Getestet Bibliothek im Taschenformat

  • Publiziert: 25.01.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Lorenz Keller

Weltbild forciert das Ebook-Geschäft. Etwa mit dem Bookeen Cybook Opus, einem simplen und sehr kleinen Reader.

Das Geschäft mit den elektronischen Büchern kommt in der Schweiz nicht richtig in Schwung. Kleines Angebot, hohe Preise, komplizierte Handhabung: Und der einzige Anbieter, der die Probleme gelöst hat, nämlich Amazon, hat noch kein einziges deutschsprachiges Buch im Angebot.Auch Weltbild forciert das E-Book. Mit einem Online-Buchladen auf www.weltbild-ebooks.ch/ und den passenden Geräten. Neu auf dem Menü: das Cybook Opus des französischen Herstellers Bookeen. Was sofort auffällt, wie klein und leicht dieses Gerät ist. Nur 150 Gramm und 10 mal 15 cm Grösse. Damit unterbietet das digitale Gerät die meisten Bücher.

Das ist für alle ein Vorteil, die viel unterwegs sind. Aber nicht nur sie werden die Kompaktheit schätzen lernen. Natürlich geht das auf Kosten des Displays, der ist „nur“ 5-Zoll gross. Was aber völlig zum Lesen ausreicht, vor allem auch, da man die Schriftgrösse den eigenen Bedürfnissen in 12 Stufen anpassen kann.

Das Cybook Opus liegt gut in der Hand und kann ganz locker auch einhändig gehalten werden. Rund 8000 Seiten kann man umblättern, bis der Akku geladen werden muss. Doch die spezielle E-Ink Technik ist nicht nur stromsparend, sondern auch augenschonend. Das Schriftbild wirkt eher wie bei einem gedruckten Text als wie auf einem Computerbildschirm. Die etwas träge Reaktionszeit, etwa beim Seitenblättern, nimmt man dafür gerne in Kauf. Bookeen hat auch unnötige Features wie einen Mp3-Player weggelassen. Das Cybook Opus ist ein elektronisches Buch, nicht mehr und nicht weniger. Der einzige Luxus ist ein (ausschaltbarer) Lagesensor, der das Schriftbild nach allen vier Seiten kippt.

Eigentlich ein perfektes Einsteigergerät. Wenn da nur nicht der Preis wäre. 339 Franken kostet das Cybook Opus. Und plötzlich beachtet man auch das billig wirkende Plastikgehäuse mit anderen Augen. Auch wenn der Preis schon gesunken ist, stimmt das Verhältnis zur Leistung immer noch nicht ganz. .

Vor allem auch, da die Kosten für E-Books nicht massiv günstiger sind als für gedruckte Versionen. Bestseller etwa sind meist nur ein paar Franken billiger. Viele populäre Titel findet man gar nicht erst.Und wer Pech hat, zahlt sogar mehr! „Im Koma“ von Joy Fielding etwa kostet elektronisch 27.10 Franken, gedruckt bei Weltbild nur 24.90 Franken. So etwas macht den grössten Gadget-Freak abspenstig.

Vertriebs-Problem nicht gelöst

Übrigens ein Problem aller Schweizer E-Book-Anbieter. Das beschränkte Angebot und die relativ hohen Preise machen den Umstieg in die digitale Buchwelt nicht gerade leicht. Und auch Weltbild kann keinen einfachen Weg anbieten, um die Romane und Texte dann wirklich aufs Gerät zu bringen.

Zwar setzt auch Weltbild auf das ePub-Format, das ganz viele Reader beherrschen (und das Cybook Opus kann auch mit Büchern aus anderen Shops gefüttert werden), aber das Transferieren der Werke ist mühsam. Zuerst muss man Adobe Digital Editions installieren und sich dafür registrieren. Dann wird das Cybook mit dem Programm verbunden. Nun kann man in einem Online-Shop mit Kreditkarte ein Buch kaufen, das wird als Datei heruntergeladen und muss dann manuell auf den Reader gezogen werden.

Bookeen Cybook Opus, 5-Zoll-Display mit E-Ink-Technik, 600x800 Bildpunkte, 1 GB Speicher (erweiterbar), Lagesensor, Kompatible Formate: ePUB, PDF, TXT, HTML, JPG, GIF, PNG, 150 g, für 339 Franken bei Weltbild (www.weltbild.ch)

Fazit

Schade ist das Angebot noch zuwenig ausgebaut – qualitativ und quantitativ. Und schade, schreckt die komplizierte Handhabung wohl manchen Einsteiger ab. Das Bookeen Cybook Opus wäre ein guter Reader für unterwegs.

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