Die Schweiz im Lotto-Fieber Wenn der Jackpot süchtig macht

Seit Wochen wartet ein riesiger Jackpot auf den Gewinner. Doch das verlockende Spiel kann für anfällige Menschen in der Sucht enden.

Der Rekord-Jackpot lockt viele Schweizer an den Kiosk. play
Der Rekord-Jackpot lockt viele Schweizer an den Kiosk. ENNIO LEANZA

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Dieser Tage reden alle vom Traum vom grossen Geld. Der Auslöser: Der Jackpot im Swiss Lotto war noch nie so hoch wie heute: 64,3 Millionen Franken locken im Pot (BLICK berichtete). Mit einem derartigen Rekord-Gewinn in Aussicht, lassen sich viele Spielfreudige auf hohe Investitionen ein. 

«Ähnlich einer Einstiegsdroge»

Was vielen nicht bewusst ist: Wo um derart hohe wirtschaftliche Beträge gespielt wird, lauert die Sucht – so auch bei Spielen wie Lotto. Zwar ist das Risiko süchtig zu werden viel kleiner, als bei Spielen mit rascher Spielfolge, wo der Gewinn sofort reinvestiert werden kann. Doch Lotto könne durchaus als Teil einer Sucht oder «ähnlich einer Einstiegsdroge» wirken, sagt Markus Meury, Mediensprecher der Suchthilfe Schweiz.

Laut Meury seien vor allem Menschen aus der Unterschicht gefährdet: «Oft werden  Menschen spielsüchtig, die sonst im Leben wenig Glück oder Einkommen besitzen und den möglichen Gewinn als Lösung ihrer Probleme sehen.»

Häufiger Frauen betroffen, als bei anderen Glücksspielen

«Bei Rubbellosen und ähnlichen Produkten sind häufiger Frauen betroffen, als bei anderen Glücksspielen», sagt Ines Bodmer, Psychotherapeutin am Zentrum für Spielsucht und andere Verhaltenssüchte in Zürich. «Zudem sind die Betroffenen eher älter und weniger gewandt im Internet.» Frauen seien wohl anfälliger auf derartige Spiele, weil ihr Schamniveau höher sei und ein Besuch am Kiosk trotzdem unverdächtig wirke.

Laut Meury könne sich auch der riesige Jackpot, der momentan auf dem Spiel stehe auf die Sucht auswirken: «Die Summe hat sicher einen Einfluss auf das Spielverhalten der Menschen», sagt Meury. «Bereits dadurch, dass ein hoher Jackpot mehr thematisiert wird, und die Leute darauf aufmerksam werden.»

Glück.Spiel.Sucht. – Filmtrailer [Schweizerdeutsch]

Freie Wahl von Zahlen gefällt

Gesamthaft spielen laut Suchthilfe Schweiz rund 75'000 Personen exzessiv Glücksspiele. In einer Studie zum Thema «Glücksspiel und Spielsucht in der Schweiz» im Auftrag des Bundesamtes für Justiz von 2004 ist Lotto insbesondere suchtfördernd durch die freie Wahl von Zahlen: So liege die Suchtentwicklung im «Bereich der magischen Gedanken». Lotto-Spielen könne eine Struktur im Leben geben, mit anderen Aktivitäten verknüpft werden und die Höhe der Gewinne variabel bestimmt werden. 

Publiziert am 14.12.2016 | Aktualisiert am 16.12.2016
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4 Kommentare
  • Voegeli Rolf  15.12.2016
    Das ganze Lottosystem muss überarbeitet werden. Das kann es doch nicht sein das ich bei 6 richtig getippten Zahlen nur einen Bruchteil vom Jackpot gewinnen würde, nur weil ich mich bei der sogenannten "Superzahl"vertan habe?!
  • Renato  Wyss aus Wallisellen
    14.12.2016
    Etwas ist mir unklar, vielleicht kann mir jemand helfen. Im Geberkanton (Finanzausgleich) ZH würde ein Gewinner ca 25 Mio an Steuern zahlen, im Nehmerkanton BE hingegen ca 14 Mio. Diese am Wochenende publizierte Rechnung ist für mich schwer zu begreifen!
  • Thomas  Zürcher 14.12.2016
    Eines ist klar der hohe finanzielle Anreiz der im Augenblick hunderttausende in den Bann zieht stellt tatsächlich eine gewisse Gefahr dar,dass mehr Menschen grössere Summen investieren.Problematisch könnte der Jackpot für Menschen werden, die mit einem Lottoeinsatz aus einer finanziellen Misere kommen wollen. Die deutlich höhere Gewinnchance könnte Menschen mit eher geringem Einkommen dazu verleiten, Geld in Tippscheine zu investieren, das anderswo dann fehlt.
  • Heinrich  Zimmermann aus Fulenbach
    14.12.2016
    Das sich ein solch großer Jackpot in kurzer Zeit ansammeln kann hat mit der Gewinnausschüttung zu Tun. Was mich an Swisslotto maßlos Ärgert ist die Gewinnausschüttung in den unteren Rängen. Nur hier verdient der Staat nichts. Für den Lottospieler würde es Freude bereiten wenn z. Bsp. ein 3er 4er wesentlich höher bewertet würde. Ich persönlich strebe nicht Millionen an.