Erster Schweizer mit iPad «Alle gaffen mich jetzt an»

  • Aktualisiert am 19.01.2012
  • Von Thomas Benkö und Lorenz Keller

ZÜRICH – Der Zürcher Dan Krüsi (25) landete heute Morgen um 7 Uhr mit dem iPad aus den USA in Zürich Kloten. Seither ist er mit seinem Wundergerät der Star.

«Es ist verrückt», sagt Dan Krüsi. «Als ich heute Morgen aus der American-Airlines-Maschine stieg starrten mich am Flughafen alle an.» Auch als er sich dann am Mittag in ein Zürcher Café setzte, hatte Dan keine Ruhe. «Alle kamen zu mir und wollten das iPad angucken.» Besonders ein älterer Herr machte ihm Eindruck. Er rief: «Auf solch ein Gerät warte ich schon lange – das kauf ich mir!»

iPad ohne anstehen erhalten

Bis es in der Schweiz erhältlich ist, müssen der Herr und wir alle uns aber noch bis Ende Monat gedulden. Bis dann sind «Early Adopter» wie Dan die Stars. Er hat es schon am ersten Verkaufstag in den USA erhalten – allerdings hatte Dan Heimvorteil. «Meine Eltern leben in Texas», sagt der amerikanisch-schweizerische Doppelbürger. «Ich musste nicht mal im Apple-Store anstehen, sondern habe das iPad an die Adresse meiner Eltern in Garden Valley schicken lassen. Am Samstag um punkt 10.30 Uhr hat es UPS dann ausgeliefert.»

Und? Was hat Dan am meisten beindruckt? «Es ist wirklich die Grösse des Bildschirms und die Qualität der Farben.» So kommen die Programme (Apps) noch besser zur Geltung. «Am besten gefällt mir iBooks, der elektronische Buchladen. Der ist extrem schön gemacht.» Dan muss es wissen. Er ist selber Software-Entwickler bei www.nerves.ch und entwickelt Apps für iPhone und iPad.

«Ergonomisch ist das iPad ein Meisterwerk», lobt der Experte. Kleiner und leichter als erwartet, erstklassig verarbeitet. Trotz nur 13,4 mm Dicke wirkt das Alu-Gehäuse stabil.

Ganz stark: Gleich nach dem Einschalten ist das iPad betriebsbereit. Kein Hochfahren wie bei einem Laptop. Die Bedienung mit dem Finger über den Touchscreen ist noch leichtgängiger als beim iPhone. Dank der klaren Menüstruktur und des grossen Bildschirms mit 25 Zentimetern Durchmesser kommen auch Einsteiger sofort zurecht.

Vor allem dank Apples schnellem A4-1GHz-Chip spielt das iPad seine Stärken aus. «Games laufen flüssiger als auf dem iPhone», sagt Dan. «Und die Steuerung via Bewegungssensor ist etwa bei Autorennen viel präziser.» Trotz Power ist das iPad äusserst sparsam. «Auf dem Rückflug von Dallas über New York nach Zürich spielte ich etwa acht Stunden lang mit dem Ding rum und musste es nie aufladen», sagt Dan. Kein Wunder, die Techfreaks der US-Seite ifixit.com haben das iPad bereits auseinandergeschraubt und entdeckt, dass praktisch der ganze Raum vom Akku ausgefüllt wird. Laut Apple soll 10 Stunden Dauersurfen möglich sein. Ausserdem kann man mit dem iPad – obwohl es kein Handy ist – telefonieren. «Es hat ein Mikrofon eingebaut. Zusammen mit der Skype-App sind Telefonate möglich.» Und er demonstriert es uns gleich vor. Allerdings sollte man zum telefonieren den Kopfhörer verwenden – sich das «Riesen-iPhone» ans Ohr zu halten sieht ein wenig bescheuert aus.

Keine Kamera, Display spiegelt im Freien

Wo Licht, da aber auch Schatten. Das Display spiegelt stark und ist im Freien bei Sonnenlicht schwer lesbar. Zudem fehlt dem iPad die Kamera. «Das ist komisch, schliesslich hat das iPhone auch eine», sagt Dan. Vielleicht ändert sich das beim nächsten iPad. Schon früher sollten aber einige Softwarefehler behoben sein: «Man merkt schon, dass es sich hier um ein Gerät der ersten Generation handelt», sagt Dan. «Vieles ist noch nicht ausgereift. Zum Beispiel muss ich mich immer wieder mit meinem iTunes-Passwort anmelden – und manchmal bockt der Browser.»
Allerdings ist das kein Grund zur Panik. «Auch das iPhone war am Anfang noch nicht ausgereift. Es wurde erst über immer wieder verbesserte Software zum Kult-Handy, dass es heute ist.»

Und? Wird sich das iPad durchsetzten. Braucht man neben iPhone und Laptop noch ein drittes Gerät? Für Dan ist das Fazit klar: «Ich habe es erst seit knapp zwei Tagen – und kann schon nicht mehr ohne». Den Computer wird es laut Dan nicht ersetzen. «Aber ich freue mich schon, künftig mit dem iPad auf dem Sofa oder im Bett zu surfen – schliesslich ist es weniger klobig, als ein Laptop.»

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