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Ich bin ein Scheidungskind und habe echte Probleme damit, Vertrauen zu fassen.»
Wer diesen Satz hört, sollte die Notbremse des Liebeszuges ziehen, und zwar schnell. Unfassbar, welchen Blödsinn sich Frauen von Männern auftischen lassen, wenn diese nicht bereit sind, sich vollständig zu ihnen zu bekennen. Jede nur erdenkliche Ausrede wird herangezogen, um Nähe und Geborgenheit abzuwehren und die Beziehung auf einer Ebene kontrollierter Distanz zu halten. Zu wenig, um richtige Nähe bieten zu müssen, doch gerade genug, um nicht «Schluss zu machen».
Dieser Typ Mann ist immer auf der Flucht. Wovor genau, weiss er selbst nicht.
Er ist keinesfalls in einer Beziehung und wäre durchaus in der Lage, sich frei zu bewegen, aber er zieht es vor, sich im wahrsten Wortsinne aus der Affäre zu ziehen. Seine Entschuldigungen dafür sind haarsträubend: «Ich habe wirklich gerade eine verrückte Zeit. Mein ganzes Leben steht kopf.» Oder: «Ich muss mich gerade total auf mein/e Karriere/ Studium/Prüfungen konzentrieren.» All das sind Deklinationen des Satzes: «Ich brauche erst einmal Zeit für mich selbst», des Klassikers im Ausreden-Repertoire eines mittelmässigen Liebhabers. Was der Kerl wirklich meint, ist: «Ich will dich nicht so oft sehen. Mir genügt es einmal in der Woche.»
Handelt es sich um einen Mann, der aus falsch verstandenem Schamgefühl Hemmungen hat, sich selbst in den Kontext der Lüge zu bringen, schiebt er die Gründe gern auf die Umstände und sagt dann so sinnvolle Sätze wie: «Ich komme gerade aus einer schrecklichen Trennung/Scheidung/Beziehung/ Kneipe und bin im Moment wirklich nicht bereit, eine neue Beziehung einzugehen.» Was er wirklich meint, ist: «Ich bin nicht bereit, eine neue Beziehung mit dir einzugehen, allerdings würde ich bei Heidi Klum eine Ausnahme machen.»
Es entbehrt nicht einer gewissen Tragik, dass die Doktor Kimbles unter den Beziehungsneurotikern die reizvollsten sind. Es ist geradezu unglaublich, welchen Effekt es erzeugt, wenn sich ein Mann kurzfristig oder dauerhaft entzieht. Dem Kerl, bis dahin als eher mittelmässig eingestuft, wird nun eine gänzlich andere Bedeutung beigemessen, ganz nach dem alten Spruch: «Willst du etwas gelten, dann mache dich selten.»
Und die Vielleichtchen reagieren mit Ausreden-Pirouetten auf dieses Verhalten. Jede noch so krude Ausrede – in seinem Namen jedoch unaufgefordert vorgetragen – scheint besser als das Eingeständnis, dass man eigentlich nicht interessant beziehungsweise attraktiv genug für ihn ist.
Dabei sind die Probleme in verschiedene Phasen der Beziehung aufgeteilt. In der ersten Phase, dem Kennenlernen, ist die Bereitschaft, sein Verhalten zu entschuldigen, besonders gross. Es gibt sie tatsächlich, die Situationen, in denen Männer nach einer Begegnung einfach verschwinden, sich nicht mehr sehen lassen, auf Anrufe nicht mehr reagieren, möglicherweise sogar Plätze oder gemeinsame Bekannte meiden, die zuvor ein «zufälliges» Treffen möglich machten.
Dabei war der Abend, an dem man sich kennengelernt hatte, hoffnungsvoll. Der Typ war superaufmerksam, das Gespräch angeregt, er hatte sich mehr als bemüht, stets die Konversation in Gang zu halten, Drinks besorgt, Komplimente gemacht und bis spät in die Nacht gequatscht. Es hatte sich so angefühlt, als würde man sich schon jahrelang kennen. Dann drückt der Typ ihr seine Handynummer in die Hand und sagt: «Vielleicht hast du ja Lust, mich einmal anzurufen.» Und die Frau? Die denkt sich: «Vielleicht gar nicht so schlecht, er überlässt es mir, ob wir uns wiedersehen, möchte offensichtlich mir die Kontrolle darüber geben, wie galant.»
Das ist ein Fehler. Stundenlang hat unser Vielleichtchen darüber nachgedacht, wie sie aussehen soll, diese SMS. Natürlich soll sie nicht gleich am nächsten Tag verschickt werden und auf keinen Fall zu lang sein! Kurz, betont amüsiert und ein wenig locker, so soll die SMS sein. Heraus kommt eine Kurznachricht, die Doktor Kimble nur eines klarmacht: Er hat das Spiel schon gewonnen.
Um es kurz zu machen, der Typ hat sich dann nur noch einmal gemeldet, mit der klassischen Wendung der «sanften Abwehr verliebter Frauen», wie sie der Autor Adam Soboczynski in seinem originellen gleichnamigen Buch beschreibt, einer SMS des Inhalts: «Sorry, extrem busy dieser Tage. Vielleicht nächste Woche mal. Und liebe Grüsse!»
Kaum notwendig, es zu erwähnen, aber er hat sich gar nicht mehr gemeldet, und auch das Senden von weiteren Kurznachrichten unseres Nummern-Girls verlief im Sande, nicht ohne einen faden Beigeschmack der Unterlegenheit hinterlassen zu haben.
Lesen Sie morgen im BLICK Folge 4: Die Gefall-Töchter.
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Der Autor: Roman Maria Koidl. (Susanne Schleyer)