Betroffene Schweizer wie Colvin Aeschbacher erzählen Wenn Menschen von vorne anfangen müssen

Sie hatten grosse Träume: vom Auswandern, lebenslangen Eheglück, Erfolg in der eigenen Firma. Doch es kam anders. Hier sprechen Menschen, die noch einmal von vorn anfangen mussten, über Niederlagen und was ihnen in der Krise Kraft gab. Den Anfang macht Colvin Aeschbacher, der in Amerika Fuss fassen wollte – und scheiterte.

Für Colvin platzte der Amerika-Traum. Zusammen mit seiner Ehefrau Alysa lebt er jetzt wieder in der Schweiz. play

Für Colvin platzte der Amerika-Traum. Zusammen mit seiner Ehefrau Alysa lebt er jetzt wieder in der Schweiz.

Sabine Wunderlin

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Es hätte alles klappen müssen mit dem neuen Leben in den USA. Colvin Aeschbacher (25) aus Zürich ging dort ab 2005 zur Schule, blieb und arbeitete hart. Er hatte sogar Verwandte in seiner neuen Heimat – und schaffte es trotzdem nicht.

Ein Lebenstraum in Scherben: Fast alle von uns kennen entsprechende Rückschläge. Eine Ehe scheitert, eine Karriere­hoffnung erfüllt sich nicht, die eigene Firma geht pleite. Was aber hilft uns, in solchen Momenten nicht aufzugeben, sondern uns wieder aufzurappeln? Beraterin und Autorin Dr. Sibylle Tobler (52) sagt: «Der Blick nach vorn – auch wenn Vergangenes noch schmerzt.»

Colvin Aeschbacher war mit grossen Hoffnungen ins Ausland gegangen: «Freiheit, der amerikanische Traum, in dem jeder alles schaffen kann.» Die Realität, die er vorfand, war aber eine andere: Kellnerjobs für 1,85 Dollar pro Stunde plus Trinkgeld, ewige Unsicherheiten, ständige existenzielle Ängste und Sorgen.

Er wusste, dass er noch mal von vorn beginnen kann

«Manchmal war es so schlimm, dass wir Blut spenden gingen, weil wir die 20 Dollar, die man dafür bekommt, fürs Essen brauchten. Aber selbst hier drängten sich Dutzende im Wartezimmer der Arztpraxis.»

Mit seiner Frau Alysa (22), die er in seiner neuen Heimat Utah kennengelernt und geheiratet hatte, lebte er manchmal wochenlang von Kartoffeln, weil der Zehn-Pfund-Sack nur 68 Cent kostete. Schliesslich kam der Tag, als beide zeitgleich ihre Kellnerjobs verloren: Das Restaurant, in dem sie arbeiteten, war verkauft worden. Beide waren sofort raus, Amerika kennt keinen Kündigungsschutz, und statt Arbeitslosengeld gabs nur einige Lebensmittelmarken.

«Mit Hilfe von Verwandten ­hatten wir kurz vor den Kündigungen Flugtickets in die Schweiz ­gekauft, um zu Hause Weihnachten zu feiern», sagt Aeschbacher. «Wir sahen uns an und wussten: Genug, so wollen wir nicht länger leben, wir zügeln definitiv in die Schweiz.» Das war 2012.

Kraft für den Neuanfang fand Colvin in dem Gedanken, dass sich seine Familie zu Hause auf ihn und seine Frau freute – und er noch ­immer alle Möglichkeiten hatte. Mittlerweile hat er eine Ausbildung als Automechatroniker nachgeholt und plant ein Ingenieur­studium. Seine Frau arbeitete erst als Kindermädchen, jetzt als Fotografin. Auf Youtube («Mr. & Mrs. Vlogs») berichten sie von ihrem Alltag in der alten neuen Heimat. Sie leben heute in einer hübschen, liebevoll eingerichteten Zwei-Zimmer-Wohnung am Rand von Zürich.

Fotos erinnern an das Leben in Amerika, Aeschbacher empfindet die Zeit als positiv. «Ich habe gelernt, was ich an der Schweiz und meiner ­Familie habe – und wie gut ­unser Leben hier trotz mancher Sorgen ist. In den USA bin ich erwachsen geworden. Es war hart, aber ich habe viel über mich erfahren, bin stärker zurückgekehrt.»

Ein Sehnsuchtsort ist Amerika für ihn nicht mehr: «Vielleicht mal für Ferien, aber es zieht uns nichts hin.» Sie wollen im Sommer lieber gemeinsam wandern – in den schönen Schweizer Bergen.

Publiziert am 21.07.2015 | Aktualisiert am 21.07.2015
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4 Kommentare
  • Niko  Cord 22.07.2015
    Die Schweizer Staatsbürgerschaft ist ein Geschenk Gottes! Aber wer immer in der Schweiz lebte, weiss das oft nicht zu schätzen.
    Ich lebe seit knapp 4 Jahren im Ausland, und mit einigem Glück lebe ich hier zu Zeit ganz gut. Aber so manches konnte ich mir auch nur erlauben, da ich weiss: Wenn was schief geht kann ich zurück in die Schweiz! Das ist sowas wie eine letze Versicherung für den Fall der Fälle. Obwohl bisher alles gut ging, ohne diese Sicherheit wäre ich nicht wo ich heute bin.
  • Niggi  Münger aus Basel
    22.07.2015
    Schöne Geschichte, die zeigt, dass es in der Schweiz doch nicht so schlecht ist. Unser Sozialsystem, unsere Gesetze und die Sicherheit. Da kommen nicht nur Ausgewanderte gerne zurück, wenn es dann wo anders nicht mehr geht, sondern auch alle anderen. Wir sollten uns bemühen, dass wir unser Sozialsystem nicht weiter überstrapazieren und dass wir es auch schätzen und verteidigen. Sonst sind dann diese Kassen auch bald leer.
    • Bruno  von Arx , via Facebook 22.07.2015
      Wieso sollen solche Leute, die etwas gewagt haben, nicht die Chance im Heimatland bekommen?
      Wenn wir nur die und keine Asylanten hätten, könnten könnten noch mehr einen Versuch wagen.
    • David  Shaw aus Chonburi
      22.07.2015
      Viele Rückkehrer, v.a. welche aufgrund ihres Alters 40+ und der beruflichen Perspektivlosigkeit, dank PFZ, die CH verlassen hatten, wenig Glück hatten; diese haben zuvor Jahrzehnte in die Sozialwerke eingezahlt - die Asylanten auch? Ich denke, dass man da schon einen Unterschied machen muss. Das eigene Volk zuerst. Hier bei uns in Thailand kommt der Thai immer zuerst, egal ob und wieviel wir Ausländer Kohle bringen, auf eigene Rechnung leben müssen - nichts Sozialhilfe. Wenn kein Geld mehr, raus