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Lasse ich mein berufliches Leben Revue passieren, fällt vor allem eines auf: Ich habe eine Menge Scheissjobs ausgeübt. Das liegt daran, dass ich ab der Pubertät sowieso nur Popstar werden wollte. Vorher träumte ich von einem Leben als Kindergärtnerin. Oder Breakdancerin. Hebamme kam auch kurz infrage. Als ich aber eine Geburt im Fernsehen sah, platzte der Traum. Ab diesem Zeitpunkt hielt ich es nicht mehr für notwendig, die Schule ernst zu nehmen und mutierte zum Lehreralbtraum. Die zweite Sek musste ich repetieren. Das war Scheisse. Denn auch beim zweiten Mal schnallte ich weder den Satz des Pythagoras noch das Passé composé.
Mein Seklehrer wollte mich in ein Nonnen-Internat stecken. Sonst werde ja nichts aus dem Kind, sagte er meinen Eltern. Noch während dieser Zeit verdonnerte er mich zu meinem ersten Ferienjob in einer Firma, die irgendeinen Scheiss herstellt, den die Welt nicht braucht. Ich musste am Fliessband Schrauben in ein Plastik-Plättli schrauben. Für acht Stutz pro Stunde.
Jahre später hielt ich mich eine Weile mit temporären Jobs über Wasser. Als Call Center-Agent wurde mir stündlich mit dem Kassensturz gedroht. Das einzig tolle war, dass ich mich auf eine Liaison mit dem Boss einliess. So konnten wir in der Kaffee-Pause knutschen. Später vermittelte mich eine Personalbüro-Tante an den Empfang einer unmöglichen Bude. Da gabs nur Kotzbrocken über 40-ig in Anzügen und ohne Humor. Bei Jeans gerieten die in Panik: «Mir sind doch kein Freiiziit-Verein». Vollidioten! Also bewarb ich mich bei einem Sushi-Lokal für den Service und wurde prompt zum Probeschaffen eingeladen. Die Tatsache, dass ich feinmotorisch komplett gestört bin, führte dazu, dass ich die Übung nach zwei Stunden selber abbrach.
Ab diesem Punkt machte ich es mir zum Hobby, mich für Stellen zu bewerben, für die ich nicht qualifizert war. Vorstellungsgespräche finde ich eben lustig. Wo kann man sonst so ausführlich über sich selber sprechen, ohne Narzist geschimpft zu werden? Ein Interview rockte besonders. Der Typ erkundigte sich nach meinen Schwächen. Das fand ich sehr 80-er und antwortete mit «Patrick Dempsey, Zigaretten und Blueberry Muffins». Er lachte. Wo ich meine Stärken sehe, wollte er wissen. «Ich kann Wimperntusche ohne kleckern auftragen und freihändig Velo fahren», sagte ich. Der Typ stellte mich ein.
Heute führen mein Job und ich eine innige Beziehung voller Liebe mit nur wenig Krisen. Deswegen gebe ich ihn nicht mehr auf. Ausser Justin Timberlake bietet mir eine Stelle als Tänzerin und Geliebte an.
P.S. An meinen Sek-Lehrer: Soviel zu «aus diesem Kind wird nie was». Sie Motherfucker!
Unverblümt, direkt, abgefahren: Maja (zvr@ringier.ch).