Alimenten-Streit nach der Scheidung Wer muss wem wie viel zahlen?

Erst die Scheidung, dann der Kampf ums Geld: Oft wird um Alimente hart gestritten. Was tun, wenn sich die finanziellen Verhältnisse verändern?

Was tun bei Scheidung: Wer zahlt wem wie viel Unterhalt play
Streit ums Sorgerecht, Streit um Alimente – für Kinder kann die Scheidung der Eltern zum Stresstest werden. Shannon Fagan/Getty Images

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Eltern müssen für ihr Kind sorgen: Was logisch scheint, führt nach Scheidungen mitunter zu heftigem Streit und zu roten Köpfen. Wer bekommt das Sorgerecht fürs gemeinsame Kind? Wer muss wie viel Alimente zahlen?

Wer zahlt wem wie viele Alimente?

Trennen sich Eltern, wächst ein Kind bei jenem Elternteil auf, der das Sorgerecht erhalten hat. Der andere muss seinen Beitrag mit der Zahlung von Alimenten leisten – oft nicht nur für Kinder, sondern auch an die Ex-Frau oder den Ex-Mann. So will es das Zivil­gesetz. Und so tun es Hunderttausende – sie ­entrichten Alimente nach der Höhe ihrer Einkommen. Bei einem Nettolohn von 6000 Franken sind das – nach einer Faustregel berechnet – rund 1000 Franken pro Kind.

Doch was tun, verdient ein Alimentenzahler plötzlich deutlich weniger? Und die Unterstützungsbeiträge werden für ihn zum existenziellen Problem? Dann gilt: das Gespräch mit seiner Ex oder seinem Ex suchen. Das bedingt aber, dass man seine finanzielle Situation ­offenlegt.

Im gegenseitigen Einvernehmen lassen sich Ehegattenalimente ­jederzeit ändern, am besten mit ­einer kurzen, schriftlichen Vereinbarung. Geht es aber darum, die ­Alimente für Kinder anzupassen, braucht es zwingend die Zustimmung der Kindes- und Erwachsenenschutzbehörde (Kesb) am Wohnsitz des Kindes.

Eine Änderung der Alimente ist gemäss gängiger Praxis möglich, haben sich die ­finanziellen Verhältnisse seit der Scheidung «dauernd und erheblich und nicht vorhersehbar geändert». Als erheblich gilt eine Einkommens­einbusse von 10 bis 20 Prozent – oder mehr. Ist durch ein Gespräch keine einvernehmliche Lösung möglich, kann man klagen. Danach wird das Begehren von einem Einzelrichter oder im Rahmen eines Mediationsverfahrens geprüft.

Die Regel gilt: Erst reden, dann klagen

Ein kleineres Einkommen führt jedoch nicht selbstredend zu einer Reduktion der Alimente. Wer beispielsweise zeitlich begrenzt weniger verdient, hat schlechte Karten. Auch eine Arbeitslosigkeit allein genügt nicht. Man muss schon mehrere Monate arbeitslos sein und dauerhaft deutlich weniger verdienen, damit ein Richter die Beiträge herabsetzt.

Wesentlich besser stehen die Chancen, kann sich die unterhaltsberechtigte Person über einen ­erheblichen Vermögenszuwachs freuen – oder es kommt zu einem deutlich höheren Einkommen als zur Zeit der Scheidung. Diese Regel gilt auch für die/den Alimentenpflichtigen: Verdient dieser plötzlich deutlich mehr Geld, gilt es die Alimenten zu erhöhen.

Muss jemand hingegen plötzlich mit dem Existenzminimum auskommen, kann er nicht länger zu Unterhaltsbeiträgen verpflichtet werden. Das Existenzminimum wird von Kanton zu Kanton unterschiedlich bemessen – und von Fall zu Fall (siehe Box). Das Existenz-minimum muss beispielsweise die Wohnkosten, den Grundbedarf für den Lebensunterhalt  sowie die
medizinische Grundversorgung (Krankenversicherung) decken. Reicht ein Einkommen nicht aus, darüber hinaus Alimente zu leisten, muss jener Elternteil, der die Obhut über ein Kind hat, notfalls beim Sozialamt anklopfen.

Mediation schont mitunter die Nerven und das Portemonnaie

Klarer präsentiert sich für Alimentenzahler die Situation, sollte die Ex/der Ex wieder heiraten: Dann fallen die Alimente komplett weg. Doch Vorsicht: Man muss sich selber schlau machen. Ein Alimentenpflichtiger wird nicht von Amtes wegen informiert, dass eine Heirat stattgefunden hat.

Statt sich auf lange und teure Prozesse einzulassen, gibts sinn­vollere und günstigere Wege, Unterhaltsfragen zu klären – etwa über eine Mediation. Darin lassen sich vorübergehende finanzielle Engpässe oder eine länger dauernde Änderung gemeinsam diskutieren – und faire Lösungen finden.

Publiziert am 21.08.2016 | Aktualisiert am 31.08.2016
Alimente nach der Scheidung

Informationen und Adressen

Das Gesetz nennt keine verbindlichen Richtlinien oder Zahlen, wie hoch die Alimente festzusetzen sind. Nur so viel: Der Unterhalt muss den Bedürfnissen des Kindes sowie dem Lebensstandard und der finanziellen Leistungsfähigkeit der Eltern angepasst sein. Generell gilt: Je höher das Einkommen, desto höher die Alimente.

Berechnet werden die Alimente von Kanton zu Kanton unterschiedlich. Beispiel Kanton Bern: Beträgt das Nettoeinkommen eines Zahlungspflichtigen 5000 bis 8000 Franken, so erhält der andere Elternteil davon für ein Kind 17 Prozent, für zwei Kinder 27 Prozent und für drei Kinder 36 Prozent. 

Wo wenig Geld ist, ist auch nicht viel zu holen – im schlimmsten Fall gar nichts. Gemäss Bundesgericht ist das Existenzminimum des unterhaltspflichtigen Elternteils unantastbar. In diesem Fall werden keine Kinderalimente fällig. Da bleibt oft nur der Gang auf die Fürsorge.

Mehr Infos zum Thema finden Sie unter:
www.ch.ch
www.familienleben.ch
www.schulden.ch
www.mediationschweiz.ch

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45 Kommentare
  • Verena   Von Guggisber aus Langenthal
    22.08.2016
    wenn sich die finanzielle Situation beim Mann ändert, sieht es schlecht für ihn aus, denn ohne teuren, nicht mehr bezahlbaren Anwalt und Gerichtsbeschluss läuft gar nichts. Wenn sich bei der Frau etwas ändert, geht das ruck-zuck, bis zu 5 Jahre retour, egal, ob der Mann Geld hat oder nicht, es wird nicht einmal darauf Rücksicht genommen, ob er zu Essen hat, oder nicht
  • Müller  Erkki 22.08.2016
    Wenn einer mehr Verdient dann kostet ein Kind auch mehr im Unterhalt, aha!? Das heisst also, dass die Kinder der etwas besser verdienenden mehr wert haben, als mit kleineren Einkommen. In meinem Bekanntenkreis, konnte es sich ein Ehepartner erlauben Reisen zu bezahlen, neue Fahrzeuge anzuschaffen usw, dank den Alimenten und einem Teilzeiteunkommen. Der oder diejenige welche die Alimente zu bezahlen hat, lebt mit dem Minimum, wo ist da die Gerechtigkeit geblieben?!
  • Walter  Engelskind aus Bergdietikon
    21.08.2016
    Ab 2017. Unverheiratetes Paar, Anfangs 40, er hat sich hochgearbeitet und verdient 20`000. Sie, Torschlusspanik, beeinflusst durch gute Freundinnen, möchte Kind zur Selbstverwirklichung aber keinen Mann und "vergisst" die Verhütung. Er drückt in Zukunft die Hälfte seines Einkommens ab, da es für sie nicht zumutbar ist zu arbeiten und die erweiterte Betreuung zum tragen kommt und kann sich auf Kosten des Mannes zurücklehnen.
    Schöne neue Welt geprägt von Vertrauen und Liebe...
  • Lily  Bucher 21.08.2016
    Nochmal zusammengefasst: Das Gericht klärt, wer schon während der Ehe mehr auf die Kinder geschaut hat. Dieser Elternteil bekommt die Kinder für unter der Woche zugesprochen. Das Gericht schaut auch, wer bereits während der Ehe mehr gearbeitet und verdient hat. Dieser Elternteil muss dem anderen Kindesunterhalt bezahlen. Das Geschlecht spielt dabei keine Rolle! Achtet einfach darauf, bereits während der Ehe Kindererziehung, Haushalt und Erwerbstätigkeit gleichmässig zu verteilen.
    • David  Brunner aus Wetzikon
      22.08.2016
      An Lily Bucher, es ist eine neue Situation und es war auch anderes "während der Ehe". Wenn Mutter nicht will, muss Vater nichts wollen. Das ist die Devise, egal was vorher war. Der Richter folgt der Mutter, manchmal dem Vater, je nach Verbindung des jeweiligen Anwaltes zum Richter. Wie hier gerichtet wird, das hat oft weder mit Recht noch mit Gerechtigkeit geschweige denn mit Kindeswohl zu tun.
    • David  Brunner aus Wetzikon
      22.08.2016
      Es gibt einen exemplarischen Bericht zu einem Ärztepaar mit drei Kindern. "Während der Ehe" war die Aufteilung 50-50, nach der Trennung weiterhin 50-50, genau so lange, bis die Frau Ärztin Mutter das nicht mehr wollte. Der Vater wurde dazu "verurteilt", 100 Prozent zu arbeiten, alles zu finanzieren. An den verbleibenden Besuchstagen durfte der Arzt und Vater die Kleinste nicht einmal mehr zum Übernachten bei sich haben, bis sie drei Jahre alt wäre. Sogar diesen Irrsinn stützte der Richter.
    • Peter  Balu J , via Facebook 22.08.2016
      Aha, das Gericht klärt! Völliger Blödsinn! Ich habe es selber erlebt, neben einem 100 Prozent Job noch für die Kinder schauen zu dürfen, zu kochen, zu waschen, etc. etc. weil die Mutter als Hausfrau sich selber verwirklichen wollte und keine Zeit für solches hatte. Abgeklärt? Aussage gegen Aussage und da ich ja gearbeitet habe, habe ich sowieso gelogen. Seither bin ich unterbunden und Ende der Sorgen, sowas könnte mir nochmal passieren!
  • Charlie  Jackson 21.08.2016
    Für alle Frauenbasher: und Ihre Antwort ist genau diejenige einer veralteten Denke, und vorauseilendem Machotum. Wie kommen Männer eigentlich darauf, dass sie sich ein Hausmami wünschen und anschliessend bei der Scheidung nichts bezahlen wollen (nur zur Info, ich bin berufstätig, verdiene mehr als mein Mann - ja, auch das gehört zur Emanzipation beider Geschlechter, aber viele Typen ertragen ja keine starken Frauen. Mit stark meine ich insbesondere weder Männer ausbeutend, noch blöd)?