Maja unverblümt Ausflug in die Welt des Cyber-Sex

  • Aktualisiert am 03.01.2012

Sie hätte Shoppen oder ins Kino gehen können. Stattdessen hat Maja Chatroulette gespielt – und dort viele Grüsel getroffen. Die ungeschminkte Wahrheit über den Selbstversuch.

«Maja, du MUSST Chatroulette spielen», sagte mein Arbeitsgspänli Lars, als wir bei der Kaffemaschine standen. «Ich muss was?», fragte ich.

«Chatroulette.com, sag bloss, du kennst das nicht!?» – Lars schien fast etwas empört zu sein. «Moment, das ist doch dieser Chat, der dir per Zufallsprinzip irgendwelche Internet-Grüsel zuweist», sagte ich. Lars lachte und verschwand.

Ich eilte an meinen Platz zurück, öffnete den Explorer und loggte mich auf www.chatroulette.com ein. Natürlich mit Webcam.

Das Prinzip ist simpel. Kein Login. Kein Username. Nur «New Game» anklicken.

Ein paar Sekunden später streckt ein Typ ein Plakat vor seine Kamera: «Show me your boobs, i show you my cock». Aha, Brüste gegen Penis also! Ich breche in schallendes Gelächter aus. Sofort klicke ich auf «Next». Jetzt lande ich bei einem Bubi. Ca. 15 Jahre alt. Super. Erinnert mich an Bill von Tokyo Hotel. Ich lache herzhaft. Der Kleine auch. Ich winke einmal nett rein – er zurück. Dann klickt er mich weg. So läuft das. Abserviert von einem Teenie. Und weiter.

Was ich jetzt sehe, lässt mir den Atem stocken. Eine Frau. Füdliblutt. Von den Brüsten bis zu den Knien. Kein Gesicht. Keine Schamhaare. Sie spielt an sich rum.

«Next». Und schon masturbierts auf meinem Bildschirm wieder. Diesmal ein Mann. Vor lauter Behaarung auf der Bierwampe kann ich nur knapp eine Eichel erkennen.

Ich kann es nicht lassen und frage auf Englisch, ob er youporn.com kenne. Er geht nicht drauf ein und fordert mich stattdessen auf, mein Shirt auszuziehen. Perversling. «Next». Oha! Ein Typ. Angezogen und lächelnd. Er erzählt, dass er aus Bosnien kommt. Fast ein Landsmann. Jetzt wird mir kurz warm ums Herz. Wir chatten ein paar Minuten und feiern die Existenz von Spanferkeln und Cevapcici.

«Next». Und schon befinde ich mich im Wohnzimmer eines Typen. Im Hintergrund erkenne ich ein Tischtuch mit Papageien und Blumen. An der Wand hängt ein Fantasy-Bild. Brillenträger mit Schnauz. Dazu Igeli-Frisur. Typ «deutscher Talk Show-Gast». Bei diesem Gedanken prustete ich los. Was er natürlich als nette Anmache deutet und mich mit einem plumpen «Hi» anchattet. Ich zeige ihm kurz meine Grimasse, die ich in der zweiten Klasse gelernt habe und immer noch super finde – und klicke ich ihn weg.

Dann wiederholt sich der Trash nur noch: Wixende Typen a gogo, realitätsfremde Nerds, Teenies und alle zwölf Klicks ein Mädchen. Nach einer Stunde ist meine Libido angeschlagen, meine These der Internet-Grüsel belegt und Penisse will ich die nächsten vier Tage auch nicht sehen. Und dem lieben Lars schütte ich das nächste Mal statt Zucker Salz in seinen Café Latte.

Unverblümt, direkt, abgefahren: Maja (zvr@ringier.ch).

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