweizer Apple-Watch-Killer?

Tag-Heuer-Chef Jean-Claude Biver stellt die erste echte Schweizer Smartwatch vor. Sie soll die Apple Watch in Bedrängnis bringen. Der Preis ist dabei nicht der einzige Stolperstein.

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Es ist ein wichtiger Tag für die Schweizer Uhrenindustrie. Lange hatte sie keine Antwort auf den Smartwatch-Trend. Nun bietet mit Tag Heuer eine der grossen Marken eine eigene intelligente Uhr an.

«Nach 41 Jahren in diesem Geschäft bin ich sehr stolz darauf, eine erste Smartwatch anzukündigen, die mehr als 150 Jahre Geschichte in die Zukunft bringt», sagte Tag-Heuer-Chef Jean-Claude Biver (66) bei der Vorstellung.

«Zwei Aufgaben habe ich dem Entwicklungsteam gestellt», sagt Biver. Die neue Uhr müsse auf den ersten Blick aussehen wie eine normale Carrera 01 - und sie dürfe nur rund 30 Gramm wiegen.

Beide Ziele haben die Schweizer erreicht, auch dank Technik-Partnern wie Chiphersteller Intel. 33 Gramm wiegt die aus Titan gefertigte Carrera Connected, und sie wirkt am Handgelenk tatsächlich wie eine der klassischen Luxusuhren der Marke.

Das ist denn auch die grosse Stärke: Die Neuheit sieht nicht aus wie ein Mini-Computer oder ein Gadget, sondern wie eine schöne Uhr. Dazu tragen auch die exklusiven Zifferblätter bei, die auf der Smartwatch von Tag Heuer angezeigt werden können. Drei in jeweils drei Farben gibts zum Start. Ebenfalls typisch Uhr: Im Gegensatz zur Konkurrenz ist die Zeit immer zu sehen, das Display wird nie schwarz.

Bei der Software hatte der Schweizer Hersteller keine grosse Wahl. «Wir haben Apple gefragt, sie wollten nicht mit uns zusammenarbeiten», lacht Biver. Als einzige Alternative, wenn man nicht selber ein Betriebssystem entwickelt, bleibt Google.

Deren Android Wear läuft auch auf der Connected Watch. Und ist die Schwachstelle der Uhr. Das System ist einfach weniger ausgereift und lässt sich weniger intuitiv bedienen als die Konkurrenz von Apple, Samsung oder kleineren Nischenanbietern.

Immerhin: Tag Heuer bietet eine eigene App für die Watch Faces an. Und gewisse Anwendungen sind speziell für die Connected Watch angepasst. Etwa fürs Golfen oder Autosport. Auch mit dem iPhone soll die Uhr koppelbar sein - dann gibts aber wohl nicht alle Android-Funktionen.

In den USA startet der Verkauf der Uhr sofort, ab Donnerstag ist sie auch in Europa zu haben. Der Preis liegt bei 1400 Franken.

Die mit 46 Millimetern sehr grosse Uhr wird von einem Intel Atom Prozessor gepowert und hat 4 GB Speicher. Sie ist wasserfest gemäss IP67 und hat eine Batterie, die einen Tag hält. Speziell: Über WLAN ist die Smartwatch mit der Cloud verbunden, das hilft, wenn mal das Telefon nicht in Bluetooth-Distanz ist. Für die Sprachkontrolle gibts ein Mikrofon.

Dafür bietet der Schweizer Hersteller als erster eine Antwort auf die kurze Halbwertszeit der digitalen Technik. Die Uhr kann man nach Ablauf der Garantiefrist von zwei Jahren in eine mechanische Uhr umtauschen lassen.

Das kostet zwar nochmals 1400 Franken, doch der Totalpreis von 2800 Franken liegt nur ein paar hundert Franken über dem Preis einer normalen Carrera. Eine clevere Idee. Schade aber, dass sich die Uhr aus technischen Gründen nicht auf die neuste Smart-Generation umrüsten lässt.

«Unsere Strategie ist offensiv und defensiv zugleich», sagt Jean-Claude Biver. Tag Heuer will verhindern, dass Uhrenfans zu den Techfirmen abspringen. Und hofft auch darauf, sich neue Märkte zu eröffnen.

Im Fokus ist primär die Apple Watch. «Sie ist für das Preissegment von 900 bis 2000 Franken, in dem wir auch tätig sind, durchaus gefährlich», erklärt Biver. Mit geschätzten sieben Millionen verkauften Uhren ist Apple inzwischen ein grosser Player in diesem Geschäft. Biver rechnet gar damit, dass die Amerikaner in drei Jahren der grösste Uhrenhersteller der Welt sind.

«Wenn wir als kleine Schweizer Marke nun auf Augenhöhe mit Apple konkurrenzieren können, dann ist das schon eine grosse Leistung», sagt Biver.

Update 19.15 Uhr: Zwei Dinge haben sich in den Gesprächen nach der Pressekonferenz noch herausgestellt. Die Connected Watch hat Beschleunigungs- und Bewegungssensoren, aber keinen Pulssensor. Zudem wird die Uhr auf Wunsch und gegen Aufpreis nicht nur ausgetauscht, sondern wirklich umgebaut. Die elektronischen Komponenten werden herausgenommen, das Titan-Gehäuse bleibt, dafür gibts ein mechanisches Werk.

Publiziert am 09.11.2015 | Aktualisiert am 10.11.2015
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4 Kommentare
  • Meier  Fritz 09.11.2015
    Der Akku hält also wie bei der Apple Watch bloss einen Tag und die Uhr soll mehr als 1000 Fr. kosten. Nein danke.
  • Oliver  Bornhauser aus Arisdorf
    09.11.2015
    Wieder mal ein "Apple Killer".

    Ich kann die Gerede langsam nicht mehr hören. Jedesmal wenn irgend ein Hersteller ein neues Produkt auf den Markt bringt, wird es DER Apple Killer. Ich denke, die meisten Produkte haben doch irgendwelche Vor- und Nachteile gegenüber dem Konkurrenzprodukt.

    Mein Motto daher: Leben und leben lassen!

    PS: Ja ich bin Apple Fan und ja ich hätte auch lieber eine "richtige" Tag Heuer als eine Smartwatch :-.
  • Gustav  schwanider 09.11.2015
    Akku ein Tag.
    Also dieselbe Schwachstelle wie Apple. Ich habe keine Lust auf jedem Kurztrip noch ein Ladesystem mitzunehmen.
    Schön ist sie allerdings und die Umtauschgeschichte ist auch toll.
  • Horst  Schlemmer aus Einsiedeln
    09.11.2015
    Ich mag die tag heuer uhren. Sind einfach die schönsten. Doch so eine halbgare spielerei ist leider kontraproduktiv... Schade.
    So wird die gute marke künftig für elektroschrott sorgen. Eine schweizer oder deutsche uhr sollte machanisch sein. Punkt. Aus. Mickymaus.