Blutbad in Dallas zeigt Facebook und Twitter haben ein Live-Problem

Live-Videos sind einer der grossen Technik-Trends 2016. Jeder kann senden, Kontrolle gibts keine. Die Bilder des sterbenden Polizei-Opfers Philando Castile dürften das ändern.

Drama live auf Social Media: Lavish Reynolds streamte den Tod ihres Freundes Philando Castile live auf Facebook. play

Drama live auf Social Media: Lavish Reynolds streamte den Tod ihres Freundes Philando Castile live auf Facebook.

Screenshots Facebook

Aktuell auf Blick.ch

Top 3

1 Amazon Alexa erklärt Das kann die neue Super-App von Amazon
2 Samsung und LG machens vor Diese Handys kann man falten!
3 Comeback mit neuen Phones HTC erfindet Touchbar fürs Handy

Digital

Immer informiert - Abonnieren Sie den Blick-Newsletter!
Bitte geben Sie eine gültige E-Mail-Adresse ein.
Schön, dass wir Ihnen unsere BLICK News des Tages senden dürfen. Möchten Sie zusätzlich den BLICK Sport Newsletter erhalten?
teilen
teilen
9 shares
4 Kommentare
Fehler
Melden
Funktion «Facebook Live»: Jeder User kann auf Knopfdruck per Handy live auf Sendung gehen. play
Funktion «Facebook Live»: Jeder User kann auf Knopfdruck per Handy live auf Sendung gehen.

Die Video-Bilder sind verstörend – und kursieren immer noch durchs Netz. Lavish «Diamond» Reynolds sendet über Facebook ein Live-Video aus Falcon Heights, einem Vorort von St. Paul (US-Bundesstaat Minnesota). Die Polizei hat gerade ihren Freund Philando Castile angeschossen, er verblutet auf dem Fahrersitz. Auf dem Rücksitz die vierjährige Tochter.

Fast fünf Millionen User haben das zehnminütige Video gesehen - es gilt schon jetzt als Dokument für Polizeigewalt in den USA aufgrund rassistischer Vorurteile. So ein Live-Video geht emotional viel näher als etwa Bilder einer Überwachungskamera. Die Folgen dieses und eines ähnlichen Vorfalls sind bekannt, auch wenn vieles am Blutbad in Dallas noch unklar ist.

Kontrolle verloren

Zwei grosse Anbieter gibt es, die allen Usern ermöglichen, ganz einfach via Smartphone eine Live-Sendung in die ganze Welt zu streamen. Facebook mit seinem eigenen Live-Video und Twitter mit der 2015 gekaufen App Periscope. Allerdings: Die Kontrolle über die Inhalte haben die zwei grossen Social-Media-Netzwerke verloren.

Eine 19-Jährige brachte sich diesen Mai in der Nähe von Paris live auf Periscope um. Im Februar filmte eine junge Frau die Vergewaltigung einer Freundin. Im Juni konnte man eine Schiesserei miterleben. Auch einer der IS-Terroristen aus Frankreich hatte sich per Live-Sendung zu seinem Polizisten-Mord bekannt und zu weiteren Anschlägen aufgerufen.

Mehr zum Thema

Natürlich gibt es auch immer wieder Fälle, in denen Sex live übertragen wird. Speziell problematisch, wenn Minderjährige dies tun. Auch wenn Sex und nackte Haut von den US-Unternehmen schnell gelöscht werden, haben die Videos bis dahin bereits den Weg ins Internet gefunden.

Facebook und Twitter hilflos

Facebook und Twitter reagieren in allen diesen Fällen hilflos. Man könne unangemessene Live-Streams genauso melden wie andere Videos oder Kommentare. Ob und wann die Internetunternehmen eingreifen, bleibt jeweils offen. Selbst wenn die Reaktion innert weniger Stunden passiert, ist dies zu spät - und das Video längst im Netz. Auch im aktuellen Fall bleibt das Statement von Facebook-Gründer Mark Zuckerberg unverbindlich.

So reagiert Facebook-Gründer Mark Zuckerberg auf das aufwühlende Live-Video. play

So reagiert Facebook-Gründer Mark Zuckerberg auf das aufwühlende Live-Video.

Facebook/Zuck

Er bezeichnet zwar die Bilder als «verstörend». Und kann verstehen, wenn User «beunruhigt» sind. Das Video selber ist aber - mit einer Warnung versehen - immer noch auf Facebook aufgeschaltet.

Zuckerberg betont, dass gerade solche Ereignisse zeigen, wie wichtig es sei eine offene und vernetzte Gesellschaft sei. Und meint damit, dass damit Missstände aufgedeckt werden können.

Der Diskussion um die Verantwortung der Technologie-Unternehmen wird sich weder Facebook noch Twitter entziehen können. Vor allem, wenn sich die Gewaltspirale in den USA weiterdreht.

Publiziert am 10.07.2016 | Aktualisiert am 10.07.2016
teilen
teilen
9 shares
4 Kommentare
Fehler
Melden

4 Kommentare
  • Thomas  Hager aus Luzern
    11.07.2016
    Beim G7-Gipfel in Genua wurden erstmals Handyfotos vom Volk gegen die Polizei gemacht. Juristisch wurde bis Heute noch nicht alles aufgearbeitet jedoch konnte dank den Fotos das Fehlverhalten der Polizisten bewiesen werden. Die Entwicklung ist gut, wer nichts zu verbergen hat hat auch nichts zu befürchten.
  • Michael  L. 11.07.2016
    Zuckerberg meint das damit Missstände aufgedeckt werden können.
    Gut möglich, aber alles was einen Nutzen hat, kann ebenso missbraucht werden. Ich finde diese Entwicklung jedenfalls mehr als bedenklich.
  • Kurt  Witschi 11.07.2016
    Warum sollen die Bilde zerstörend sein nur weil gezeigt wird was nicht sein darf! Vertragen die Leute gewalt nicht von Polizeibeamten!
    Muss immer nur die Video-Version der Polizei gezeigt werden? damit alles vertuscht werden kann?
    • Michael  L. 11.07.2016
      Weil private Aufnahme genauso getürkt sein können. Beispiel: Ich bringe meinen Nachbarn im Schrebergärtchen mit Provokation masslos zur Weissglut bis Dieser austickt. Dann leg ich mich in den Liegestuhl, werfe meine Kamera an und filme unauffällig und kommentarlos diese Situation. Danach stelle ich das Video mit dem Titel "Nachbar schmeisst mit Steinen nur weil ich in Badehose da liege" ins Netz. Na was dann?