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Sonntags bei  Smash137: Der Mann mit der Maske

Nachdem ihn ein Basler Gericht wegen seiner illegalen Sprayereien verurteilt hat, lebt der beste Graffitikünstler der Schweiz in Barcelona. Nächste Woche feiert er sein Comeback an der Kunstmesse Art in Basel.

Von Gabrielle Kleinert | Aktualisiert um 13:51 | 07.06.2009
Über den Dächern von Barcelona: Die Bleibe ist eng, spärlich möbliert und die genaue Lage – irgendwo hoch über der Altstadt – sowieso streng geheim. Ebenso sein Gesicht, das der Sprayer stets hinter einer Maske versteckt. (Miquel Gonzalez)
Über den Dächern von Barcelona: Die Bleibe ist eng, spärlich möbliert und die genaue Lage – irgendwo hoch über der Altstadt – sowieso streng geheim. Ebenso sein Gesicht, das der Sprayer stets hinter einer Maske versteckt. (Miquel Gonzalez)
Sein richtiger Name ist geheim, das Gesicht hinter einer Maske versteckt und die genaue Lage seines Unterschlupfs bleibt sowieso streng vertraulich. Die Bedingungen für diesen Artikel waren hart und Verabredungen mit dem Mann gefährlich, vor allem für ihn: «Ich will anonym bleiben.»

Irgendwo in der Altstadt von Barcelona, in einem heruntergekommenen Haus. In der Ferne hupt ein Auto, ein heisser Tag Ende Mai, die Treppen sehr steil. Stufe um Stufe geht es hoch, tiefe Decken, den Kopf eingezogen. Dann endlich eine kleine Tür, sie führt zu einem Horst, 40 Quadratmeter allerhöchstens. Ein Sofa, ein grosses Bett, zwei Klappstühle, ein kleiner Tisch, fertig. Es ist ein spärliches Zuhause, ein ärmliches Versteck. Und zugegeben, in dieser Rubrik wurden bestimmt schon edlere, gestyltere und luxuriösere Bleiben vorgestellt. Aber wohl keine war jemals so aufregend wie ­diese hier. Denn in diesem Daheim über den Dächern der Stadt wohnt ein Verurteilter, ein Vertriebener. Hier wohnt ein Schweizer im Exil.

Smash137, so sein Künstlername, gilt als bester Graffitikünstler der Schweiz, vielleicht sogar als einer der besten der Welt. Der 30-Jährige trägt an diesem heissen Tag eine Bermudahose mit Armeemuster, bietet Erdbeeren und Kaffee an. Er ist gut erzogen, freundlich, zuvorkommend, spricht Basler Dialekt. Mit seiner Kunst, meist dreidimensional verschnörkelte Schriftzüge von Smash137, verzierte er in den letzten Jahren exakt, wetterfest, bunt und ziemlich schonungslos ­allerlei Schweizer Wände, Stützmauern und Autounterführungen – oft illegal und ohne ­Bewilligung.

Im Dezember 2006 schnappte ihn die Polizei um zwei Uhr nachts beim Basler Bahnhof. Das Urteil: Geldbusse und zwei Jahre auf Bewährung. Und so hat er sich nun aus der Schweiz zurückgezogen, lebt im spanischen Untergrund. «Hier sind Graffiti wenigstens noch toleriert», sagt er. Und weiter: «Ich kümmere mich doch nur um verlassene Mauern, die sonst allen egal sind! Um Wände, die sowieso keinem gehören. Man könnte sagen: Ich mache die Städte schöner.»

Und betont: «Aber ich beschädige kein Eigentum.» Ja, aber was war denn mit der Verurteilung und der Wand beim Basler Bahnhof? «Da hatte ich Pech», sagt er und lächelt. Ein bisschen entschuldigend, ein bisschen verschmitzt. Von draussen rauscht der Lärm der Grossstadt herein. Drinnen leuchten rote Wände. Die hat Smash137 mit der Wohnung übernommen, ebenso das Mobiliar. Der hässliche Originalbezug des Sofas ist geflissentlich unter einer bunten Decke versteckt, und die einzige Dekoration in den Räumen sind seine Bilder, selbst gesprayt.

Er macht natürlich weiter, auch nach ­seiner Verurteilung, illegal in den Strassen Barcelonas – ab und zu aber auch legal. Er ist eben ziemlich berühmt. Nicht nur auf Schweizer Polizeiposten, sondern auch in der Graffitiszene. Gerade verzierte er für eine Aktion der Stadt Zürich einen überdimensionalen Blumentopf, der steht jetzt auf dem Paradeplatz. «Dass ich dort mit meiner Kunst mal vertreten sein würde, hätte ich nie gedacht», sagt er, und da ist wieder dieses ­Lächeln. In Dubai arbeitete er an einem der weltgrössten Graffiti mit: 625 Quadratmeter. Er designt Schriftzüge für T-Shirts. Und ­seine Bilder, auf Leinwände gesprüht, ver­kauft er immer wieder mal in verschiedenen Galerien.

Am späten Nachmittag ist es vorbei mit der Wohnzimmer-Erdbeeren-Idylle. Smash137 macht mal wieder was Verbotenes. In seinen Rucksack packt er Spraydose um Spraydose, dann geht es durch die Gassen der Altstadt, sein Blick wandert über die Graffiti an den Wänden. «Für mich wie ein Museum.» Haustüren sind mit Tags besprayt, Schriftzüge ohne Dreidimensionalität, einfach und banal und ziemlich hässlich. «Nicht jeder Schriftzug gehört an die Öffentlichkeit», empört sich der Sprayer.Für ein perfektes Graffiti braucht er fünf Quadratmeter Wand, mindestens, dazu fünf Stunden Zeit und zwanzig Spraydosen. Zu Hause probiert er das Werk mit hundertfachen Sprayproben aus, bis es sitzt. «Alles andere ist unprofessionell», sagt er. Smash137 nimmt seine Arbeit sehr ernst.

Ein Platz zwischen zwei Hochhäusern, eine Steinwüste. Der Graffitikünstler geht zielsicher auf eine Mauer zu. «Die gehört niemandem», sagt er. Sicher ist er sich nicht. Noch ist es hell, auf der Strasse nebenan rollt der Abendverkehr. «Meist spraye ich in der Nacht», sagt er, «ziehe um zwei Uhr los, arbeite bis Sonnenaufgang. Wenn mein Bild das erste Mal gesehen wird, bin ich längst weg.» Und das Lob? «Brauche ich nicht. Das würde mich nur fett machen.»

Ein bisschen Lob und Ruhm braucht es aber doch. Nächste Woche ist für ihn eine grosse Woche. Er stellt während der Kunstmesse Art in Basel seine Bilder in der Kaserne aus. Es ist das erste Mal seit der Verurteilung, dass er Heimatboden betritt. «Man könnte sagen, meine offizielle Rückkehr», sagt er. «Aber nur für zwölf Tage, dann haue ich wieder ab.»

Ein Polizeiauto fährt vorbei. Er sprayt weiter. Das Auto hält nicht an.
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Möbliertes neu aufgemöbelt: Für die fixfertig eingerichtete Bude mit Miniküche zahlt Smash137 monatlich 1500 Euro Miete. Das ist ein bisschen viel. (Miquel Gonzalez)
Möbliertes neu aufgemöbelt: Für die fixfertig eingerichtete Bude mit Miniküche zahlt Smash137 monatlich 1500 Euro Miete. Das ist ein bisschen viel. (Miquel Gonzalez)
Dafür gibts vom Balkon den Blick auf Touristen, Souvenirhändler und andere Barcelonesen. (Miquel Gonzalez)
Dafür gibts vom Balkon den Blick auf Touristen, Souvenirhändler und andere Barcelonesen. (Miquel Gonzalez)
Mit der Dose am Werk: Zu Hause übt er das geplante Bild am offenen Fenster. (Miquel Gonzalez)
Mit der Dose am Werk: Zu Hause übt er das geplante Bild am offenen Fenster. (Miquel Gonzalez)
Später wird es ernst und illegal: Smash137 besprayt eine Mauer mitten in der City bunt und schrill. Fünf Stunden dauert es, bis das Graffiti fertig ist – und rund zwanzig Spraydosen brauchts. (Miquel Gonzalez)
Später wird es ernst und illegal: Smash137 besprayt eine Mauer mitten in der City bunt und schrill. Fünf Stunden dauert es, bis das Graffiti fertig ist – und rund zwanzig Spraydosen brauchts. (Miquel Gonzalez)
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