Der grosse Geschenk-Knigge mit Autor Thomas Meyer «Alles über 500 Franken ist vulgär!»

Nur noch eine Woche Zeit, um Geschenke zu kaufen. BLICK fragte Schriftsteller Thomas Meyer, wie man richtig schenkt.

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BLICK: Herr Meyer, was schenke ich meiner Partnerin?
Thomas Meyer: Wenn man nicht weiss, was man seinem Partner schenken soll, dann schenkt man sich am besten einen neuen Partner. Der Partner ist doch die Person, die am einfachsten zu beschenken sein müsste. Keinem Menschen ist man näher, und niemanden kennt man besser.

Und wenn man mehrere Ideen hat und sich nicht entscheiden kann?
Dann schreibt man jede Idee auf einen Zettel, verteilt die auf dem Tisch und schaut, was am meisten leuchtet.

Was halten Sie von praktischen Geschenken?
Ein Geschenk soll dem Beschenkten Freude machen. Wenn er Freude an etwas Praktischem und Einfachem hat, dann ist das in Ordnung. Ich gehe zum Beispiel gerne ins Tibits essen und hätte viel Freude an einem Tibits-Gutschein.

Thomas Meyer play

Thomas Meyer

Inge Jurt

Aber Sie gehen ja sowieso dorthin essen?
Das ist kein Argument, man kann sich alles selber kaufen. Beim Schenken geht es nicht darum, originell zu sein, sondern jemandem eine Freude zu machen.

Soll man ein teures Geschenk kaufen?
Alles über 500 Franken ist vulgär. Auch für einen Millionär.

Was halten Sie von der Abmachung, dass man sich nichts schenkt?
Man sollte Einfallslosigkeit nicht mit Bescheidenheit verwechseln.

Wen beschenkt man?
Wenn mir jemand in den Sinn kommt, dann beschenke ich den. Oder wenn ich etwas sehe, das jemandem gefallen könnte, kaufe ich es. Familie, Partner und Göttikind müssen aber schon etwas bekommen.  

Was schenken Sie Ihrem fünfjährigen Sohn?
Kinder sind einfach. Es ist klar, was sie cool finden. Mein Sohn findet zum Beispiel Playmobil-Ritter super. Das Geschenk muss aber altersgerecht sein, und Spielsachen, die blinken und lärmen, finde ich bescheuert. Ich glaube nicht, dass Kinder das wirklich lässig finden.

Wie steht es mit Humor bei Geschenken?
Lieber nicht. Humor geht meistens schief.

Was kann man sonst noch falsch machen?
Die eigene Beurteilung des Geschenkes höher bewerten als die des Beschenkten. Man muss das Geschenk nicht selbst mögen.

Darf man Leute fragen, was sie sich wünschen?
Sicher. Das ist zwar auch nicht originell, aber eben – es geht nicht um Einfallsreichtum. Ich habe kürzlich einen Freund gefragt, was er sich zum Geburtstag wünsche, und er wollte einen Ausgehabend mit mir. Finde ich für beide toll.
 
Darf man ungefragt sagen, was man sich wünscht?
Das finde ich hingegen unanständig.

Und Hinweise geben?
Das ist manipulativ, wie jeder Hinweis.

Muss ein Geschenk eine Überraschung sein?
Für ein Kind schon. Es ist enttäuscht, wenn es weiss, was im Päckli drin ist. Aber wenn ich weiss, dass Sie mir einen Tibits-Gutschein schenken werden, bin ich trotzdem zufrieden.

Trotzdem noch zum Schluss. Haben Sie einen konkreten Geschenke-Tipp?
Was in keinem Haushalt fehlen darf, ist ein Metalldetektor, damit man weiss, wo man in die Wand ein Loch bohren kann.

Was darf man auf keinen Fall schenken?
Pelzmode, das finde ich ganz schlimm. Auch wenn der Beschenkte daran Freude hat. Das Tier hat sicher keine daran, dass es jetzt ein Geschenk ist.

Zur Person

Der Zürcher Schriftsteller Thomas Meyer beobachtet seine Mitmenschen seit nunmehr 41 Jahren. Das ist denen nicht immer recht. Haben auch Sie Fragen an ihn? magazin@sonntagsblick.ch, Betreff: «Meyer»

Publiziert am 19.12.2016 | Aktualisiert am 21.12.2016
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4 Kommentare
  • Lucio Silva  Safnanno aus San Vito Lo Capo
    19.12.2016
    Schönes Interview. Am Schluss sagt aber der Herr Meyer etwas das mich stört: Pelze... das Tier hat sicher keine Freude daran, dass es jetzt ein Geschenk ist. Ja, das glaube ich auch. Aber glauben Sie, dass ein Reh oder ein Fuchs oder ein Kälbchen etc sagt: Juhui, ich sterbe, zwar aber nicht wegen der Gefallsucht der Mode sondern für einen grösseren Wert.
  • Georg  Kuster 19.12.2016
    Schade, wollte ein Notebook verschenken. Ist leider über 500.-, da wird sich mein Göttichind aber mächtig ärgern. Ganz zu schweigen von meiner Frau die sich ein doofes iPhone gewünscht hat. Gut, dann habe ich jetzt echt viel Geld gespart und kann es für mich selbst nach Weihnachten ausgeben. Für Beschwerden werde ich dann direkt an diesen "Experten" verweisen der denkt er müsse anderen sagen was richtig und was falsch ist und was sich gehört und was nicht. Danke Herr Meyer.
  • Hans  Keller aus St. Gallen
    19.12.2016
    Wir haben das Schenken unter den Erwachsenen längst abgeschafft und seither gibts keinen Stress mehr. Aber, vor einem Monat habe ich einer Frau eine Führerstandsfahrt mit der SBB durch den Gotthard geschenkt. OK, es war ein vulgäres Geschenk, aber es kam sehr gut an! Und es hält an, es ist immer noch Thema. Was will man/frau mehr?
  • Timo  M 19.12.2016
    Hinweise geben ist manipulativ, er erwähnt aber immer wieder zwischen den Zeilen wie sehr er sich doch über einen Gutschein fürs Tibits freuen würde. Liebe Ehefrau Meyer haben Sie den Wink verstanden? Kaufen Sie Ihrem Mann gefälligst den Tibits-Gutschein den er schon lange will! Den Pelz vom letzten Jahr findet er nämlich nicht so toll. :-)