Maja unverblümt Der Kamasutra-Gott und Miss Wrong

  • Publiziert: 05.01.2010, Aktualisiert: 02.01.2012

Trägt ein Kerl die richtige Wollmütze, wird Maja schwach. Allerdings muss das nicht immer zu einem Happyend führen, wie sie unverblümt verrät.

Raul trampte vor einer Woche in mein Leben. Zu seinem Pech lernte er die falsche Maja kennen. Die im kleinen Schwarzen mit den roten High Heels, der adretten Frisur und dem Gucci-Handtäschli. So bin ich angezogen, wenn ich zwecks Arbeit an irgendeine «Hundsverlochete» muss, wo sich C- bis Z-Promis mit Cüpli an Stehtischchen anschweigen und verklemmt lächeln.

Raul fiel mir sofort auf. Er trug Wollmütze, Kapuzenpulli und Sneakers. Sein Gesicht war perfekt. Unsere Blicke kreuzten sich. Ein paar Minuten später stand er an meinem Tisch. Unsere Unterhaltung war ein Erfolg.

«Er ist ein Kamasutra-Gott», flüsterte mir meine Freundin Jo ins Ohr. «Mitnehmen.» Zugegeben, der Gedanke war da. Die Vernunft siegte. Ich verabschiedete mich und gab ihm meine Handynummer.

Raul schien den Mars-Venus-Knigge zu beherrschen. Er meldete sich drei Tage nicht. Dann rief er an. Und bat mich um ein Samstag-Abend-Date. Samstag-Abend-Dates hasse ich. Das ist die Dating-Rush-Hour. Man geht essen, dann «eis go zieh» und landet dann entweder knutschend im Hauseingang oder verabschiedet sich mit obligaten drei Küssli vor ihrer Tür. Ätzender Mainstream eben. Trotzdem: Rauls Mütze hatte ein Rush-Hour-Date verdient.

Wir trafen uns um 21.00. Bei der Wahl meines Outfits vergass ich, dass Raul die falsche Maja kennengelernt hatte und entschied mich für einen grasgrünen Mini, Overknee-Stiefel und mein «Star Wars»-T-Shirt.

Als ich um 21.12 Uhr meine Jacke auszog, verzieh ich Raul seinen leicht enttäuschten Blick. Gegen halb zehn wurde ich panisch. Er erzählte von langjährigem Tanzunterricht. War er Salsa-Tänzer? Merengue? Grauenvoll.
Weit gefehlt: Der Junge begann im Alter von zehn Jahren mit Breakdance. In dieser Sekunde entschied ich, dass wir zumindest knutschen würden.

Gegen 22 Uhr war ich immer noch guter Knutsch-Dinge. Schliesslich gab Raul zu, einige Songs der Backstreet Boys «ganz okay» zu finden.

Das Grauen kam um halb Elf: «Ach Maja, ich will was Richtiges. Ich wünsche mir Kinder, eine Familie. Das Gefühl der Zusammengehörigkeit.» ZONK, Baby! «Ich will mein Bett jede Nacht mit der Einen teilen», sagte Raul.

Das war der Moment, in der ich unsere Beziehung gedanklich beendete. Ich hielt noch eine Stunde durch. Diese verbrachte ich damit, seinen Fragekatalog zu beantworten: «Nein, Katzen mag ich nicht.» – «Ach so, du magst Tier-Dokus auf CNN? Ich bin eher Typ RTL und MTV.» – «Nein, an die ewige Treue glaube ich nicht.» – «Klar ist Sex ohne Liebe okay.» – «Armin wird immer wichtiger sein als mein fester Freund.» – Ja, ich gab mir grosse Mühe, Raul zu verklickern, dass ich Miss Wrong bin.

Noch vor Mitternacht verabschiedeten wir uns. Und kurz nach Mitternacht war ich bereits bei Armin und seinen Jungs in der Kneipe. Endlich konnte ich trotz Röckli breitbeining dasitzen und diesen eklig klebenden Lipgloss von meinem Mund wischen.

Alles war gut – bis um 0.47 Uhr folgendes SMS kam: «Maja, ich habe den Abend mit dir sehr genossen. So sehr, dass ich gerne Silvester mit dir verbringen würde. Sweet dreams, Raul.»

play Unverblümt, direkt, abgefahren: Maja (zvr@ringier.ch).

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